Mord an Prostituiertem62-Jähriger bekommt Strafe wie ein Jugendlicher

Der Angeklagte blickt in die Kamera.
43 Jahre nach der Tat wird Kuno M. verurteilt.
RTL Nord

Nach vier Jahrzehnten überführen neue Ermittlungsmethoden Kuno M..
Mord verjährt nicht. Und genau das hat sich am Donnerstag (28. Mai 2026) wieder in Hamburg gezeigt. 43 Jahre ist es her, dass in Hammerbrook ein Mann ermordet und ausgeraubt wird. Ein Jahr ist es her, dass ein Mann verhaftet wurde und wenige Stunden ist es her, dass endlich ein Urteil gefallen ist.

Angeklagter will seine Ruhe haben

„Sie waren der Täter, sie waren der Mörder.” Mit diesen Worten unterstreicht die vorsitzende Richterin das Urteil gegen Kuno M. am Donnerstag (28. Mai) vor dem Hamburger Landgericht. Das Gericht ist überzeugt: Kuno M. hat vor mehr als 40 Jahren den transsexuellen Prostituierten Peter B., der sich Angelique nannte, ermordet.

Die Verteidigung hatte bei Prozessbeginn am Donnerstag auf Freispruch plädiert. Es handle sich um einen reinen Indizienprozess. Doch das Hamburger Landgericht ist sich sicher: Kuno M. ist der Mörder: „Es hat die DNA-Spuren von einem Zigarettenstummel im Autoaschenbecher berücksichtigt. Es hat ebenfalls den Umstand berücksichtigt, dass der Angeklagte über den Revolver und passende Munition verfügt hat. Ebenfalls war die Jacke, die der Angeklagte getragen haben soll, ein zentrales Thema. Und die Tat soll eben nicht wesensfremd gewesen sein. Hier hat die Kammer betont, dass es keine vernünftigen Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten gegeben hat”, so Maximilian Engel, Gerichtssprecher. Kuno M. sei „ein alter Mann, der gerne seine Ruhe haben möchte”, argumentiert die Verteidigung. Doch die Richterin ist sich sicher: „So viele Zufälle kann es nicht geben”. Die Kammer betont zudem, „dass es keine vernünftigen Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten gegeben hat, eben aufgrund der vorgenommenen Gesamtschau der Indizien.” 43 Jahre nach der Tat wird Kuno M. zu sechs Jahren und drei Monaten Haft nach Jugendstrafrecht verurteilt, denn zum Tatzeitpunkt war er noch ein Teenager, gerade erst 18 Jahre alt.

Im Video: Brutaler Cold Case aus Flensburg

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Urteil nach Jugendstrafrecht mit 62 Jahren

Es ist die Nacht auf den 11. Januar 1983. Nach Überzeugung des Gerichts steigt Kuno M. unweit der Reeperbahn in den Mercedes des transsexuellen Prostituierten, fährt mit ihm zu dessen Wohnwagen im Stadtteil Hammerbrook. In diesem schießt Kuno M. laut der vorsitzenden Richterin mit einem Revolver auf sein Opfer: drei Schüsse, drei Treffer. Dann stiehlt er 100 DM aus dem Besitz des Toten und verschwindet.

Am Tatort findet die Polizei damals zwar DNA-Spuren, 1983 existiert aber noch nicht die passende Technik, um diese auch auszuwerten. So wird Kuno M. wegen dieses Mordes jahrzehntelang nicht zur Rechenschaft gezogen. Doch Mord verjährt nicht und die Polizei hat inzwischen deutschlandweit Cold Case Units eingerichtet, die unaufgeklärte Verbrechen neu aufrollen. Auch in Hamburg.

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Das Gericht sieht die Mordmerkmale Heimtücke, Habgier und Ermöglichungsabsicht im Fall von Kuno M., der seit seiner Geburt gehörlos ist, als erfüllt. Während der Urteilsverkündung schüttelt Kuno M. wiederholt fassungslos den Kopf und schluckt schwer. Mit der Äußerung „das ist ein falsches Urteil”, übersetzt von seiner Gebärdendolmetscherin, unterbricht Kuno M. die Urteilsbegründung der Richterin. Das werde er so nicht akzeptieren. Eine Woche hat er nun Zeit, um gegen das Urteil in Revision zu gehen.

Quellen: eigene RTL-Recherche