Vor Dänemark angespültRätsel um toten Wal: Woran erkennen Experten, ob es Timmy ist?

Das Schicksal des vor der deutschen Küste gestrandeten Wals bewegt wochenlang viele Menschen. Das bislang letzte Kapitel ist sein Transport in die Nordsee. Dann wird ein toter Buckelwal vor Dänemark gesichtet. Ob es das ausgesetzte Tier ist, gilt es jetzt zu klären.
Nach Meldungen über einen toten Wal vor der dänischen Insel Anholt ist laut Mecklenburg-Vorpommerns Landesumweltminister Till Backhaus unklar, ob es sich um den in einer Hilfsaktion aus der Ostsee geholten Meeressäuger handelt. „Sobald es gesicherte Neuigkeiten in der Sache gibt, werden wir die Öffentlichkeit umgehend informieren“, sagte Backhaus in Schwerin. Er sei in engem Kontakt mit dem Bundesumweltministerium und der dänischen Umweltbehörde. „Aufgrund der verkehrstechnischen Lage Anholts rechnen wir jedoch nicht mit schnellen Befunden - bevor gesicherte Informationen vorliegen, beteilige ich mich nicht an Spekulationen“, sagte Backhaus.
Doch wie könnte die wahre Identität des Wals geklärt werden? Inzwischen wurde nach Angaben der dänischen Behörde Naturstyrelsen das gestrandete Tier aus direkter Nähe inspiziert. Dem Kadaver wurde eine Gewebeprobe aus der Schwanzflosse entnommen, sagte Morten Abildstrøm von Naturstyrelsen. Diese Probe soll nun nach Deutschland geschickt und dort untersucht werden. Experten zufolge gibt es zudem noch andere Möglichkeiten zur Bestimmung der Identität des Tieres.
Um festzustellen, ob es sich bei dem in Dänemark gefundenen Kadaver um den zuvor in Deutschland gestrandeten Wal handelt, könnten theoretisch auch Fotos helfen. Die Schwanzflossen haben in der Regel individuelle Musterungen und Umrisse und helfen deshalb bei der zweifelsfreien Identifizierung der Tiere. Nach Angaben der privaten Rettungsinitiative, die den Wal von der Ostsee in die Nordsee transportierte, wurde ein Foto von der Fluke - der großen Schwanzflosse des Tieres - gemacht, das als Foto-ID in entsprechende Datenbanken einfließen soll. Für diese Information gab es allerdings keine Bestätigung durch unabhängige Quellen.
Neben einem Foto von der Fluken-Unterseite können der Tierschutzorganisation WDC zufolge auch auffällige Merkmale wie ein Narbenmuster auf der Haut zur Wiedererkennung eines Wals dienen. Das Tier habe eine erkennbare Schramme beziehungsweise Beschädigung der Hautoberfläche gehabt, die von einer Schiffsschraube verursacht worden sein kann. Zudem gebe es verschiedene Strukturen der Haut des Wals, die bereits aufgefallen seien. Der vor der Ostsee-Insel Poel gestrandete Wal gehöre zur Population der nordatlantischen Buckelwale. „Jedes Forschungsteam, das mit dieser Population arbeitet, fotografiert die Individuen“, hieß es. Über die Jahre seien Tausende ID-Fotos zusammengetragen worden.
Die Experten des Deutschen Meeresmuseums hoffen auf eine Untersuchung des Tieres. „Es geht darum, Erkenntnisse für künftige Strandungen und Rettungsaktionen zu gewinnen“, sagte eine Sprecherin des Museums am Morgen. Das Meeresmuseum konnte in den vergangenen Wochen keine eigenen Fotos von der Fluke des gestrandeten Buckelwals machen.
Medienberichten zufolge war ein mutmaßlicher Buckelwalkadaver auf der dänischen Insel Anholdt im Kategatt zwischen Dänemark und Schweden angeschwemmt worden. Es könnte sich um den jungen Buckelwal handeln, der wochenlang vor der deutschen Ostseeküste umhergeirrt und nach mehrfachen Strandungen von einer privaten Rettungsinitiative mit einem Lastkahn vor der Nordspitze Dänemarks freigesetzt worden war. Nach Einschätzung eines örtlichen Naturaufsehers handelt es sich vermutlich um einen Buckelwal. Das Tier sei schätzungsweise 10 bis 15 Meter lang, sagte er dem Sender TV 2 Østjylland. Der Kadaver soll etwa etwa 200 Kilometer entfernt von der Stelle liegen, wo der damals noch lebende Wal ausgesetzt wurde.
Experten hatten den Transport des mutmaßlich schwer kranken und stark geschwächten Tiers angelehnt. Das Deutsche Meeresmuseum etwa erklärte nach der Freisetzung, es gehe vom Tod des Tiers aus. Demnach dürfte dem Meeressäuger die Kraft zu längerem Schwimmen gefehlt haben.
Auch rund zwei Wochen nach dem Aussetzen gibt es bislang keine bekannten Daten dazu, wo das Tier ist. Ein GPS-Sender liefere weiterhin keinerlei Signale zur Ortung, hieß es jüngst von der Privatinitiative zum Transport des Wals. Es gebe überhaupt keine Daten mehr.
Der Buckelwal war nach Angaben der Behörden zunächst im Hafen von Wismar aufgetaucht. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Dem Tier gelang es, das flache Wasser über eine ausgehobene Rinne zu verlassen. Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar. Schließlich schwamm es in die Kirchsee genannte flache Bucht der Insel Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber weniger Stunden später am Ausgang der Bucht wieder fest.
Umweltminister Backhaus hatte Mitte April entschieden, eine private Rettungsinitiative zu dulden. Sie wurde von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und der Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert. Die Initiative hatte zuletzt den Lastkahn, eine sogenannte Barge, herangeschafft, um den Wal damit zurück in die Freiheit zu bringen. Mit einem Lastkahn wurde das Tier schließlich von der Insel Poel aus in die Nordsee gebracht.
Vor dem Freisetzen des Buckelwals am 2. Mai soll nach Angaben der Initiative ein GPS-Sender an der Rückenfinne angebracht worden sein, der stetig Ortsdaten liefern sollte. Ob dies tatsächlich erfolgte, ließ sich nicht durch unabhängige Quellen verifizieren.
An dem Kadaver vor Anholt wurde nach Angaben der dänischen Behörde Naturstyrelsen jedenfalls kein GPS-Sender gefunden. Abildstrøm sagte, er sei sich zu 95 Prozent sicher, dass es sich bei dem verendeten Meeressäuger um einen Buckelwal handle. Er könne es aber nicht mit Sicherheit sagen, da der Wal auf der Seite und halb unter Wasser liege. Das Tier sei zwölf Meter lang, sagte Abildstrøm.
Verwendete Quellen: gut/AFP/dpa


