Behörden schlagen AlarmZwangsheirat statt Sommerurlaub? Warum die Ferien für manche Mädchen zur Falle werden

von Annika Redmer, Festim Beqiri, Nadine Becker und Martina Lewinski

Sommerferien – für die meisten die schönste Zeit des Jahres.
Für manche Jugendliche werden sie jedoch zum Albtraum. Denn während einer vermeintlichen Familienreise ins Ausland werden sie unter Druck gesetzt oder sogar gegen ihren Willen verheiratet. Behörden und Beratungsstellen warnen – Betroffene wie Zada Wagner erzählen von ihrem Schicksal.

Wenn Jugendliche nach den Ferien nicht zurückkehren

Gerade vor den Sommerferien sensibilisiert das Bezirksamt Berlin Friedrichshain-Kreuzberg Schulen und Jugendclubs für das Thema Zwangsheirat. Lehrkräfte und Sozialarbeiter sollen mögliche Warnsignale erkennen und Betroffene frühzeitig auf Hilfsangebote aufmerksam machen. In dem Schreiben heißt es: „Immer wieder werden Jugendliche während familiärer Auslandsreisen unter Druck gesetzt oder gegen ihren Willen verheiratet.“

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„Ich werde dich nicht mehr zurückgehen lassen“

Wie schnell ein Familienbesuch eskalieren kann, erzählt eine Betroffene im RTL-Interview. Zada Wagner (Name geändert) reist mit 18 mit ihrer Mutter nach Jordanien – angeblich, um Verwandte zu besuchen. Dort eröffnet ihr die Familie, dass sie nicht nach Deutschland zurückkehren werde. „Du hast uns so eine Schande gemacht. Ich werde dich nicht mehr zurückgehen lassen nach Deutschland“, erinnert sie sich an die Worte ihrer Mutter.

Nach eigenen Angaben sollte sie ihren Cousin heiraten. Nur eine spontane Lüge habe sie gerettet: Sie behauptete, bereits nach islamischem Recht mit ihrem deutschen Freund verheiratet zu sein. Daraufhin ließ ihre Familie von dem Vorhaben ab.

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Mehr Fälle – aber kaum genaue Zahlen

Beratungsstellen beobachten nach eigenen Angaben wieder mehr Fälle drohender Zwangsverheiratungen, unter anderem in Familien mit Wurzeln in Syrien, dem Irak oder anderen Ländern des Nahen Ostens. Verlässliche bundesweite Zahlen gibt es allerdings nicht, da viele Betroffene aus Angst schweigen.

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Zwangsheirat ist in Deutschland strafbar. Trotzdem fällt es vielen jungen Menschen schwer, sich gegen den Druck der eigenen Familie zu wehren.

Heute lebt Zada Wagner in Deutschland und hat selbst zwei Kinder. Unter einem Pseudonym hat sie ihre Geschichte in einem Buch verarbeitet. Ihre Botschaft: „Das Glück der Kinder ist wichtiger als die Familienehre.“ Sie möchte anderen Betroffenen Mut machen und appelliert, sich Hilfe bei Beratungsstellen oder Behörden zu suchen.

Der Löffel-Trick als letzter Ausweg

Wer befürchtet, während einer Auslandsreise gegen den eigenen Willen verheiratet zu werden, sollte sich möglichst früh Hilfe suchen – etwa bei einer Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle. Frauenrechtsorganisationen raten außerdem dazu, Kopien wichtiger Dokumente, etwas Bargeld und ein der Familie unbekanntes Handy mitzunehmen.

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Bleibt keine Möglichkeit mehr, Hilfe zu holen, kann der sogenannte Löffel-Trick im absoluten Notfall eine letzte Chance bieten. Dabei wird ein kleiner Metallgegenstand, etwa ein Löffel, in der Kleidung versteckt. Löst dieser am Flughafen den Metalldetektor aus, kann eine zusätzliche Kontrolle in einem separaten Raum erfolgen. Dort besteht möglicherweise die Gelegenheit, unbemerkt auf die drohende Zwangsheirat aufmerksam zu machen und Hilfe zu erhalten.

Frauenrechtlerinnen betonen jedoch: Der Löffel-Trick ist keine allgemeine Empfehlung, sondern ausschließlich als letzter Ausweg gedacht – etwa wenn Betroffene unmittelbar vor der Abreise keine Möglichkeit mehr haben, Unterstützung zu suchen.

Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche