Zwangs-VorführungSparkassen-Einbruch in Gelsenkirchen: Polizei bestellt 30 Schließfachbesitzer zur Vernehmung

Ein großes Loch ist in der Wand des Tresorraums einer Sparkasse zu sehen. (zu dpa: «Erste Entschädigungen nach Sparkassen-Einbruch gezahlt») +++ dpa-Bildfunk +++
Durch dieses große Loch in der Wand des Tresorraums einer Sparkasse sind die Gauner gekommen. (Archivbild)
picture alliance/dpa/Polizei Gelsenkirchen / -

Bringen die neuen Vernehmungen die „heiße Spur”?
Sie knacken mehr als 3.000 Schließfächer, räumen Geld, Gold und Schmuck ab – und verschwinden spurlos. Der Sparkassen‑Einbruch von Gelsenkirchen Ende 2025 gilt als möglicher Jahrhundertcoup, Schaden laut Schätzungen mindestens 30 Millionen Euro. Jetzt geraten ausgerechnet einige der Geschädigten ins Visier der Staatsanwaltschaft: Rund 30 Schließfachbesitzer werden von der Polizei zwangsweise vorgeführt.

Jahrhundertcoup bei der Sparkasse Gelsenkirchen: Nach Einbruch in Schließfächer werden 30 Kunden zwangsweise von der Polizei vorgeladen

In der Nacht auf den 29. Dezember 2025 bohren sich Unbekannte von einem Parkhaus aus mit schwerem Gerät durch die Wand in den Tresorraum der Sparkasse Gelsenkirchen‑Buer. Dort brechen sie fast alle der rund 3.200 Kundenschließfächer auf – mehr als 95 Prozent, wie die Bank später mitteilt. Was genau sie erbeuten, weiß bis heute niemand im Detail. Klar ist nur: Bargeld, Uhren, Schmuck, Gold und persönliche Wertgegenstände verschwinden im großen Stil. Die Ermittler kalkulieren zunächst mit der Standard‑Versicherungssumme von 10.300 Euro pro Fach – schon daraus ergibt sich ein Schaden von etwa 30 Millionen Euro, möglicherweise liegt die tatsächliche Beute sogar deutlich darüber.

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Monate später sind die Spuren zur Tätersuche noch immer dünn. 650 Hinweise sind bei der Polizei eingegangen, zahlreiche Spuren werden ausgewertet – doch öffentlich spricht niemand von einer „heißen Spur“. Klar ist dafür, dass die Ermittler jede einzelne Schließfachgeschichte kennen wollen: Wer hat was im Tresor gelagert, welche Werte fehlen, wo könnten Anhaltspunkte für die Täter stecken? Die meisten der mehr als 3.000 Betroffenen sind inzwischen vernommen, Inventarlisten erstellt, zurückgelassene Gegenstände zugeordnet, berichtet unter anderem die dpa.

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Rund 30 Schließfachinhaber aber sind trotz mehrerer Vorladungen nicht erschienen. Die Staatsanwaltschaft Essen zieht nun die Reißleine: Auf ihre Anordnung wird die Polizei diese Personen „zwangsweise vorführen“, wie es offiziell heißt. Dahinter steckt kein plötzlicher Tatverdacht gegen die Kunden, sondern ein Ermittlungsdruck: In einem Fall mit potenziell dreistelligen Millionenwerten sollen keine Lücken in den Aussagen bleiben. Wer nicht freiwillig zur Vernehmung kommt, bekommt jetzt Besuch von der Polizei – und muss seine Geschichte im Präsidium erzählen.

Parallel hat die Sparkasse längst mit dem Schadensausgleich begonnen. Pro Fach zahlt sie – entsprechend den Mietverträgen – maximal 10.300 Euro, höhere Werte mussten extra versichert werden. Viele Kunden klagen, weil sie deutlich mehr im Fach hatten und der Bank Versäumnisse beim Schutz des Tresorraums vorwerfen.

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Während Gerichte über Haftung und Erstattung streiten, versucht die Polizei weiter, die Einbrecher zu finden. Der Fall zeigt: Nach einem „Jahrhundertcoup“ stehen nicht nur Täter und Bank im Fokus – am Ende geraten auch diejenigen unter Druck, die sich eigentlich in einem Schließfach nur Sicherheit für ihre Werte versprochen hatten.

Verwendete Quellen: dpa, Zeit