Vom Nobelpreisträger zum Staatsfeind?Für Russland ist Bremer Robert Latypov jetzt ein Extremist

In seinem Heimatland wäre er nicht mehr sicher!
2022 wird Robert Latypov für seine Arbeit als Menschenrechtsaktivist mit dem Friedensnobelpreis geehrt, jetzt gilt er in Russland als extremistisch. In sein Heimatland zu reisen, könnte für ihn gefährlich werden.
Aus dem Heimatland verdrängt
Die aktuellen Meldungen aus Russland machen Robert Latypov wütend. Ab sofort gilt er in seinem Heimatland als Extremist. „Für mich ist das ein sehr hinterhältiger Vorgang vom Staat, zeigt aber auch in irgendeiner Art und Weise seine politische Schwäche und seine Verlogenheit”, erzählt der 52-Jährige im RTL-Interview. Ärger mit dem russischen Staat ist für ihn aber nichts Neues.
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Eigentlich will Latypov mit seiner Arbeit etwas Gutes tun. Seit Jahren ist er als Menschenrechtsaktivist bei Memorial aktiv und leitet die Regionalgruppe in Perm. Die Organisation hat sich zur Aufgabe gemacht, über politische Repressionen, Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen und Machtmissbrauch in Zeiten der UdSSR, aber auch heute, aufzuklären. Gegründet wurde Memorial 1989 in der Sowjetunion.
Im Video: Friedensnorbelpreisträgerin auf der Flucht
Kriegsverbrechen und Machtmissbrauch
Latypov kennt den Druck des russischen Staates aus eigener Erfahrung. 2022 flüchtet er vor Repressalien durch den russischen Geheimdienst FSB. Erst seien es Anrufe gewesen, später die Aufforderung, seine Facebook-Posts zu entfernen und schließlich ein Hausbesuch der Polizei. Damals erzählt er: „Die haben meine Frau eingeschüchtert, weil es hieß, es werde Ermittlungen gegen mich durchgeführt. Ich solle dringend meine ideologische Haltung ändern, wenn sie nicht will, dass mir was passiert.”
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Daraufhin setzt sich Latypov mit seiner Frau und den beiden Kindern in die Türkei ab. Von dort aus geht es dann nach Deutschland ins sichere Bremen. Die Familie kennt die Stadt gut, sie war hier schon häufig zu Besuch, hat Freunde vor Ort. In Bremen werden seitdem Dokumente gelagert, die dem russischen Präsidenten ein Dorn im Auge sein dürften: Unterlagen, die Kriegsverbrechen, Menschenrechtsverletzungen und Machtmissbrauch belegen sollen.
Jeder Kontakt kann bestraft werden
Die Menschenrechtsorganisation Memorial wird 2022 mit der wohl größten Anerkennung ausgezeichnet: dem Friedensnobelpreis.
Doch das sieht Russland offenbar anders: Die internationale Bewegung Memorial sei eine extremistische Organisation, das entscheidet das Oberste Gericht in Russland am 9. April und verbietet ihre Arbeit. Ab sofort könnte jeder für den Kontakt mit Memorial bestraft werden. Menschenrechtsaktivisten wie Robert Latypov drohen in der Heimat nun langjährige Haftstrafen.
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Tausende Kilometer von Russland entfernt, in Bremen, fühlt sich Latypov aber sicher. „Ich bin der deutschen Gesellschaft sehr dankbar dafür, dass ich hier leben und arbeiten darf.” Er hofft, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. Seine Arbeit bei Memorial will er nicht aufgeben.
Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherche, dpa



