Hitze, Trockenheit, hohe Kosten„Eine der schlechtesten Ernten”: Bauern im Norden bangen um ihre Zukunft

Landwirt Arndt von Hugo steht auf einem seiner Felder – die diesjährige Ernte bereitet ihm große Sorgen.
Landwirt Arndt von Hugo steht auf einem seiner Felder – die diesjährige Ernte bereitet ihm große Sorgen.
RTL Nord
von Charlott Struck, Lena Kruse und Nele Hasselbusch

Die Felder leiden und damit auch die Landwirte.
Hitze und Trockenheit setzen der Ernte in Norddeutschland zu. Gleichzeitig drücken niedrige Preise und hohe Kosten auf die Betriebe. Für Landwirt Arndt von Hugo aus Barsinghausen ist die Lage so ernst, dass er bereits um die nächste Generation auf den Höfen fürchtet.

Landwirt erntet 20 Prozent weniger

Besorgt schaut Arndt von Hugo auf seine Kartoffeln. Der Boden ist staubtrocken, die Ernte fällt deutlich schlechter aus als erhofft. Insgesamt fährt der Landwirt nach eigenen Angaben rund 20 Prozent weniger Ertrag ein. „Wir haben erhebliche Ernteausfälle. Seit ich Landwirtschaft betreibe, ist das eine der schlechtesten Ernten, die wir eingefahren haben“, sagt er im Gespräch mit RTL.

Aber allein die fehlenden Kartoffeln sind für ihn nicht das größte Problem. „Sie kommt zusammen mit sehr, sehr schlechten Preisen und mit extrem hohen Kosten. Und die Kombination zwischen diesen Faktoren, die ist toxisch.“

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„Keine Branche ist so durch den Klimawandel bedroht“

Und Arndt von Hugo ist nicht allein. Bundesweit fahren die Bauern in diesem Jahr nur 41,9 Millionen Tonnen Getreide ein, sieben Prozent weniger als im Vorjahr, wie der Deutsche Bauernverband in seiner Erntebilanz 2026 mitteilt. Besonders heftig trifft es den Raps: Mit 3,3 Millionen Tonnen bricht die Erntemenge um 20 Prozent ein. Beim Weizen sind es mit knapp 21 Millionen Tonnen ebenfalls sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Bei Gerste sinkt der Ertrag pro Hektar um vier Prozent.

In Schleswig-Holstein spricht die Landwirtschaftskammer auf RTL-Anfrage ebenfalls von einer durchwachsenen Ernte mit großen regionalen Unterschieden. Der Norden sei allerdings weniger stark von Hitzeschäden betroffen als andere Landesteile, bei den Niederschlagsmengen in den vergangenen Wochen sei er noch vergleichsweise gut aufgestellt.

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Trotzdem bekommen die Landwirte die Wetterextreme längst zu spüren, die langfristige Herausforderung ist ernst. „Keine Branche ist so durch den Klimawandel und die jetzt lang anhaltende Trockenheit so bedroht wie die Land- und Ernährungswirtschaft“, sagt Stefanie Geisler von niedersächsischen Landwirtschaftsministerium im RTL-Interview.

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„Junge Hofnachfolger sagen: Ich habe keine Lust mehr“

Für Arndt von Hugo geht es inzwischen sogar um die Frage, wer die Höfe in Zukunft überhaupt noch weiterführen will. Schwankende Erträge gehörten zwar schon immer zur Landwirtschaft. Doch inzwischen komme mehr zusammen. „Wir haben jetzt aber auch gerade in Kombination mit den politischen Entscheidungen eine Situation, wo junge Hofnachfolger sagen: ‘Ich habe keine Lust mehr auf diesen Beruf’ und dann haben wir auch ein gesellschaftliches Problem, wenn da eine Generation von Landwirten eben nicht mehr bereit ist, ihre Betriebe zu übernehmen”, meint er.

Die schlechte Ernte 2026 könnte damit nur ein Vorgeschmack auf die kommenden Jahre sein – mit Folgen für die Bauern, die regionale Landwirtschaft und irgendwann vielleicht auch für unseren eigenen Einkaufskorb.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche