Warnung vor längeren Wartezeiten und schlechterer VersorgungÄrzte schlagen Alarm! Mediziner mit symbolischem Trauerzug bei Protest in Neuss

Fachärzte haben am Mittwoch (10.06.) mit einem symbolischen Trauerzug in Neuss gegen die geplante Gesundheitsreform der Bundesregierung protestiert. Die Mediziner befürchten, dass die vorgesehenen Einsparungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung zu weniger Leistungen, längeren Wartezeiten und finanziellen Problemen in den Praxen führen könnten.

Symbolischer Protest mit einem Sarg

Vor einem symbolischen Sarg machen die Ärzte deutlich, wie ernst sie die Lage einschätzen. Aus ihrer Sicht könnte die geplante Reform die ambulante Versorgung nachhaltig verschlechtern. Hintergrund ist ein Gesetzentwurf zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Bundesregierung will damit die Finanzierung der Krankenkassen sichern. Fachärzte befürchten, dass die Einsparungen vor allem auf Kosten der Patientenversorgung gehen könnten.

Ärzte fürchten Einschränkungen bei der Behandlung

Die Neusser Gynäkologin Kathrin Kehren hat den Protest organisiert. Sie warnt davor, dass Praxen künftig an finanzielle Grenzen stoßen könnten. Im schlimmsten Fall könnten Patienten nicht mehr in gewohntem Umfang behandelt werden, wenn die vorgesehenen Budgets ausgeschöpft sind. Nach Einschätzung vieler Ärzte drohen dadurch längere Wartezeiten und eine Einschränkung des medizinischen Angebots. Gleichzeitig müssten die Praxen mit geringeren Einnahmen auskommen.

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Honorare sollen deutlich sinken

Geplant sind unter anderem die Streichung bestimmter Zusatzvergütungen, ein höherer Apothekenabschlag sowie Änderungen bei der Familienversicherung. Wie stark einzelne Facharztpraxen tatsächlich betroffen sein werden, steht noch nicht fest. Der Bundesverband der Frauenärzte rechnet jedoch mit spürbaren finanziellen Einbußen. Schätzungen zufolge könnten Fachärzte künftig zehn bis zwanzig Prozent weniger Honorar erhalten. Für die Mönchengladbacher Gynäkologen Carolin Syree und Thilo Gröning hätte das weitreichende Folgen. Schon heute nehmen sie keine neuen Patienten mehr auf, weil ihre Praxis ausgelastet ist. Sollte die Reform kommen, sehen sie die wirtschaftliche Grundlage ihrer Praxis gefährdet.

Ärzte legen eigene Reformvorschläge vor

Statt weiterer Kürzungen fordern die Mediziner strukturelle Veränderungen im Gesundheitssystem. Syree und Gröning haben gemeinsam ein Impulspapier mit zwölf Reformvorschlägen entwickelt. Darin sprechen sie sich unter anderem für weniger Bürokratie, eine stärkere Gesundheitsvorsorge und eine bessere Anerkennung medizinischer Fachberufe aus. Bei dem Protest in Neuss sind an diesem Tag vor allem Gynäkologen aus Nordrhein-Westfalen vertreten. Betroffen von dem Gesetzesentwurf wären aber alle Fachärzte.

Entscheidung im Bundestag steht bevor

Die Ärzte appellieren an die Politik, gemeinsam nach Lösungen für die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung zu suchen, ohne die Patientenversorgung zu gefährden. Bereits am Freitag soll über den Gesetzentwurf im Bundestag beraten werden. Wird er verabschiedet, könnten die neuen Regelungen bereits im kommenden Jahr in Kraft treten.