Am 24. August will sie ihr Schweigen brechenWas wird Gina H. sagen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Fabian-Prozess

Mordprozess im Fall Fabian
Die Angeklagte betritt den Verhandlungssaal des Landgerichts Rostock zur Fortsetzung im Verfahren wegen Mordes im Fall Fabian.
dpa, Danny Gohlke/dpa, Danny Gohlke

Wird sie alles abstreiten?
Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. (30) vor, den achtjährigen Fabian unter einem Vorwand aus dem Haus gelockt, mit mindestens sechs Messerstichen getötet und den Leichnam mit flüssigem Grillanzünder in Brand gesetzt zu haben: Mord aus Heimtücke und sonst niedrigen Beweggründen. RTL.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Prozess.

Gina H. spricht zum ersten Mal im Prozess – was ist zu erwarten? 

Nach 21 Verhandlungstagen will sich Gina H. am 24. August erstmals vor Gericht äußern. Ob sie danach Fragen beantwortet, ist allerdings unklar. Es gilt als eher unwahrscheinlich. Der Vorsitzende Richter hat für diesen Tag keine weiteren Zeugenvernehmungen geplant.

Gina H. könnte vor Gericht sagen, dass die Vorwürfe nicht stimmen. Sie könnte erklären, warum es belastende Hinweise gegen sie gibt. Außerdem könnte sie auf Fehler oder Widersprüche in den Aussagen von Zeugen hinweisen. Sie könnte auch sagen, warum sie nach Fabian gesucht hat, wie sie zu dem Tümpel gekommen ist und was sie schon vor dem Fund der Leiche wusste.

Wie lang wird Gina H.s Einlassung dauern? 

Ihre Einlassung umfasst nach RTL-Informationen 50 bis 100 DIN A4-Seiten, mit größerem Zeilenabstand und in Schriftgröße 14. Gina H. wird ihren Text im Vorfeld mehrmals laut lesen, damit der Umfang besser abgeschätzt werden kann. Ihre Verteidigung geht davon aus, dass sie am Montag mehrere Stunden vorlesen wird.

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Könnte Gina H. die Akten zum Prozess inzwischen einsehen?

In der vierwöchigen Prozesspause hätte Gina H. im sogenannten „Selbstleseverfahren” Unterlagen aus der Akte lesen sollen, die das Gericht auf einer CD bereitgestellt hat. Das hat technisch allerdings nicht funktioniert. Konnte sie das inzwischen nachholen?

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Die Antwort ist: Ja. Das Gericht hat Gina H. eine neue CD mitgegeben und angeboten, dass sie zweimal wöchentlich im Gericht in Rostock die Unterlagen einsehen könne, sollte es in Haft weiterhin technische Probleme geben. Nach RTL-Informationen sind die Probleme behoben und Gina H. kann nun in der JVA Bützow die Unterlagen einsehen.

Welche Indizien belasten die Angeklagte im Fabian-Prozess?

Gegen Gina H. liegen mehrere Indizien vor. Es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. In Gina H.s Pick-up wurden laut LKA eine Blutspur mit DNA von Fabian sowie Fasern seiner Kleidung gefunden. Unter Fabians Fingernagel fand sich eine Faser, die zu einem Pullover von Gina H. passen könnte. An einem teilweise verbrannten Ärmel von Fabians Kleidung wurde zudem eine Faser gesichert, die zu einer Reithose passen könnte. Auf Fotos vom Tag seines Verschwindens soll Gina H. entsprechende Kleidung getragen haben.

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Die Überwachungskamera eines Elektrogeschäfts zeigt am 10. Oktober 2025 zweimal den kupferfarbenen Ford Ranger von Gina H. in der Straße nahe Fabians Wohnung. Um ca. 10:45 Uhr fährt der Pickup in Richtung von Fabians Wohnadresse, knapp zehn Minuten später in die entgegengesetzte Richtung. In diesem Zeitraum wurde Fabians letzte Handyaktivität registriert. Das Kennzeichen soll zu Gina H.s Wagen passen. Wer am Steuer saß, ist auf den Aufnahmen offenbar nicht zu erkennen.

Funk- und Verbindungsdaten sollen darauf hindeuten, dass sich Gina H. am Tattag im mutmaßlichen Tatzeitraum ca. 1,6 Kilometer vom Fundort entfernt mit ihrem Hund aufgehalten hat. Ihr Handy sei zudem etwa anderthalb Stunden lang ausgeschaltet gewesen. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft und der Zeugen war sie schon vor dem offiziellen Fund mehrfach am Tümpel: Sie soll die Bekannten Christian D. und Olaf K. zu Fabians Leiche geführt haben, bevor sie einen Tag später mit ihrer Freundin Heike M. am Tümpel die Polizei verständigte.

Wer sitzt eigentlich im Gerichtssaal? 

Die Verhandlung im Saal 2.002 vor der Schwurgerichtskammer im Landgericht Rostock stößt auf großes öffentliches Interesse. Meistens sind zwischen 60 und 130 Personen im Zuschauerraum. Sie müssen im Gerichtsfoyer durch Sicherheitsschleusen. Mehrfach schon hat es einen Einlass-Stopp gegeben, weil der Andrang zu groß gewesen ist. Zum Teil stehen Zuschauer morgens mehr als zwei Stunden an.

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Neben dem Vorsitzenden Richter Holger Schütt sitzen zwei Berufsrichter und zwei Schöffen. Die Staatsanwaltschaft ist vertreten durch Oliver Schley und Harald Nowack. Die Angeklagte Gina H. wird mit Fußfesseln in den Saal geführt, die ihr nach Beginn der Verhandlung abgenommen werden. Sie sitzt zwischen ihren Pflichtverteidigern Andreas Ohm und Thomas Löcker. Fabians Mutter, Dorina L., ist bisher an allen Prozesstagen persönlich mit ihrer Anwältin Christine Habetha im Gerichtssaal. Sie ist Nebenklägerin im Verfahren. Nur als der Rechtsmediziner ausgesagt hat und es um Fabians Leiche ging, konnte sie es nicht verkraften dabei zu sein. Ein psychiatrischer Gutachter, der Gina H. analysiert und sie auch in Haft besucht hat, ist ebenfalls durchgehend vor Ort. Er wird sein Gutachten Anfang September präsentieren.

Fabian aus Güstrow wurde mehrere Tage vermisst, bevor seine Leiche gefunden wurde.
Fabian aus Güstrow wurde mehrere Tage vermisst, bevor seine Leiche gefunden wurde.
Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern

Wie groß ist die Ermittlungsakte? 

Seit Prozessbeginn vor vier Monaten haben bereits viele Zeugen vor Gericht ausgesagt. Außerdem beschäftigen sich die Richter mit Daten aus einer Telefonüberwachung und zahlreichen WhatsApp-Sprachnachrichten von Gina H. Im Gerichtssaal werden auf Bildschirmen und einer großen Leinwand Fotos, Videos und Dokumente gezeigt. Die Ermittlungsakten sind sehr umfangreich: Sie bestehen aus 19 Bänden. Ausgedruckt wären das rund 45.000 Seiten. Dazu kommen 28 zusätzliche Aktenhefte und weitere Unterlagen. Auch digital gibt es eine große Menge an Material. Dem Gericht liegen elektronische Daten mit einem Umfang von 3,6 Terabyte vor.

Was hat es mit dem Messer ihres Nachbarn auf sich? Kann das die Tatwaffe sein? 

Gina H.s Nachbar Olaf K. hat sein Campingmesser nach eigenen Angaben in seinem Schuppen vermisst. Kurz nachdem er Gina H. darauf angesprochen hatte, tauchte es laut seiner Zeugenaussage an einer anderen Stelle wieder auf – auf einem Karton. Das Messer, das auch im Gerichtssaal gezeigt wurde, hat eine etwa zehn Zentimeter lange Klinge. Das passt grundsätzlich zu den Verletzungen, die Fabian erlitten hat.

Bei bisherigen forensischen Untersuchungen wurden keine Spuren gefunden, die das Messer mit Fabian oder Gina H. verbinden. Auch Fingerabdrücke fehlten. Lediglich DNA-Spuren von Olaf K. seien nachweisbar. Laut Ermittlern „wirkte das Messer gereinigt“. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass das die Tatwaffe gewesen sein kann. Die Nebenklage fordert eine weitere Untersuchung, unter anderem mit Blick auf mögliche Reinigungsspuren. Auch die Verteidigung unterstützt diese erneute Prüfung, weil ein klares Ergebnis Gina H. nach ihrer Sicht entlasten könnte.

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Wer sagt jetzt überhaupt noch im Prozess aus? 

Am Mittwoch (26.08.) soll die Polizeibeamtin gehört werden, die die Angeklagte vernommen hat. Möglicherweise wird sie bei ihrer Aussage auch auf Teile von Gina H.s Einlassung angesprochen werden. Am Freitag (28.08.) soll ein Polizeibeamter, der bereits zur Handyauswertung bei der Angeklagten gehört wurde, nochmals vernommen werden und zwar zu einer ergänzenden Handyauswertung. Nach erneuter Prüfung sollen nach RTL-Informationen auch Bewegungsdaten ermittelt worden sein, zum Beispiel könne nachgewiesen werden, wann Gina H. mit ihrem Handy zu Fuß und wann mit dem Auto unterwegs gewesen sein. So kann eventuell klarer eingegrenzt werden, ob sie Fabian schon einen Tag vor der mutmaßlichen Tat in der Nähe seines Wohnorts getroffen haben kann.

Wann fällt das Urteil im Fabian-Prozess? 

Das Urteil im Mordprozess gegen Gina H. soll am 10. September fallen. Zuvor werden am 1. und 3.9. noch der psychiatrische Gutachter gehört und die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gehalten.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen