Urteil gegen MHH-Arzt aus HannoverHat Markus B. seine Patienten doch nicht getötet? 

Markus B. musste sich an 14 Verhandlungstagen wegen Mordes vor Gericht verteidigen.
Markus B. musste sich an 14 Verhandlungstagen wegen Mordes vor Gericht verteidigen. 
RTL
von Lena Kruse, Jenny Richter und Philipp Baumhöfner

Ist Markus B. wirklich ein Mörder?
Mit dieser Frage hat sich das Landgericht Hannover beschäftigt. Über zwei Monate lang sitzt Markus B. an verschiedenen Prozesstagen hier auf der Anklagebank. Immer wieder kämpft er mit den Tränen, denn die Vorwürfe gegen ihn wiegen schwer. Es geht um Mord und versuchten Mord an Patienten. Doch dann nimmt der Prozess eine ganz andere Wendung.

Vom mutmaßlichen Mörder zum freien Mann

Am Freitag (18. September) spricht die Kammer den 49‑jährigen Arzt von allen Vorwürfen frei. Er habe in keiner Weise strafbar gehandelt. Kaum hat die Vorsitzende Richterin diesen Satz gesprochen, hallt durch den Gerichtssaal ein hörbares Aufatmen. Markus B. kämpft immer wieder mit den Tränen.

Zuvor sagt der 49-Jährige vor Gericht aus, dass seine Patienten unter Lungenproblemen gelitten hätten. Um eine Erstickung zu verhindern, hätte er sie sediert und narkotisiert. Die Aussagen des Angeklagten und weiterer Zeugen hätten laut der Kammer und der Vorsitzenden Richterin gezeigt, dass Markus B. ausschließlich zum Wohle seiner Patienten gehandelt habe. Denn bei den schwer kranken Betroffenen hätte es keine weiteren Therapiemöglichkeiten gegeben und ihr Tod sei absehbar gewesen.

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Mit ihrem Einverständnis habe Markus B. seinen Patienten hochdosierte Medikamente verabreicht, um sie im Sterbeprozess zumindest von Leid und Schmerzen befreien zu können. Für den 49-Jährigen, der zeitweise in Untersuchungshaft sitzen musste, ist der Freispruch kaum zu begreifen. „Er sagte selbst: Danke, dass ich mein Leben zurückbekommen habe. Und das ist genau der Punkt: Sein Leben lag in Scherben, von jetzt auf gleich. (…) Am Ende des Tages kann er jetzt neu beginnen“, erklärt sein Verteidiger, Denis Hübner, im Gespräch mit RTL.

Im Video: Anwalt der Angehörigen der Todesopfer von Stade spricht im RTL-Interview

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Klinik leitete interne Ermittlungen gegen ihn ein

Lange Zeit arbeitet Markus B. zuvor an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) als Notfallsanitäter und Oberarzt. Er hält Vorträge und gilt als besonders renommiert. Doch dann stellt ihn die MHH plötzlich frei und leitet interne Untersuchungen ein. Daraufhin ermittelt auch die Staatsanwaltschaft gegen den 49‑Jährigen. Die Vorwürfe zu Beginn des Prozesses: Er soll zwischen 2019 und 2025 bei zwei schwer kranken Patienten die Behandlung abgebrochen und sie anschließend durch eine überhöhte Dosis von Medikamenten wie Fentanyl ruhiggestellt und getötet haben. Eine weitere Patientin soll er versucht haben zu töten.

Nach dem Freispruch soll Markus B. jetzt finanziell entschädigt werden. Die Vorsitzende Richterin spricht Markus B. zum Ende des Prozesses noch ihren Respekt für seine Arbeit aus und kritisiert gleichzeitig die Kommunikation der Medizinischen Hochschule Hannover.

Verwendete Quellen: Eigene RTL‑Recherche