Sie vertrauen ihm jahrelang Sie kennen den Täter persönlich! Mila und Enni werden Opfer von sexualisierten Deepfakes

Er missbraucht ihre Daten.
Bis November 2024 führen die Schwestern Mila und Enni aus der Region Hannover ein ganz normales Leben, haben einen engen Freundeskreis, mit dem sie Bilder und Videos teilen. Dann kommt ein Anruf, der alles verändert.
Ejakulat im Gesicht, Geschlechtsteile vor den Gesichtern
„Ich wurde im November von einer Freundin angerufen, dass auf einer erotischen Website KI-generierte Darstellungen von sowohl mir als auch meiner Schwester und ihr zu finden sind”, erzählt Mila im RTL Nord-Interview.
Es sind ganz normale Selfies der Schwestern, die der Täter mithilfe von Künstlicher Intelligenz bearbeitet. Später stellt er sie unter dem Ordner-Namen „Hot German Sisters“ auf eine Webseite für erotische Inhalte. Als Mila und Enni davon erfahren, erstatten sie Anzeige, doch ohne Erfolg. Und dass, obwohl der Täter bereits vorbestraft ist. Für die Schwestern unvorstellbar: „Mich macht das so sauer, weil ich weiß, dieser Täter läuft in der Gesellschaft rum, in der Öffentlichkeit, führt seinen Job normal aus, hat eine Freundin, hat anscheinend eine Familie, die ihm den Rücken stärkt und man selber fühlt sich komplett machtlos“, beschreibt Enni das Gefühl.
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Wie schockierend einfach es ist, Deepfakes zu erstellen, seht ihr im Video.
Im Video: Die ganze Geschichte von Mila und Enni
Justiz nimmt Betroffene kaum ernst
Wenn Mila sich an den Abend erinnert, an dem sie Anzeige erstattet hat, merkt man ihr die Erschütterung bis heute an. „Also, der Polizeibeamte war auch männlich und er hat uns am Anfang nicht wirklich ernst genommen. Das war das Gefühl, was er uns so vermittelt hat. Erst als wir ihm dann die Bilder explizit gezeigt haben und auch noch mal darauf hingewiesen haben, dass es uns wirklich ernst ist, da hat er die Aussage aufgenommen, aber eher mit so einem gewissen Unterton.”
Wir wollten wissen, wie die Polizei in Niedersachsen zu diesen Vorwürfen steht. Doch statt einer Antwort von den örtlichen Behörden bekommen wir wenig später eine E-Mail vom Innenministerium mit einem Zitat der Innenministerin Daniela Behrens (SPD): „Solche KI-generierten Inhalte stellen für Betroffene eine erhebliche persönliche Belastung dar und haben weitreichende Auswirkungen auf ihr soziales und berufliches Umfeld. Diese Entwicklung nehmen wir daher sehr ernst, weshalb unsere Beamtinnen und Beamten bereits im Studium sowie in der Fortbildung gezielt auf Themen wie Cybercrime, Verletzung von Persönlichkeitsrechten und den sensiblen Umgang mit Opfern vorbereitet werden - dazu gehört auch der Umgang mit Deepfakes.”
Auf eine kritische Nachfrage wird in der E-Mail nicht weiter eingegangen.
Deepfakes sind kein Strafbestand, nur ein Strafmittel
Derzeit gibt es keine genauen Zahlen darüber, wie viele Menschen von sexualisierten Deepfakes betroffen sind, auch nicht in Niedersachsen. Laut LKA liegt das daran, dass Deepfakes kein eigener Tatbestand, sondern lediglich ein Tatmittel sind, um die unterschiedlichsten Straftaten zu begehen. Dazu zählen unter anderem Betrug, Erpressung sowie die Verbreitung pornografischer Inhalte. Und davon gab es im Jahr 2025 in Niedersachsen 6.513 Fälle. Über 1.700 dieser Inhalte handeln von jungen Menschen zwischen 14 und unter 18 Jahren.
Auch ein Vorfall inmitten der Politik ändert nichts
Es ist ein weiterer Fall in Niedersachsen, der erschüttert: Ein CDU-Mitarbeiter schickt ein KI-generiertes, diffamierendes Video einer Kollegin in eine Whats App-Gruppe mit neun weiteren CDU-Mitgliedern, alle sind Männer. Sieben dieser Gruppen-Mitglieder arbeiten heute noch in der niedersächsischen Fraktion, auch die Betroffene. Lediglich der Täter und der ehemalige Fraktionsgeschäftsführer werden von ihren Aufgaben entbunden, der Täter verliert am Ende seinen Job. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Sebastian Lechner soll erst Monate später über den Vorfall informiert worden sein. Auch hier erstattet die Betroffene Anzeige. Doch laut Staatsanwaltschaft Hannover kann lediglich wegen eines Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz ermittelt werden. Sie schreibt RTL Nord auf Anfrage: „Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer Bildnisse ohne Einwilligung der Abgebildeten verbreitet. Ein Sexualdelikt scheidet vorliegend aus, weil die dargestellte Person nicht nackt ist.”
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Bundesweite Gesetzesänderung soll kommen – Vorstoß kommt aus Niedersachsen
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) will etwas ändern. Sie fordert: Strengere Gesetze gegen digitale Gewalt und Deepfake-Pornografie sowie eine dreimonatige Speicherung von IP-Adressen. Der Vorstoß dazu kam aus Niedersachsen, erzählt die niedersächsische Justizministerin Katharina Wahlmann (SPD) im RTL Nord-Interview: „Ich habe das ja schon letztes Jahr auf der Justizministerinnenkonferenz gefordert, dass wir eine gesetzliche Regelung brauchen. Das hat die Justizministerin offenbar gehört im Bund und hat jetzt einen Gesetzentwurf vorgelegt.”
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche



