Schädelfund bringt neue ErkenntnisseGetötet und zerstückelt? Prozess im Cold Case Anita S. in Bochum

von Rogatus Skanta

Mehr als sechs Jahre nach dem rätselhaften Verschwinden der Bochumerin Anita S. hat der Prozess gegen ihren Ex-Partner begonnen. Nach dem Fund eines Schädels muss sich der 39-Jährige wegen Totschlags vor dem Landgericht Bochum verantworten.

Anklage: Streit endet tödlich?

Die Bochumer Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Matthias K. soll seine damalige Partnerin Anita S. getötet und zerstückelt haben. Die damals 35-Jährige verschwand im Dezember 2019 spurlos. Laut Anklage soll es während eines Wochenendbesuchs bei dem Angeklagten in Witten (Ennepe-Ruhr-Kreis) zu einem heftigen Streit gekommen sein, bei dem er Anita S. aus Zorn angegriffen und getötet haben soll. Beide sollen ein Verhältnis gehabt und sich regelmäßig an Wochenenden in seiner Wohnung getroffen haben – begleitet von Alkohol und Cannabis. Immer wieder habe es Streit gegeben, so auch am 07. Dezember 2019, dem Tag, an dem Anita S. verschwand. Am Mittwoch (01.07.) hat am Landgericht Bochum der Prozess gegen Matthias K. (39) begonnen.

Anfangsverdacht gegen Matthias K.

Schon früh geriet der Angeklagte ins Visier der Ermittler. Er war einer der letzten Menschen, die die Bochumerin lebend gesehen haben sollen. 2020 wurde er festgenommen, aber mangels Beweise wieder freigelassen. Zu diesem Zeitpunkt war für die Behörden noch nicht einmal klar, dass Anita S. überhaupt getötet worden war.

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Neue Hinweise führen zur Anklage

Die Ermittler ließen nicht locker. Immer wieder durchsuchten sie das Gebiet rund um den Kemnader See und umliegende Wälder. 2023 fanden sie schließlich einen Schädel, der später Anita S. zugeordnet wurde. Die Polizei geht davon aus, dass sie vermutlich mit Stichen in den Hals getötet wurde. Der Fundort lag nur etwa 400 Meter von der Wohnung des Angeklagten in Witten-Herbede entfernt. Aufgrund dieser räumlichen Nähe und weiterer Indizien reichten die Beweise der Staatsanwaltschaft für eine Anklage wegen Totschlags. Im Gerichtssaal schwieg Matthias K. bislang. Über seinen Anwalt Egbert Schenkel ließ er ausrichten: „Er war es nicht. Er habe weder mit dem Verschwinden noch mit dem Ableben von Anita etwas zu tun.“ Im Falle einer Verurteilung muss der Angeklagten mit bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe rechnen. Das Urteil wird Anfang September erwartet – bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.