Messerangriff auf eigene Familie13-Jähriger in Witten getötet – Vater in U-Haft, Mutter und Schwester stabil

von Niklas Bönsch

Nach einem Messerangriff auf eine Familie in Witten trauert die Stadt um einen 13-jährigen Jungen, der an seinen Verletzungen starb. Seine Mutter und die neunjährige Schwester wurden schwer verletzt und liegen im Krankenhaus, ihr Zustand ist inzwischen stabil.

Nachbarin wird zur Ersthelferin

Anwohner berichten am Montag (30.03.) von dramatischen Szenen am Samstagvormittag (28.03.). Die 23-jährige Anja Lesiczka, die in der Nähe wohnt, erzählt von einer Freundin, die als eine der Ersten am Tatort war. Viele Umstehende seien wie erstarrt gewesen und nicht in der Lage zu helfen. Ihre Freundin sei zur Mutter gerannt, die immer wieder geschrien habe: „Meine Kinder, meine Kinder, helft meinen Kindern!“, und habe ihr dann die Ärmel hochgekrempelt und die Wunden am Bauch zugedrückt, um die Blutung zu stoppen. Kurz darauf übernahmen Rettungskräfte die Versorgung der Schwerverletzten.

Sohn stirbt – Vater unter Tatverdacht

Die eingetroffenen Notärzte kämpften um das Leben aller drei Familienmitglieder. Für den 13-jährigen Sohn kam aber jede Hilfe zu spät, er erlag seinen schweren Verletzungen noch am Tatort. Als tatverdächtig gilt der 40 Jahre alte Vater der Kinder. Er soll seine Frau, seinen Sohn und seine neunjährige Tochter mit einem Messer angegriffen haben, wurde in Tatortnähe festgenommen und sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag und zweifachen versuchten Totschlag vor und geht derzeit von Tötungsabsicht aus. Der Mann macht von seinem Schweigerecht Gebrauch und äußert sich nicht zu den Vorwürfen.

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Tat beginnt in der Wohnung und endet auf der Straße

Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei war ein Streit in der Wohnung der Familie vorausgegangen, der eskalierte. Der Vater soll mit einem Messer auf seine Frau und die Kinder losgegangen sein. Spuren finden sich sowohl im Haus als auch auf der Straße vor dem Mehrfamilienhaus. Nachbarn berichten von Schreien und einer blutigen Auseinandersetzung in der Wohnstraße. Die Familie wollte offenbar gemeinsam in den Urlaub fahren, Koffer standen Medienberichten zufolge schon im Auto. Aussagen, wonach ein angekündigter Trennungswunsch der Frau Auslöser gewesen sein könnte, weisen Polizei und Staatsanwaltschaft derzeit zurück: Hinweise auf einen im Hintergrund stehenden Trennungsstreit gebe es bislang nicht.

Polizei und Zeugen unter Schock

Die Tat geht auch an erfahrenen Einsatzkräften nicht spurlos vorbei. Polizeibeamte zündeten am Montag (30.03.) eine Kerze am Tatort an, um ihre Anteilnahme zu zeigen. Marco Bischoff von der Polizei Bochum berichtet, man werde in eine Situation gebracht, die für die Kolleginnen und Kollegen alles andere als einfach sei. Intern gebe es deshalb psychosoziale Betreuung, Gespräche und Hilfsangebote für die Einsatzkräfte. Zugleich melden sich zahlreiche Zeugen bei der Polizei: Rund zwanzig Anwohner und Menschen aus dem Umfeld hätten sich gemeldet, viele von ihnen seien stark traumatisiert, heißt es von den Ermittlern.

Motiv weiter unklar – Ermittlungen dauern an

Warum der Vater auf seine Familie losging, ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft weiterhin unklar. Es gebe derzeit keine gesicherten Erkenntnisse zur Motivlage, die Ermittlungen dazu würden laufen. Neben weiteren Zeugenbefragungen werten Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt Spuren aus der Wohnung und von der Straße aus, um den genauen Ablauf zu rekonstruieren. Klar ist bislang nur: Der 40-Jährige soll während eines Streits zugestochen haben, Mutter und Tochter befinden sich nach Operationen weiterhin im Krankenhaus, gelten aber laut Ermittlern als stabil.