Traditionsreichstes Parfumhaus der DomstadtEau de Cologne aus Köln – Louise Farina führt mit 26 Jahre das Familienunternehmen in neunter Generation

von Claudia Hessel

Eau de Cologne kennt fast jeder – doch, dass der berühmte Duft seinen Ursprung im Kölner Familienunternehmen Farina hat, wissen deutlich weniger Menschen. Seit 1709 sitzt das Unternehmen in der Kölner Altstadt und wird inzwischen in neunter Generation geführt. Mit Louise Farina übernimmt nun eine 26-Jährige immer mehr Verantwortung – für rund 40 Beschäftigte und eine Marke mit mehr als 300 Jahren Geschichte.

Vom Familienkind zur Unternehmerin

Louise Farina wuchs praktisch mit dem Unternehmen auf. Schon als Kind begleitete sie ihren Vater ins Geschäft, mit 16 besuchte sie internationale Fachmessen. Später studierte sie Chemie, ließ sich im französischen Versailles zur Parfümeurin ausbilden und machte zusätzlich einen Master in Betriebswirtschaft im italienischen Padua. Die Verbindung zum Familienunternehmen prägte sie früh. Besonders eng war das Verhältnis zu ihrer inzwischen verstorbenen Großmutter Tina Farina. Eine langjährige Mitarbeiterin erinnert sich, dass Louise als Kind bei ihren Besuchen immer zuerst wissen wollte, ob ihre Großmutter im Haus sei. Heute trägt Louise selbst Verantwortung im Unternehmen. Dass sie dabei als junge Frau gelegentlich unterschätzt wird, sieht sie eher als Vorteil: Entscheidend sei, selbst zu wissen, was man könne – und das richtige Team hinter sich zu haben.

Hier begann die Geschichte des Eau de Cologne

Die Geschichte von Farina reicht bis ins Jahr 1709 zurück. Johann Maria Farina kam damals aus Italien nach Köln und entwickelte dort einen für die Zeit ungewöhnlich leichten und frischen Duft. Er beschrieb ihn als Erinnerung an einen italienischen Frühlingsmorgen nach dem Regen. Sein Duft unterscheidet sich deutlich von den schweren Parfüms seiner Zeit. Farina nennt ihn nach seiner neuen Heimat: Eau de Cologne – Wasser aus Köln. Der Duft wurde zum internationalen Erfolg. Farina belieferte europäische Fürsten- und Königshäuser. Historische Bestellungen, Briefe und Rechnungen lagert das Unternehmen noch heute auch in seinem Museum in der Kölner Altstadt. Zu den bekannten Kunden zählten unter anderem Queen Victoria, Kaiserin Elisabeth, Johann Wolfgang von Goethe und Napoleon Bonaparte, der 60 Flaschen Eau de Cologne pro Monat bestellt hat.

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Warum viele bei Eau de Cologne zuerst an 4711 denken

Mit dem Erfolg kommen auch Nachahmer. Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt Wilhelm Mülhens in Köln ebenfalls ein Duftwasser und vermarktet es zeitweise unter dem Namen Farina. Es folgen langjährige Rechtsstreitigkeiten. Später wird Mülhens’ Produkt unter der Hausnummer seines Geschäfts in der Glockengasse bekannt: 4711. Bis heute verbinden deshalb viele Menschen Eau de Cologne eher mit 4711 als mit Farina. Genau das möchte Louise Farina ändern. Sie sagt, sie habe schließlich noch ihre ganze Karriere vor sich, um den Namen Farina wieder bekannter zu machen.

Klein, exklusiv und bis heute in Familienhand

Die beiden Marken sind heute sehr unterschiedlich aufgestellt. 4711 gehört zum Dufthersteller Mäurer & Wirtz und ist überall erhältlich. Farina dagegen beschäftigt rund 40 Mitarbeiter und ist bis heute ein Familienunternehmen. Die Produkte werden nur über ausgewählte Parfümerien, das Kölner Stammhaus und online verkauft. Louise Farina arbeitet inzwischen auch an eigenen Kreationen. Zwei Jahre lang hat sie an einer neuen Serie mit sechs stärker konzentrierten Düften gearbeitet. Dabei setzt das Unternehmen nach eigenen Angaben auf hochwertige Rohstoffe und viel Handarbeit. Auch Verpackung und Versand erfolgen in Köln. An starken Tagen werden von dort aus mehr als 2.000 Pakete verschickt.

Bürokratie und Innenstadtverkehr als Belastung

Doch Tradition allein schützt nicht vor aktuellen wirtschaftlichen Problemen. Louise Farina kritisiert vor allem zusätzliche regulatorische Anforderungen innerhalb der Europäischen Union. Gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen seien neue Vorgaben mit erheblichem Aufwand verbunden. Hinzu kommen Probleme direkt vor der Haustür. Das Stammhaus liegt mitten in der Kölner Innenstadt. Farina beklagt, dass weggefallene Haltemöglichkeiten und Verkehrsprobleme die Erreichbarkeit für Lieferdienste und Kunden erschweren. Die Stadt Köln bewertet die Auswirkungen einer Reduzierung des Autoverkehrs anders. Auf Anfrage von RTL WEST verweist sie auf aktuelle Studien, die darauf hindeuten, dass weniger Autoverkehr in Geschäftsstraßen dem örtlichen Handel grundsätzlich nicht schade.

300 Jahre Tradition treffen auf TikTok und Instagram

Louise Farina setzt nicht allein auf Kundschaft im Geschäft. Sie will die jahrhundertealte Marke stärker digitalisieren und neue Zielgruppen erreichen. Auf Instagram und anderen sozialen Netzwerken steht sie selbst vor der Kamera, erklärt Düfte, zeigt ihren Arbeitsalltag und erzählt die Geschichte des Familienunternehmens. Rokoko-Salon und Social Media, Museum und Online-Handel: Für ein Unternehmen von 1709 ist das ein großer Spagat. Louise Farina will dabei nicht aus Farina eine beliebige Massenmarke machen. Das Unternehmen solle etwas Besonderes für Menschen bleiben, die Tradition, Handwerkskunst und hochwertige Produkte schätzen. Trotzdem soll die nächste Generation dazukommen. Ihr Ziel ist klar: Der Name Farina soll wieder stärker mit dem verbunden werden, was vor mehr als 300 Jahren erfunden wurde – dem Original Eau de Cologne.