Hochschule will Vorreiter seinErste Islamisch-Theologische Fakultät Europas an der Universität Münster 

von Vanessa Brodka

Die erste islamisch-Theologische Fakultät ist am Mittwoch (01.07.) offiziell an der Universität Münster an den Start gegangen. Das ist europaweit einmalig, sorgt aber auch für Kritik. Nicht immer ist die Auffassung von Studenten der Fakultät mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar. Das hat erst vor zwei Jahren eine Studie derselben Hochschule gezeigt.

Langer Weg bis zur eigenen Fakultät

„Wissen statt Glauben“ - wahrscheinlich ist das das Motto der meisten Hochschulen. Doch bei manchen Fächern verschwimmt beides miteinander. Seit Mittwoch (01.07.) hat die Universität Münster eine islamisch-theologische Fakultät. Es ist die erste Staatliche in Europa. Für Gründungsdekan Mouhanad Khorchide wird ein Traum wahr. Für ihn ist es ein Zeichen der Anerkennung. Außerdem zeige es, dass islamische Theologie auf Augenhöhe mit anderen Theologien sei. Außerdem will er sich für einen weltoffenen Islam einsetzen. Den Lehrstuhl für Islamforschung gibt es aber schon seit 14 Jahren. Jetzt kommen aber mehr Fächer dazu und es gibt Platz für 500 Studenten. Die meisten von ihnen sind muslimisch.

Uni formuliert gemeinsame Leitlinien

An der Universität gibt es zwölf Leitlinien mit dem Titel „Islamische Theologie in Verantwortung – Zukunft gestalten“. Es geht dabei zum Beispiel um Gleichberechtigung. Doch eine andere Studie der Universität Münster vor zwei Jahren zeigt: Ein Großteil angehender islamischer Theologen vertritt veraltete Rollenbilder und fundamentalistische Einstellungen. Das wurde nicht vernünftig aufgearbeitet findet Franziska Müller-Rech von der NRW-FDP. Sie ist der neuen Fakultät skeptisch gegenüber eingestellt. Erstmal muss sichergestellt sein, dass die Studenten auch auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, so die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende in NRW. Überzeugt ist hingegen die NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU) und teilt auf RTL WEST Anfrage mit: „Ich bin sicher, dass ein wissenschaftliches Studium einen wichtigen Beitrag für ein friedliches Miteinander der Religionen und somit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt leistet.“ Deshalb zieht die Fakultät auch auf den neuen Campus für Theologien und Religionswissenschaften wie jüdische Studien. Doch der Austausch könnte auch nach hinten losgehen. Gerade Judenhass hat an Hochschulen in NRW zugenommen, so Zahlen aus dem zuständigen Ministerium.