Serkan Çalar bei Fahrscheinkontrolle niedergeschlagenProzess um getöteten Zugbegleiter – so reagiert der Angeklagte auf das Urteil

Er muss zehn Jahre in Haft!
Fünf Monate nach dem tödlichen Angriff auf Zugbegleiter Serkan Çalar (†36) hat das Landgericht Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) das Urteil gegen den Täter gesprochen. Der 26-Jährige wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt, blickt während der Verkündung stumm auf den Boden.
26-Jähriger rastet aus – weil er kein Ticket hat und aus dem Zug soll!
Der Fall machte zuvor deutschlandweit Schlagzeilen und entfachte eine Debatte um die Sicherheit bei der Deutschen Bahn. Der 26 Jahre alte Angeklagte soll dem Schaffner Serkan Çalar Anfang Februar bei einer Ticketkontrolle nahe Landstuhl (Westpfalz) mit den Fäusten so heftig gegen den Kopf geschlagen haben, dass dieser zwei Tage später an einer Hirnblutung im Krankenhaus starb.
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Der Grund für die sinnlose, tödliche Attacke: eine harmlose Aufforderung! Der angeklagte Grieche mit Wohnsitz in Luxemburg hatte keinen Fahrschein und wollte sich nicht ausweisen. Daraufhin forderte ihn der Zugbegleiter auf, den Regionalexpress zu verlassen. Der Angeklagte rastete jedoch aus und schlug mit voller Wucht mehrfach zu, bis Serkan bewusstlos wurde. Die komplette Tat ist von den Kameras im Zug aufgezeichnet worden.
Während der Richter das Urteil verkündet, schaut der 26-Jährige stumm und teilnahmslos auf den Boden, lässt sich von seiner Dolmetscherin alles übersetzen.
Serkans (†36) Familie wollte eine Verurteilung wegen Mordes
Die Staatsanwaltschaft forderte zwölf Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Einen Tötungsvorsatz sah Staatsanwalt Christian Horras nicht – sonst wäre es womöglich Totschlag oder Mord gewesen.
Die Verteidigung sah hingegen einen minderschweren Fall der Körperverletzung mit Todesfolge und forderte ein Urteil „im Bereich des unteren Strafrahmens.” Die Anwälte der Opferfamilie bewerteten die Tat dagegen als Mord aus niedrigen Beweggründen und plädierten auf eine lebenslange Haftstrafe. Das Gericht begründet seine Entscheidung mit dem Fehlen von Vorstrafen und Entschuldigungsversuchen bei der Familie. Er habe nach der Tat geweint und sei zu selbstverletzendem Verhalten übergegangen. All das spreche gegen einen Tötungsvorsatz.
Im Video: Zugbegleiter Serkan (†36) ging schon seit Wochen mit Angst zur Arbeit
Tod von Serkan Çalar reißt große Lücke in die Familie
Der Prozess war für Serkans Familienangehörigen sehr belastend. So kam der Vater des getöteten Zugbegleiters Serkan Çalar (†36) Ende Juni während des Prozesses ins Krankenhaus. Erdal Çalar verließ während der Verhandlung den Gerichtssaal, kurz darauf musste ein Rettungswagen gerufen werden. Es waren nicht die ersten Sorgen um den Familienvater: Erdal Çalar erlitt bereits einen Herzinfarkt, als er vom Tod seines Sohnes erfahren hatte.
Serkan hinterlässt zwei Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren, die nun von der Familie versorgt werden. Çalar war alleinerziehender Vater. (mit dpa)
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, dpa


