Gericht stellt kein Verbrechen festAnna Maria (37) starb nach Vergewaltigung an Aids – Täter freigesprochen!

Eine verängstigte, weinende Frau fürchtet ihren Mann, der sie im Wohnzimmer mit der Faust bedroht (Nahaufnahme). Beziehungsprobleme, Missbrauch, Schläge  und häusliche Gewalt
Anna Maria erzählte von mehreren Fällen der Vergewaltigung (Symbolbild).

Hat er sein Opfer absichtlich infiziert?
Mehrfach wird Anna Maria (37) vergewaltigt – von einem Mann, der HIV-positiv ist. Sie stirbt nach einem langen Kampf gegen ihre HIV-Infektion. Ihr mutmaßlicher Peiniger, der 65 Jahre alte Nicola C., kommt jetzt beim Prozess vor dem Schwurgericht in Neapel aber straffrei davon.

Nicola C. sollte wegen Mordes ins Gefängnis

Der Prozess endet jetzt mit einem Freispruch, wie unter anderem La Repubblica berichtet. Die Begründung demnach: „Weil die Handlung keine Straftat darstellt“. Das Urteil fußt offenbar auf den Umstand, dass Nicola C. kein Vorsatz nachgewiesen werden kann. Er habe das HI-Virus also verbreitet, ohne sich dessen bewusst zu sein. Die offizielle Begründung wird für Mitte April erwartet.

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Die Staatsanwaltschaft sieht den Fall ganz anders: C. soll sich seines Gesundheitszustands vollkommen bewusst gewesen sein und das HI-Virus durch ungeschützten Geschlechtsverkehr absichtlich verbreitet haben – an Anna Maria und auch an seine Frau. Die Ermittler gingen von einem vorsätzlichen Mord aus und forderten eine Freiheitsstrafe von 24 Jahren, dazu ist es jetzt nicht gekommen.

„Dann drohte er mir mit dem Tod und ich schwieg”

Anna Maria kam im Jahr 2000 aus ihrer Heimat Polen nach Italien. Sie hatte eine Anstellung als Kellnerin in einem Hotel auf der Insel Ischia und eine Aufenthaltsgenehmigung. Zwischen 2002 und 2003 soll sie mehrfach von Nicola C. vergewaltigt worden sein, als sie bei ihm und seiner Frau, einer Freundin von ihr, wohnte. Dabei soll sie sich mit HIV angesteckt haben.

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Aus Angst, ihren Job und ihre Aufenthaltsgenehmigung zu verlieren, schwieg sie. Bis 2016, als sie bereits im Endstadium ihrer Krankheit war. Anna Maria erstattete Anzeige und nahm etliche Videos auf, in denen sie über die Gräueltaten berichtete, die sie erlitten haben soll.

Diese wurden auch im Laufe des Prozesses abgespielt. „Ich erinnere mich an das erste Mal, als er mich schlug und vergewaltigte“, sagte das Opfer in einem der Videos. „Es passierte ungefähr zehnmal. Dann drohte er mir mit dem Tod, falls ich etwas sagen würde, und ich schwieg.“

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Staatsanwaltschaft will noch Berufung einlegen

Am 3. November 2017 starb Anna Maria im Alter von 37 Jahren nach einem langen Kampf gegen die Krankheit. Das Ermittlungsverfahren wurde daraufhin wieder aufgenommen – und fand jetzt ein (vorläufiges) Ende.

Der Angeklagte Nicola C. wurde ursprünglich auch wegen sexueller Nötigung an Anna Maria sowie wegen Körperverletzung an seiner eigenen Ehefrau angeklagt. Diese beiden Anklagepunkte sind jedoch schon verjährt. Wegen der Mordvorwürfe droht ihm jedoch weiter eine Verurteilung. Denn: Die Staatsanwaltschaft hat bereits angekündigt, Berufung einzulegen.

Verwendete Quellen: La Repubblica, Corriere Della Sera, Il Mattino