Lieferketten geraten unter DruckWarnstreik legt sechs deutsche Seehäfen lahm

Stillstand an der Kaikante.
In gleich sechs deutschen Seehäfen legen Beschäftigte für 24 Stunden die Arbeit nieder. In Hamburg stehen die vier großen Containerterminals weitgehend still – auch Bremen, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Emden und Brake sind vom Warnstreik betroffen. Und der Tarif-Zoff könnte Folgen weit über die Häfen hinaus haben.
Verdi fordert 8,2 Prozent mehr Lohn
Hinter dem Warnstreik steckt ein festgefahrener Tarifstreit um die Bezahlung von rund 11.000 Hafenbeschäftigten. Verdi fordert 8,2 Prozent höhere Stundenlöhne bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) bietet dagegen unter anderem 5,1 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 19 Monaten. Zu wenig, findet die Mehrheit der Beschäftigten: Mehr als 6.100 Arbeitnehmer beteiligen sich an einer Befragung von Verdi, die Mehrheit hält das Angebot für nicht ausreichend.
Jetzt erhöht die Gewerkschaft den Druck. „Dieses Signal an die Arbeitgeber, dass wir es ernst meinen mit unserer Tarifforderung, ist offenbar dringend nötig“, sagt Verdi-Verhandlungsführerin Sylvi Krisch. Die Gewerkschaft wartet demnach auf einen dritten Verhandlungstermin.
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Hamburgs Containerterminals weitgehend still
Wie deutlich sich der Arbeitskampf auswirkt, zeigt sich bereits in Hamburg. Dort betrifft der Warnstreik laut Verdi die vier großen Containerterminals. Schon am Montagabend (17. August) laufen kaum noch Frachtschiffe in den Hafen ein, offenbar, um nicht während des Streiks festzusitzen. Viele Containerbrücken bleiben hochgeklappt.
Am Dienstagmorgen (18. August) ziehen Beschäftigte außerdem bei einer Demonstration durch den Hamburger Hafen. Auch an den fünf weiteren betroffenen Standorten Bremerhaven, Bremen, Wilhelmshaven, Emden und Brake sind die Hafenarbeiter zum Warnstreik aufgerufen.

Arbeitgeber warnen vor Folgen für Importe und Exporte
Auf Arbeitgeberseite sorgt der Arbeitskampf für deutliche Kritik. ZDS-Hauptgeschäftsführer Florian Keisinger bezeichnet das vorgelegte Angebot als im Vergleich zu anderen Branchen gutes Angebot „am oberen Ende“. Die Warnstreiks nennt er „unverhältnismäßig“. Sie beeinträchtigten die Zuverlässigkeit der deutschen Seehäfen und setzten die Lieferketten von Industrie und Handel zusätzlich unter Druck. Auch Importe und Exporte könnten betroffen sein, warnt Keisinger. Besonders brisant: Die globalen Lieferketten seien ohnehin bereits angespannt.
Im vergangenen Jahr gelingt die Einigung noch ohne Warnstreiks. Damals einigen sich Verdi und ZDS bereits in der ersten Verhandlungsrunde auf 3,1 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von einem Jahr. Diesmal sind die Fronten deutlich verhärteter. (nha)
Verwendete Quellen: dpa



