Brite nimmt Eurostar-Panne gelassenRotterdam statt Brüssel – weil Bahn Rollstuhlfahrer vergisst

Orlando Cardozo in seinem Rollstuhl
Orlando Cardozo
Orlando Cardozo

Hätte der Schaffner nicht einfach ein paar nette, hilfsbereite Mitreisende suchen können?
Ein junger Mann aus dem englischen Bristol will nach Brüssel, zu einer Hochzeitsfeier. Orlando Cardozo sitzt im Rollstuhl und reist mit dem Zug. Kein Hexenwerk im Jahr 2025, sollte man meinen. Doch die Bahn schafft es tatsächlich, eins daraus zu machen. Statt in der belgischen Hauptstadt landet der 24-Jährige im niederländischen Rotterdam.

Keiner hilft beim Aussteigen, die Fahrt geht weiter

140 Kilometer entfernt. Weil die Bahn vergisst, ihm jemand zu schicken, der beim Aussteigen hilft. Das Unheil nimmt Medienberichten zufolge vergangenen Freitag (12. September) seinen Lauf. Zuerst läuft alles reibungslos, so der Engländer laut dem Boulevardblatt „Daily Mail“. Wie geplant fährt er mit dem Zug nach London. Dort wechselt er in den Eurostar, der ihn in die belgische Metropole bringen soll.

Hochzeitsgast Orlando Cardozo (l.) mit unbkannter Frau
Hochzeitsgast Orlando Cardozo (l.) mit Begleitung
Orlando Cardozo

Damit auch dort alles glatt geht, bucht Cardozo bei Eurostar, dass in Belgien eine Rampe für ihn bereitsteht, damit er mit seinem Rollstuhl aus dem Waggon kommt. Das geht schief. „Leider war nach der zweistündigen Zugfahrt kein Eurostar-Mitarbeiter zu sehen“, erzählt der Brite der belgischen „Gazeta van Antwerpen“ (GVA).

Video-Tipp: Wegen Verspätung! Barbara Schöneberger legt sich mit der Deutschen Bahn an

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

„Man kann nicht wütend auf jemanden sein, weil er es vergessen hat“

Cardozo fährt durch den ganzen Zug, doch an keiner Tür ist ein Helfer mit Rampe. Er findet lediglich einen Schaffner. Der habe ihm erzählt, er wolle mit dem Zugführer sprechen, so der Brite laut „Daily Mail“. Während er auf eine Antwort wartet, fährt der Zug weiter. Ins 140 Kilometer entfernte Rotterdam, dem nächsten planmäßigen Halt des Eurostar. Eine Stunde dauert es, bis er dort eintrifft, wo er gar nicht hinwollte.

Lese-Tipp: Das sind eure Rechte als Fahrgast

Immerhin finden sich dort Menschen, die etwas pragmatischer sind und Cardozo helfen. Sie organisieren seine Rückfahrt und sorgen dafür, dass er dieses Mal in Brüssel auch mit Hilfe aus der Bahn kommt. Im zweiten Anlauf klappt es, der Engländer landet mit seinem Rollstuhl wunschgemäß auf belgischem Boden.

Eurostar will Cardozo entschädigen

Sein Erlebnis nehme er niemandem übel. „Zum Glück war die Hochzeit, zu der ich gehen wollte, erst am Samstag. Ich hatte es also nicht eilig und machte mir keine Sorgen“, sagt er der GAT. Auch im Gespräch mit der Daily Mail bleibt er cool und sagt dem Blatt, dass „Eurostar normalerweise fantastisch“ wäre und dass das Missgeschick „eigentlich niemandes Schuld“ sei „Es lag irgendwie daran, dass sie es vergessen haben. Aber man kann nicht wirklich wütend auf jemanden sein, weil er es vergessen hat.“

Lese-Tipp: Bahn-Irrsinn! Mutter vergisst Null-Euro-Ticket fürs Kind und muss fast 100 Euro blechen

Eurostar reagierte Zeitung zufolge inzwischen und teilte mit: „Unser Kundenservice hat bereits direkt mit dem Mann Kontakt aufgenommen und eine Entschädigung angeboten. Wir prüfen den Vorfall, um sicherzustellen, dass Maßnahmen ergriffen werden, um eine Wiederholung zu verhindern.“

Verwendete Quellen: Daily Mail, Gazeta van Antwerpen