Invasive Nager werden zur DelikatesseGejagt, zerlegt, serviert! Jetzt kommt Nutria auf den Teller

Von der Plage zum Braten.
In Schleswig-Holstein breiten sich Nutrias rasant aus, zerstören Deiche und alarmieren Jäger. Bei einem Caterer aus Ostholstein landet das Problem nun als Ragout, Burger oder Braten auf dem Teller.
In Schleswig-Holstein wird Nutria gegessen
Nutrias haben sich in Schleswig-Holstein explosionsartig vermehrt. Und jetzt auch ihren Weg in die Küche gefunden. Caterin Anne Muus-Seyfferth serviert in Horsdorf im Kreis Ostholstein Nutria-Fleisch. Noch nicht fest auf der Karte, aber immer häufiger auf dem Teller. Die Nachfrage steige, sagt sie der dpa. „Es ist ein dunkles, kurzfaseriges, fettarmes Fleisch, ganz zart und mild, leicht süßlich – vergleichbar mit Perlhuhn oder Fasan”, meint sie.
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„Mehr Bio geht nicht” – alles vom Tier wird verwertet
Bis zu acht Kilo bringt ein männlicher Nutria auf die Waage. Bevor das Fleisch in der Küche landet, prüfen Jäger jedes Tier genau. Wegwerfen ist für Anne Muus-Seyfferth keine Option. „Warum soll das entsorgt werden, es ist gesundes Fleisch”, sagt sie. Keulen werden geschmort oder gebraten, aus den Vorderläufen entsteht Ragout, der Rest wird zu Burger-Pattys verarbeitet. Ihr Credo: „Wir versuchen alles vom Tier zu verwenden, mehr Bio geht nicht.”
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Nutrias werden zur echten Plage
Allein im südlichen Teil Ostholsteins werden laut Hegering Bad-Schwartau rund 1.000 Nutrias pro Jahr erlegt. „Wir liefern die Nutrias küchenfertig, wir haben Zerlegungsräume und Kühlräume, die Hygienestandards müssen erfüllt sein”, erklärt Jäger Julian Barg vom Hegering der dpa. „Der Markt ist noch nicht sehr stark, aber die Leute sind neugierig.” Trotzdem bleibt es für viele noch ungewohnt: „Es ist schon was Exotisches.”
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Seit dem 26. Januar 2024 dürfen Nutrias in Schleswig-Holstein ganzjährig bejagt werden. Sie wurden einst für Pelze gezüchtet, aber heute untergraben die vielen Tiere in freier Wildbahn Deiche und gefährden so den Hochwasserschutz. Auch an Flussufern richten die Tiere massive Schäden an und gefährden ganze Lebensräume sowie den Artenschutz. Die Nutria gilt offiziell als gebietsfremde invasive Art in Europa.

Tierschützer kritisieren das Vorgehen
Kritik kommt von der Tierrechtsorganisation Peta. Sie betont, „dass hinter jedem Stück Fleisch das Leid und der Tod eines Tieres” stehe – unabhängig von Wild, Bio oder Massentierhaltung. Peta sieht den Menschen als Hauptverursacher der Ausbreitung. Nutrias seien aus egoistischen Gründen eingeschleppt worden, mildere Winter und das Füttern an Ufern würden die Population weiter anheizen. (nha)
Verwendete Quellen: dpa
































