„Mayday, Mayday, Mayday!”Kein Sprit mehr zum Durchstarten! Ryanair-Maschine entgeht Beinahe-Katastrophe

FILE PHOTO: A Ryanair aircraft lands at Manchester Airport in Manchester, north-west England, Britain, May 26, 2015.  REUTERS/Andrew Yates/File Photo
Auf einer Ryanair-Maschine kam es zu einem Treibstoff-Notfall.
/FW1F/Kirsten Donovan, REUTERS, Andrew Yates

171 Passagiere an Bord – und der Sprit wird immer knapper.
Eine Boeing 737-800 von Ryanair ist auf dem Weg von Pisa nach Schottland, als Sturm „Amy“ die Piloten dazu zwingt, gleich drei Landeversuche abzubrechen. Am Ende funkt die Crew sogar „Mayday“ und steuert Manchester an. Als die Maschine endlich aufsetzt, ist sie knapp einer Katastrophe entgangen, denn der Sprit im Tank näherte sich im Minutentakt der Nulllinie.

Sturm „Amy“ zwingt Piloten gleich dreimal zum Durchstarten

Am 3. Oktober 2025 startet die Ryanair-Boeing mit dem Kennzeichen 9H-QBD im italienischen Pisa. Das Ziel: Glasgow Prestwick in Schottland. Doch dort wütet Sturm „Amy“ mit heftigen Windböen. Das geht aus dem jetzt veröffentlichten Untersuchungsbericht der britischen Flugunfallbehörde Air Accidents Investigation Branch (AAIB) hervor.

Zunächst verläuft der Flug ohne Probleme. Doch beim ersten Landeanflug auf Prestwick schlägt plötzlich die Windscherwarnung an. Dabei können sich Windrichtung und -geschwindigkeit innerhalb kürzester Distanz stark verändern – gerade beim Landeanflug kann das gefährlich werden. Die Piloten brechen die Landung ab und starten durch. Zum Glück sind die Piloten auf das schlechte Wetter vorbereitet und haben vorsorglich zusätzlichen Treibstoff an Bord.

Nach einer Wartezeit versuchen sie es ein zweites Mal. Diesmal kommt die Maschine sogar bis auf rund 15 Meter über den Boden. Doch erneut warnt das System vor Windscherung. Wieder ziehen die Piloten die Maschine hoch.

Damit steht fest: In Prestwick wird nicht gelandet. Die Crew möchte stattdessen nach Manchester ausweichen, wo das Wetter günstiger ist. Doch genau dieser Wunsch wird zunächst abgelehnt. Warum, erfahren die Piloten nicht.

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Manchester lehnt Umleitung ab – dann beginnt der Wettlauf gegen die Sprituhr

Weil Manchester die Maschine zunächst nicht annimmt und auch Glasgow mit Windscherungen kämpft, bleibt der Crew Edinburgh als Alternative. Sechs Minuten nach der Absage aus Manchester bittet sie darum, dorthin ausweichen zu dürfen. Weitere fünf Minuten vergehen, bis die Umleitung genehmigt wird.

Doch auch in Edinburgh macht das Wetter den Piloten einen Strich durch die Rechnung. Beim dritten Landeversuch des Abends ertönt erneut die Windscherwarnung. Zum dritten Mal müssen die Piloten durchstarten.

Jetzt wird die Lage dramatisch. Nach dem erneuten Durchstarten sind laut Untersuchungsbericht noch rund 2.100 Kilogramm Treibstoff übrig. Für einen Flug nach Manchester samt vorgeschriebener Sicherheitsreserve hätte die Maschine nach Berechnung der Crew jedoch rund 2.800 Kilogramm benötigt.

Die Piloten stehen vor einer schwierigen Entscheidung: Noch einmal eine Landung in Edinburgh versuchen – mit dem Risiko einer weiteren Windscherwarnung – oder trotz des knappen Treibstoffs nach Manchester fliegen?

Der Kapitän entscheidet sich für Manchester. Er hält diese Variante angesichts der dort besseren Wetterbedingungen für die sicherste. Als der Bordcomputer schließlich berechnet, dass bei der Landung voraussichtlich nur noch rund 300 Kilogramm Sprit vorhanden sein werden, zieht die Crew die Notbremse: „Mayday, Mayday, Mayday – Fuel“, funkt der Kapitän.

Nur noch 363 Kilogramm Treibstoff bei der Landung

Von jetzt an muss alles klappen. Auf dem Weg nach Manchester leuchten bereits die Warnungen für niedrigen Treibstoffstand in beiden Haupttanks auf. Den Piloten ist nach eigenen Angaben klar: Für ein weiteres Durchstartmanöver würde der Sprit wahrscheinlich nicht mehr reichen.

Um 19.52 Uhr setzt die Boeing schließlich sicher in Manchester auf. An Bord sind zu diesem Zeitpunkt nur noch 363 Kilogramm Treibstoff. Vorgesehen war eine finale Reserve von rund 1.100 Kilogramm. Verletzt wird bei dem Zwischenfall niemand, auch das Flugzeug bleibt unbeschädigt.

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Wie knapp es war, zeigt eine weitere Zahl aus dem Untersuchungsbericht: Bei den vorherigen Durchstartmanövern verbrauchten beide Triebwerke bei hoher Leistung zeitweise rund 120 Kilogramm Treibstoff pro Minute. Bei der Landung waren dann nur noch 363 Kilogramm in den Tanks. Auch die AAIB kommt zu dem Schluss, dass der verbliebene Treibstoff wahrscheinlich nicht mehr für ein weiteres Durchstartmanöver gereicht hätte, wäre auch der vierte Landeversuch misslungen.

Warum durfte die Maschine nicht gleich nach Manchester?

Genau diese Frage beschäftigt auch die britischen Flugunfallermittler. Denn der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass Manchester die erste Bitte um eine Umleitung eigentlich hätte akzeptieren sollen. Laut AAIB deutet vieles auf ein Kommunikationsproblem innerhalb des Flughafens hin. Der Crew wurde mitgeteilt, Manchester könne die Maschine nicht aufnehmen. Nach den geltenden Regeln des Flughafens hätte die Umleitung laut AAIB jedoch angenommen werden sollen. Wie genau die Ablehnung zustande kam, ließ sich demnach nicht mehr feststellen.

Manchester hatte an diesem stürmischen Tag bereits 19 andere umgeleitete Flüge aufgenommen. Nach dem Zwischenfall überprüfte der Flughafen seine Abläufe und stellte gegenüber den Beteiligten noch einmal klar: Ist genügend Platz vorhanden, sollen Umleitungsanfragen akzeptiert werden.

Auch die Entscheidungen im Cockpit hat die AAIB unter die Lupe genommen: So wäre Newcastle zeitweise eine nähere Alternative gewesen. Auf dem Flug nach Manchester konzentrierte sich die Crew nach eigenen Angaben jedoch stark auf die Vorbereitung der Landung und die Wetterlage und zog diese Möglichkeit nicht weiter in Betracht.

Am Ende geht die dramatische Reise glimpflich aus: Alle 177 Menschen an Bord erreichen Manchester unverletzt. Doch der am Donnerstag (24. September) veröffentlichte Untersuchungsbericht zeigt, wie aus schlechtem Wetter, drei abgebrochenen Landungen und einer zunächst abgelehnten Umleitung Schritt für Schritt ein Treibstoff-Notfall wurde.

Verwendete Quelle: AAIB