Flughafen-Chaos ist nur der Anfang Verdi-Streiks gehen weiter – welche Bereiche als nächstes dicht sind

Das war erst der Anfang!
Das Chaos an den Flughäfen war erst der Anfang der Streikwelle. Verdi kündigt für die Woche weitere Streiks an – in verschiedenen Bereichen. Dabei sind die Auswirkungen schon jetzt riesig!
Nach dem großen Warnstreik an den größeren deutschen Flughäfen und unter anderem am Hamburger Hafen nimmt die Gewerkschaft Verdi wieder andere Bereiche des öffentlichen Dienstes ins Visier. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das weiterhin Einschränkungen. Für die nächsten Tage sind zehntausende öffentlich Beschäftigte von der Müllabfuhr bis zu den Wasserstraßen zu weiteren Arbeitsniederlegungen aufgerufen.
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500 Kubikmeter Müllberge in Düsseldorf
Dabei gab es an den Recyclinghöfen schon jetzt Chaos. Viele Menschen haben in Düsseldorf einfach ihren Müll vor den Recyclinghof gekippt, weil dieser im Warnstreik ist. Nun versucht die Stadt, die Verursacher zu schnappen. Seit Freitag war an den drei Standorten des kommunalen Entsorger Awista wegen eines Warnstreiks kein Müll mehr angenommen worden.

Statt ihren Unrat wieder mitzunehmen, seien Abfälle einfach vor Ort abgestellt worden – mit schätzungsweise 500 Kubikmetern in einem Ausmaß, das auch die Mitarbeiter des Entsorgungsbetriebs „völlig überrascht“ habe, wie die Stadt mitteilte. Mülldetektive seien vor Ort, um die illegale Müllentsorgung entsprechend zu ahnden.
So stapeln sich etwa in Flingern Sperrmüll und Unrat auf einer Länge von rund 100 Metern teilweise übermannshoch auf dem Bürgersteig. Autoreifen, Elektrogeräte, Bauschutt und Pappkisten liegen hier durcheinander. „Die Menge illegal abgeladenen Mülls vor dem Recyclinghof in Flingern macht mich sprachlos“, ließ der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller mitteilen. „Ein geschlossener Recyclinghof ist kein Argument für das illegale Abladen von Müll“, betonte er. Auch vor dem Recyclinghof im Ortsteil Lohausen türmen sich inzwischen zahlreiche Kartons und Müllsäcke.
Die Recyclinghöfe in Düsseldorf bleiben noch bis einschließlich Mittwoch geschlossen. Auch viele Mülltonnen sollen ungeleert bleiben. Auch in einigen Ruhrgebietsstädten haben legen die Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe in den kommenden Tagen die Arbeit nieder.
Wegen Verdi-Streik: Verkehrsgesellschaften größtenteils dicht
In Hessen sind zudem unter anderem die Verkehrsgesellschaften in Frankfurt, Wiesbaden, Offenbach und Kassel das Ziel. In Frankfurt werden voraussichtlich von Dienstag bis Donnerstag keine U-Bahnen und Straßenbahnen unterwegs sein. Kunden könnten aber die nicht bestreikten Busse und S-Bahnen nutzen, rät die Verkehrsgesellschaft Traffiq. Bei der Kasseler Verkehrsgesellschaft ist für Mittwoch ein eintägiger Warnstreik geplant.
Verdi-Streik sorgte für Ausfall von mindestens 3.500 Flügen
Die Lufthansa wie auch andere Gesellschaften streben für den Dienstag einen möglichst reibungslosen Neustart an. Flugzeuge würden entsprechend positioniert und Dienstpläne angepasst, teilte der Konzern mit. Zu Tagesbeginn könne es noch ruckeln, der Flugbetrieb werde sich aber im Laufe des Tages normalisieren, sagt ein Sprecher des Frankfurter Betreibers Fraport.
Der zum Teil schon am Vortag begonnene Warnstreik an 13 deutschen Flughäfen hat am Montag große Teile des Flugverkehrs lahmgelegt. An den Flughäfen blieben die Abflughallen leer, weil die meisten Passagiere rechtzeitig von den Aktionen gehört hatten. Allein am größten deutschen Airport in Frankfurt wurden 1.070 Starts und Landungen gestrichen.
Dem Flughafenverband ADV zufolge sind deutschlandweit mindestens 3.500 Flüge ausgefallen und 560.000 Passagiere nicht an ihr Ziel gekommen. Bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) wurde für Montag mit 3.900 Instrumentenflügen ein deutlicher Rückgang im Luftraum um rund 60 Prozent registriert, wie ein Sprecher in Langen berichtet. Die meisten verbliebenen Flugbewegungen waren Überflüge ohne Start oder Landung in Deutschland. Aufgerufen hatte Verdi die öffentlich Bediensteten der Flughafenbetreiber, der Bodenverkehrsdienste sowie die Beschäftigten an den Luftsicherheitskontrollen.
Das fordert Verdi
Hintergrund sind zwei verschiedene Tarifkonflikte: Die Gewerkschaft fordert in den Tarifverhandlungen für den Öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen unter anderem acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber monatlich 350 Euro mehr, sowie drei zusätzliche freie Tage. Die Arbeitgeber haben bisher kein konkretes Angebot vorgelegt. Die nächste Verhandlungsrunde ist für diesen Freitag (14. März) in Potsdam geplant.
In der Luftsicherheit fordert Verdi unter anderem die Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, 30 Tage Urlaub und Zusatzurlaub für Schichtarbeit. Über den neuen Manteltarifvertrag mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) wird erst am 26. und 27. März wieder verhandelt.
Die Beschäftigten demonstrieren für ihre Anliegen. „Es ist einfach alles teurer geworden”, sagt beispielsweise Lademeister Birol Kartag. Die Arbeiter am größten deutschen Flughafen spürten die Inflation unmittelbar, nicht wenige hätten einen zweiten Job angenommen, um über die Runden zu kommen, sagt der Verlader Sultan Qurbanzada.
Missbrauch des Streikrechts?
Die Luftverkehrsbranche wirft Verdi Missbrauch des Streikrechts vor. Es würden sogenannte Warnstreiks als Tarnung für weitreichende Ausstände genutzt und Knotenpunkte der Volkswirtschaft gezielt lahmgelegt, sagt der Eurowings-Chef und Präsident des Branchenverbandes BDL, Jens Bischof. Die im BDLS organisierten Arbeitgeber kritisierten die Warnstreikausweitung, Verhandlungsführer Christian Huber bezeichnete sie als „nicht zielführend“. (jow/dpa)































