„Das Wunder von Sant’Anna“Fünf Nächte vermisst – dann finden Retter 70-jährige Wanderin Anna lebend

Fünf Tage und fünf Nächte ist Anna allein in den italienischen Bergen.
Bei Temperaturen unter null Grad kämpft die 70-Jährige ums Überleben, ernährt sich am Ende von wilden Heidelbeeren. Selbst die Retter rechnen kaum noch damit, sie lebend zu finden. Doch dann geschieht das „Wunder von Sant’Anna“.
Fünf Nächte allein auf 2.000 Metern Höhe
„Für uns ist es ein Wunder von Sant’Anna.“ Mit diesen emotionalen Worten beschreibt Annas Bruder das Ende von fünf Tagen voller Angst. Die 70-jährige Wanderin verschwindet am 7. September in der Gegend um Sant’Anna di Vinadio in den italienischen Alpen. Fünf Nächte später finden Rettungskräfte sie tatsächlich lebend. Anna ist zu diesem Zeitpunkt unterkühlt und völlig entkräftet, aber bei Bewusstsein. Hinter ihr liegen Tage, in denen sie allein auf mehr als 2000 Metern Höhe ausharren muss. Nachts sinken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt.
Gewitter bringt Anna vom Weg ab
Eigentlich kennt Anna die Gegend gut. Sie stammt aus der Region. Gegen 10 Uhr meldet sie sich noch bei einer Freundin und schreibt, dass sie den Tag genieße. Dann verstummt ihr Handy.
Ein heftiges Gewitter verändert alles. Blitze und Donner erschrecken die erfahrene Wanderin. Auf der Suche nach Schutz steigt sie in steiles, felsiges Gelände und landet schließlich auf einem schwer zugänglichen Plateau. Hinauf schafft sie es, einen sicheren Weg zurück findet sie nicht mehr.

„Ihre Hände waren von den Heidelbeeren violett gefärbt“
Immerhin war die 70-Jährige für eine Bergtour ausgerüstet. Sie hatte warme Kleidung, eine Mütze und Wasser dabei. Zu essen hatte sie aber nur einen Tomatensalat in ihrem Rucksack. Als die Vorräte aufgebraucht waren, griff sie auf das zurück, was sie in der Natur fand: Wilde Heidelbeeren. Als die Bergretter sie entdecken, sehen sie sofort, wovon sich Anna ernährt hat. „Ihre Hände waren von den Heidelbeeren violett gefärbt“, erinnert sich Cristiano Bastonero von der Bergrettung.
Tagsüber hat Anna unter Bäumen Schutz gesucht. Was ihr gegen die Witterung half, war für die Rettungskräfte allerdings ein Problem. Obwohl Drohnen über das Gebiet flogen, konnten sie die Vermisste unter den Bäumen nicht erkennen.
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„Ich dachte, wir würden sie tot finden“
Während Anna in den Bergen ausharrt, läuft eine gewaltige Suchaktion. Bergrettung, Guardia di Finanza, Feuerwehr und Carabinieri beteiligen sich. Hubschrauber, Drohnen und Suchhunde kommen zum Einsatz. Sogar Höhlentaucher durchsuchen Bergseen. Doch mit jedem Tag schwindet die Hoffnung.
Am 12. September suchen Einsatzkräfte erneut das Gebiet zwischen dem Passo di Tesina und Bagni di Vinadio ab. Dann entdecken sie Anna. Lebend. Für die Retter ist es ein Moment, den sie wohl nie vergessen werden. „Ich bin ehrlich, ich dachte, wir würden sie tot finden“, sagt Bastonero später. Als ein 25 Jahre alter Retter Anna sieht, läuft er zu ihr und nimmt sie in den Arm. Die 70-Jährige hat Tränen in den Augen. Auch Bastonero umarmt die Vermisste. „Ich dachte, ich würde sie nicht mehr finden“, sagt er zu ihr. Trotz ihrer völligen Erschöpfung hat Anna darauf eine bemerkenswerte Antwort. „Du kannst mich duzen, dann fühle ich mich jünger.“
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„Sie waren Engel”
Ein Rettungshubschrauber bringt sie ins Krankenhaus nach Cuneo. Dort behandeln Ärzte ihre Unterkühlung. Schon am nächsten Tag darf die 70-Jährige wieder nach Hause. Für ihren Bruder ist kaum in Worte zu fassen, wie diese Geschichte ausgegangen ist. „Ich habe den schlimmsten Albtraum erlebt, der sich dann in eine göttliche Gnade verwandelt hat“, sagt er „La Stampa“. Und über die Menschen, die seine Schwester nicht aufgegeben haben, sagt er: „Sie waren Engel.“
































