Eklat bei Gedenkfeier an SynagogeSkandal in Halle – AfD-Politiker Tillschneider abgewiesen

In der Synagoge von Halle wird am Jahrestag des Anschlags von 2019 der Opfer gedacht. Auch der frisch gewählte AfD-Landtagsvizepräsident Tillschneider will an der Veranstaltung teilnehmen. Das verhindern Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion.
Der rechtsextreme AfD-Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider hat versucht, an der Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an das antisemitische Attentat in Halle teilzunehmen. Wie ein Sprecher der Polizeiinspektion Halle bestätigte, wollte Tillschneider das Gelände der Synagoge kurz vor Beginn der Gedenkveranstaltung am Mittag betreten.
Mehrere Anwesende bildeten aber eine Menschenkette vor dem Eingang zu dem Gelände und hinderten den Politiker so an der Teilnahme an der Veranstaltung. Nach Angaben der „Jüdischen Allgemeinen“ waren Mitglieder der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) für die Blockade verantwortlich. „Ein gesichert rechtsextremer Parteivorsitzender hat bei unserem Gedenken keinen Platz. Wir lassen dieses Gedenken nicht vereinnahmen. Es geht hier an erster Stelle um die Opfer“, sagte Noami Tamir von der JSUD der Zeitung.
Die Teilnehmer der Menschenkette in Halle protestierten gegen den Besuch Tillschneiders bei der Gedenkveranstaltung. Es habe sich um eine spontane Versammlung gehandelt, so die Polizei. Mitglieder der Versammlungsbehörde hätten zwischen Tillschneider und den Demonstrierenden vermittelt, die Situation sei ruhig geblieben. Nach längerer Diskussion habe der AfD-Politiker den Ort schließlich verlassen.
Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, kritisierte Tillschneider für seinen Teilnahmeversuch. „Es war und ist der Wunsch der Jüdischen Gemeinde in Halle, diesen Tag des Gedenkens den Opfern des entsetzlichen Anschlags vom 9.10.2019 zu widmen und keinerlei politische Instrumentalisierung zuzulassen. Durch seinen Versuch der Teilnahme hat der AfD-Politiker Hans Thomas Tillschneider diesen Wunsch mit Füßen getreten.“
Anschlag mit zwei Toten
Die AfD wird in Sachsen-Anhalt als rechtsextrem eingestuft. Sie gewann dennoch die Landtagswahl im September, Tillschneider wurde am Dienstag zum Vizepräsidenten des neuen Landtags in Magdeburg gewählt.
In mehreren Veranstaltungen wird in Halle heute der Opfer des antisemitisch motivierten Anschlags an der Synagoge vor sieben Jahren gedacht. Auch der geschäftsführende Ministerpräsident Sven Schulze und sein Amtsvorgänger Reiner Haseloff nehmen am Gedenken teil.
Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Rechtsextremist am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur versucht, in die Synagoge einzudringen. Als ihm das nicht gelang, erschoss er davor eine 40 Jahre alte Passantin und in einem nahen Döner-Imbiss einen 20 Jahre alten Gast. Auf seiner Flucht verletzte der Attentäter zahlreiche weitere Menschen, ehe er von der Polizei gefasst wurde. Das Oberlandesgericht Naumburg verurteilte ihn 2020 zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.
Verwendete Quellen: lme/dpa


