Weniger Geld pro verkauftem SchweinSchweinebauern unter Druck! Dieser Landwirt macht mit jedem einzelnen seiner Tiere Verlust

Eiken Struve steht im Stall. Hinter ihm tummeln sich knapp 600 Schweine im Auslauf.
Eiken Struve steht im Stall. Hinter ihm tummeln sich knapp 600 Schweine im Auslauf.
RTL Nord

Manche Schweinebauern stehen vor dem Aus!
Der Markt ist gesättigt, der Verbraucher zahlt oft zu wenig: Landwirte in Schleswig-Holstein stehen unter massivem Druck, eine Besserung scheint nicht in Sicht zu sein. Wie lange Eiken Struve seinen Hof in Esgrus (Schleswig-Holstein) mit rund 9.000 Schweinen noch betreiben kann, weiß er nicht.

Eigentlich bräuchte er 200 Euro für jedes Schwein

Schweinebauer Eiken Struve schleicht durch seinen Stall. Er versucht, einen Überblick über seine Tiere zu bekommen. Geruch, Aussehen, Verhalten: darauf achtet er besonders. Dieser Gruppe von Schweinen geht es gut, die Gesamtsituation auf seinem Hof ist aber ziemlich schlecht. Statt der benötigten 200 Euro pro verkauftem Schwein (2 €/Kilo Schlachtgewicht) bekommt der 50‑Jährige momentan 160 Euro. „Dann hat man im Prinzip ja einen Verlust an jedem einzelnen Tier, das man vermarktet“, so der Landwirt im RTL-Interview.

Dauerhaft zu niedrige Preise

Struve ist kein Einzelfall. Die Schweinebauern im Land stehen unter massivem Druck, denn die Hochpreisphase dieses Jahr bleibe aus, so der Bauernverband Schleswig-Holstein. „Dementsprechend liegen wir dauerhaft bei viel zu niedrigen Preisen, wodurch die Produktionskosten und weitere Betriebskosten einfach nicht gedeckt werden können“, so die Referentin für tierische Erzeugung, Sarina Andresen.

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Angebot übersteigt die Nachfrage

„Wir haben relativ viel Schweinefleisch, der hier auf den europäischen Markt drückt, auch auf den deutschen Markt“, so Andresen. Das liegt einerseits an den veränderten Marktbedingungen: In Asien wird beispielsweise mehr produziert. Andererseits auch an der Afrikanischen Schweinepest, die in Spanien grassiert. Denn das europäische Ausland kauft nicht mehr. Weiterhin leiden Landwirte unter hohen Betriebskosten.

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Verbraucher kaufen oft billig

Ein weiterer großer Faktor ist das Konsumverhalten der Verbraucher. Zwar wird heute etwas weniger Schweinefleisch gegessen als noch vor ein paar Jahren, Schwein ist aber nach wie vor sehr beliebt. Das Problem: Verbraucher wünschen sich zwar bessere Haltungsformen, „gleichzeitig sehen wir auch, dass der Preis natürlich trotzdem immer noch ausschlaggebend ist an der Kasse“, erzählt Kristina Rerich von der Verbraucherzentrale in Kiel im RTL-Interview. Verbraucher wollen also mehr Tierwohl, können oder wollen es aber nicht bezahlen. Dabei könnten höhere Preise im Einzelhandel sowohl Tierwohl als auch die finanzielle Situation von Landwirten wie Eiken Struve verbessern.

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Regionale Versorgungssicherheit steht auf dem Spiel

Das Überleben der Höfe in Schleswig-Holstein ist auch für die regionale Versorgungssicherheit wichtig. Wie lange der Schweinebauer aber noch weitermachen kann, weiß er nicht: „Es ist bei uns eben auch so, dass letzten Endes die Liquiditätssituation, also die Reserven, die man sich aufgebaut hat, im Grunde aufgebraucht sind.” Die Situation sei schon jetzt die größte Krise, die Struve je erlebt habe. Er hofft jetzt auf nächstes Frühjahr, denn bisher hat sich der Schweinepreis noch immer erholt.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen, Bauernverband Schleswig-Holstein, Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein