Ermittler gehen gegen mutmaßliches Geldwäsche-Netzwerk vorGroßrazzia gegen „Hells Angels“ – Behörden ziehen erste Bilanz

von Marc Sommer und Valerio Magno

Rund 1.000 Einsatzkräfte, 71 Beschuldigte und 14 vollstreckte Haftbefehle: Nach der großangelegten Razzia gegen ein mutmaßliches Geldwäsche-Netzwerk im Umfeld der „Hells Angels“ haben die Behörden eine erste Bilanz gezogen. Vermögenswerte in Höhe von rund 48 Millionen Euro sollen beschlagnahmt werden. Im Visier der Ermittler stehen auch ein Polizist und mehrere Mitarbeiter der Stadt Duisburg.

Zwei Jahre Ermittlungen, dann der große Zugriff

Bei einer Pressekonferenz in Duisburg haben NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU), Landesjustizminister Benjamin Limbach (Grüne) sowie Vertreter von Polizei, Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung am Donnerstag (01.10.) erste Ergebnisse der Großrazzia gegen die „Hells Angels“ vorgestellt. Der Einsatz wurde mehr als zwei Jahre lang vorbereitet. „Hier brauchen Sie langen Atem“, erklärte Limbach. Staatsanwaltschaft, Polizei und Finanzermittler müssten eng zusammenarbeiten, um gegen solche Strukturen vorzugehen. Am Mittwochmorgen (30.09.) durchsuchten die Behörden mehrere Objekte in Duisburg. Im Fokus stand ein mutmaßliches Geldwäsche-Netzwerk im Umfeld der „Hells Angels“. Doch der Großeinsatz beschränkte sich nicht auf NRW: Auch in Bayern, Baden-Württemberg, Berlin und Rheinland-Pfalz sowie in den Niederlanden, Belgien und Bulgarien schlugen die Einsatzkräfte gleichzeitig zu.

14 Haftbefehle und Millionenwerte sichergestellt

Rund 1.000 Einsatzkräfte waren an der Aktion beteiligt. Insgesamt gibt es 71 Beschuldigte. Gegen 14 Personen lagen Haftbefehle vor, die vollstreckt wurden. Nach Angaben der Ermittler sollen Vermögenswerte im Umfang von rund 48 Millionen Euro beschlagnahmt werden. Konten wurden gepfändet und Grundstücke beschlagnahmt. Außerdem stellten die Einsatzkräfte 16 Fahrzeuge, Waffen, Bargeld und Schmuck sicher. Polizeipräsident Alexander Dierselhuis sprach von einem wichtigen Schlag gegen die Führungsriege der Duisburger Hells Angels. „Die Führer, die Hauptpersonen, sitzen jetzt im Gefängnis“, sagte er. Sie seien damit zunächst nicht mehr in der Lage, von außen zu agieren.

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Auch Polizist und Stadtmitarbeiter im Visier

Bei den Ermittlungen gerieten auch ein Polizeibeamter und Mitarbeiter der Stadt Duisburg ins Visier der Behörden. Der Polizist ist vorläufig nicht mehr im Dienst. Zwei städtischen Mitarbeitern und dem Beamten wird vorgeworfen, unbefugt Daten weitergegeben zu haben. Ein weiterer Stadtmitarbeiter soll Geld angenommen haben, um im Zusammenhang mit Verwaltungsverfahren Vorteile zu gewähren oder zu versprechen. Nach Angaben des Duisburger Polizeipräsidenten soll es zudem Hinweise darauf gegeben haben, dass Mitglieder der „Hells Angels“ vor geplanten Maßnahmen gewarnt wurden. Demnach wussten sie offenbar, wann eine Razzia stattfinden sollte.

Ermittlungen gehen weiter

Für die Ermittler ist der Einsatz damit noch nicht abgeschlossen. Die Verfahren richten sich unter anderem gegen den Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung und der Steuerhinterziehung. Außerdem geht es um den Verdacht der räuberischen und gewerbsmäßigen Erpressung, des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs sowie der gewerbsmäßigen Geldwäsche. Die weiteren Ermittlungen laufen.