Fast 39.000 Lehrstellen in NRW immer noch unbesetztAusbildungsstart 2026 – Mehr als 50.000 junge Leute suchen nach einem Platz

von Julian Schlauch

Tausende Azubis starten ab August wieder ihre Ausbildung. Viele junge Leute suchen im Juli noch nach der richtigen Stelle. Und gleichzeitig suchen viele Betriebe nach dem richtigen Personal. So auch ein Malerbetrieb aus Essen. Dort bleibt rund ein Drittel der Ausbildungsstellen in diesem Jahr unbesetzt.

Kaum Nachwuchs

Es sieht mau aus in diesem Jahr: Gerade einmal fünf von 15 offenen Azubi-Stellen sind im Essener Malerbetrieb Goldkuhle besetzt. Aus zwei Gründen: Es gibt zu wenig Bewerbungen. Und: Die jungen Leute, die sich melden, sind oft ungeeignet, wissen nicht, was sie wollen oder möchten Influencer werden, sagt Ausbildungsleiter Rainer Lill.

Es gibt Hoffnung

Aber es gibt auch andere Kandidaten. Wie zum Beispiel Jonas Wilbrandt. Er ist schon im zweiten Lehrjahr. Für ihn war direkt nach dem Abi klar, dass studieren nicht in Frage kommt. Der 23-Jährige ist glücklich mit seiner Entscheidung. Und das ist bei den meisten Azubis so. Laut einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung sind 90% der Auszubildenden mit der Qualität und den Inhalten ihrer Ausbildung zufrieden.

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Tausende Stellen unbesetzt 

Trotzdem sind laut Agentur für Arbeit im Juni immer noch mehr als 53.000 Junge Leute auf der Suche nach einer Ausbildung. Nur in NRW. Mehr als 41.000 von ihnen haben keinen Plan B, wie zum Beispiel ein Fachabitur. Auf der anderen Seite sind fast 39.000 Lehrstellen immer noch unbesetzt. Insgesamt wurden in diesem Jahr aber auch 4.000 Ausbildungsplätze weniger angeboten als 2025. Neben der schwächelnden Wirtschaft und der Rückkehr zu G9 sieht Susanne Schneider von der NRW-FDP vor allem mangelnde Unterstützung der Schulen als Grund dafür. Sie wirbt für ein freiwilliges Jahr im Handwerk, um den jungen Leuten aufzuzeigen, welche Möglichkeiten sie haben.

Probieren geht über studieren 

Außerdem fordert sie mehr Initiative von der Landesregierung, um junge Menschen aufs Berufsleben vorzubereiten. Auch zur Entlastung der Schulen. NRW-Arbeitsminister Karl Josef Laumann befürwortet das. Er findet, dass die Verantwortung nicht nur bei den Schulen liegt. Über Initiativen der Ministerien für Arbeit und Wirtschaft sollen zum Beispiel Ferienpraktika gefördert werden. Wichtig sei es laut dem Minister auch, dass Orientierungspraktika während der Schulzeit weiter auszubauen, ohne, dass andere Dinge zurückbleiben.

Der Wille zählt

Das kann auch für einen erfolgreichen Abschluss der Ausbildung sinnvoll sein, findet Julia Nöske von der Dachdecker Innung Wuppertal-Solingen. Sie sitzt im Prüfungsausschuss. 2026 lag die Durchfall-Quote bei ihren Abschlussprüfungen bis Juli bei fast 80%. Für sie fehlt vielen Azubis die Begeisterung. Man müsse seinen Ausbildungsberuf lieben und wollen. Dass wieder mehr junge Leute „wollen“, würden auch die Malermeister bei Goldkuhle in Essen begrüßen. Sie wünschen sich, dass der Nachwuchs wieder mehr und begeistert anpackt. Und weniger studiert.