Nach monatelangem Einsatz im Nahen OstenUS-Navy räumt Suizidversuche auf Flugzeugträger ein

USS Abraham Lincoln
Mit ihren 36 Jahren nicht mehr der jüngste Flugzeugträger: Die USS Abraham Lincoln.
IMAGO/ZUMA Press

Was für Zustände müssen auf dem Flugzeugträger geherrscht haben?
Mehrere Angehörige der Kampfgruppe um den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln haben während eines außergewöhnlich langen Nahost-Einsatzes versucht, sich das Leben zu nehmen. Schon davor sollen sich Soldaten und Besatzungsmitglieder über die Zustände an Bord bei der Regierung beschwert haben.

Suizidversuche kamen durch ein Schreiben ans Licht

Die US Navy hat acht Suizidversuche unter Angehörigen der Kampfgruppe der USS Abraham Lincoln bestätigt. Die Fälle ereigneten sich nach Angaben des geschäftsführenden US-Marineministers Hung Cao seit Beginn des lang andauernden Einsatzes im Nahen Osten. Cao nannte die Zahl in einem Schreiben an die demokratische Senatorin Kirsten Gillibrand. Der Brief war eine Antwort auf Fragen zur Lebensqualität und Moral innerhalb des Verbands. Zur Bilanz zählen neben der Besatzung des Flugzeugträgers auch Mitglieder der beteiligten Stäbe, Besatzungen der begleitenden Zerstörer und Soldaten der mitfliegenden Einheiten. Der Verband umfasste nach CNN-Angaben rund 6.000 bis 7.000 Menschen auf etwa sechs Schiffen.

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Tote durch Suizid habe es während des Einsatzes nicht gegeben. Aus dem Schreiben gehen auch Details zu zwei Fällen hervor: Im März soll ein Angehöriger versucht haben, über Bord zu gehen. Kameraden hielten ihn laut Cao davon ab. Er sei unmittelbar medizinisch versorgt und später in den Heimathafen zurückgebracht worden. Anfang August ging ein Angehöriger des Trägerflügels über Bord. Er wurde laut Navy schnell gerettet, zunächst vom medizinischen Team der USS Abraham Lincoln behandelt und anschließend ebenfalls für die weitere Betreuung von Bord gebracht.

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über eure Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800 – 1110111 oder 0800 – 1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

286 Tage fast ohne Pause auf See

Die USS Abraham Lincoln war 286 Tage auf See, bevor die Besatzung am 1. September in Thailand von Bord ging. Abgesehen von einem kurzen Zwischenstopp im Dezember hatte die Trägerbesatzung laut Al Jazeera keinen Landgang. Ursprünglich war der Flugzeugträger im November 2025 zu einem Routineeinsatz im Südchinesischen Meer aufgebrochen. Im Januar wurde er wegen der zunehmenden Spannungen mit dem Iran in den Nahen Osten umgeleitet.

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Mit Beginn des US-israelischen Kriegs Ende Februar beteiligte sich der Verband laut den Berichten an Kampfeinsätzen und an der Blockade iranischer Häfen. Die lange Einsatzdauer, ständige Alarmbereitschaft und ausgefallene Erholungspausen hatten bereits zuvor Sorgen um die Belastung der Besatzung ausgelöst.

USS Crew
Ankunft im thailändischen Pattaya: Für die Crew ist es der erste Landgang nach neun Monaten.
IMAGO/ZUMA Press Wire
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Berichte über Probleme an Bord

Cao räumte in seinem Schreiben zudem Einschränkungen bei der Versorgung ein. Wegen der „großen Kampfeinsätze“ sei die Zahl der Hauptgericht-Optionen zeitweise von zwei auf eine reduziert worden, um Vorräte zu schonen. Es habe außerdem Verzögerungen beim Nachschub für Teile der Besatzung gegeben.

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Der Marineminister erklärte, vier ausgewogene Mahlzeiten pro Tag seien allerdings weiter serviert worden. Frühere Sanitärprobleme seien repariert worden; die Trinkwasserversorgung soll sicher sein und werde täglich kontrolliert. Zuvor hatten Angehörige und Crewmitglieder gegenüber US-Medien unter anderem über defekte Toiletten und Trinkbrunnen, über längere Zeit fehlendes warmes Wasser sowie verschimmelte Duschen berichtet.

An Bord standen laut Cao fünf Militärseelsorger, ein Psychologe, eine klinische Sozialfachkraft, drei Fachkräfte für psychische Gesundheit, ein Präventionsberater und ein Therapiehund zur Verfügung. Die Navy erklärte zuvor, sie habe keinen Anstieg suizidaler Gedanken oder Versuche an Bord festgestellt und nehme die Gesundheit der Soldatinnen und Soldaten ernst.

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Die Zahl von acht Versuchen hat dennoch politische Kritik ausgelöst. Gillibrand warf der US-Regierung vor, Hinweise auf sich verschlechternde Bedingungen zuvor abgetan zu haben. Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte Berichte über schlechte Zustände als verzerrt bezeichnet; Präsident Donald Trump sprach von „Fake News“. Ein geplanter, parteiübergreifender Kongressbesuch an Bord soll nach Rückkehr des Flugzeugträgers in die USA stattfinden.

Verwendete Quellen: Stern, Guardian, CNN