Attacke auf der Rückfahrt vom JugendamtEhefrau mit Pflanzenschutzmittel fast vergiftet – Prozessauftakt am Landgericht Paderborn

Ein Mann soll seine Ehefrau nach einem Termin beim Jugendamt mit einer Spritze voller Pflanzenschutzmittel angegriffen haben. Jetzt muss das Landgericht Paderborn klären, ob es versuchter Mord war.

Ehe ging in die Brücke

Es soll lange ein glückliches Familienleben gewesen sein. Spätestens vergangenes Jahr war das aber vorbei. Franz Josef S. steht seit Dienstag (21.04.) vor dem Landgericht Paderborn. Er ist angeklagt wegen versuchten Mordes. Die Ehe zwischen ihm und seiner Frau scheiterte 2024. Seine Noch-Ehefrau Linda verliebte sich neu und zog vom gemeinsamen Hof in die Nachbarschaft. Die beiden gerieten häufig in Streit. Es ging um Unterhaltszahlungen und das Umgangsrecht für die beiden gemeinsamen Söhne. Mitte November 2025 gab es einen Termin beim Jugendamt. Anschließend fuhren die beiden gemeinsam zurück. Auf der Fahr soll Franz Josef S. versucht haben, seine Noch-Ehefrau mit einem Pflanzenschutzmittel zu töten. „Dabei soll er eine Spritze mit dem Pflanzenschutzmittel befüllt haben und diese Spritze in den Oberschenkel der Geschädigten gestochen haben“, so Sebastian Gantzke vom Landgericht Paderborn.

Ehefrau geht es wieder gut

Die Sozialarbeiterin bekam schnell Lähmungserscheinungen, fiel in Ohnmacht und wurde ins Krankenhaus gebracht. „Körperlich hat sie sich relativ gut erholt. Das Problem ist nur, dass eine Substanz verwendet wurde, bei der eigentlich kein Humanmediziner und auch kein sonstiger Mediziner sagen kann, ob nicht noch Spätfolgen oder Komplikationen zu erwarten sind. Das belastet Sie auch im Hinblick auf die Zukunft sehr“, so Nebenklagevertreterin Ruth Kanzlsperger.

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Angeklagter versuchte, sich umzubringen

In der Untersuchungshaft versuchte der 41-jährige Angeklagte, sich das Leben zu nehmen. Er sprang von einem Dach. Franz Josef S. gestand nun seine Tat. Das Gericht muss jetzt entscheiden, ob der Angriff versuchter Mord oder Totschlag ist. Immerhin will der Angeklagte nach der Tat selbst Erste-Hilfe geleistet haben. „Das sind juristische Bewertungen, die jetzt folgen. Es gibt eine Rücktrittsproblematik, ob aktiv oder nicht aktiv. Aber grundsätzlich hat er eingeräumt, dass er seine Frau mit der Spritze gestochen hat und dass er das Pestizid in sie initiiert hat. Dafür hat er die Verantwortung übernommen“, so Verteidiger Torsten Giesecke. Sollte Franz Josef S. wegen versuchten Mordes verurteilt werden, muss er mit mindestens drei Jahren Freiheitsstrafe rechnen. Die Entscheidung soll Anfang Juni fallen.