„Wirrer Kopf”Versuchter Mord aus Rache für Tod des Sohnes? Angeklagter liefert irre Erklärung
Die Ermittler vermuten Rache als Motiv.
Fehmi A. (69) soll auf einem Parkplatz zunächst auf Benjamin Ü. geschossen und später dessen Mutter angegriffen haben. Zum Prozessauftakt am Landgericht Münster am Montag liefert er eine bemerkenswerte Erklärung für die Tat.
Prozess in Münster: Mord an Sohn des Angeklagten wurde nie aufgeklärt
Die Schüsse fallen im Dezember 2024 auf einem Aldi-Parkplatz in Ahlen (Nordrhein-Westfalen). Benjamin Ü. (38) wird von den Kugeln nicht gefährlich getroffen, und plötzlich hat Fehmi A.s Pistole Ladehemmung. Die Opfer nutzen ihre Chance und stürmen auf den Schützen los. Fehmi A. schlägt noch mit der Waffe auf den Kopf der Frau, schießen kann er aber nicht mehr.
Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft geht Fehmi A. davon aus, dass Benjamin Ü.s Familie 2020 seinen Sohn Thomas (34) getötet oder den Mord an ihm in Auftrag gegeben hat. Die Staatsanwaltschaft konnte allerdings nie einen Täter ermitteln – und Benjamin Ü. und seine Mutter gehörten nicht zu den Verdächtigen, gegen die seinerzeit ermittelt wurde.
Schüsse auf Aldi-Parkplatz in Ahlen: Fehmi A. gesteht die Tat
Fehmi A. spricht ruhig und wirkt entspannt, als er vor Gericht zunächst den Verlauf seines bisherigen Lebens schildert. Er hört zu und beantwortet Fragen. Offenbar hat er gesehen, dass seine Familie und auch der Gemeindepfarrer im Saal sind. Nach einer Pause liest Verteidiger Uwe Krechel eine Erklärung des Angeklagten vor.
„Ich möchte klarstellen, dass der Sachverhalt aus der Anklageschrift richtig ist“, gesteht Fehmi A. die Tat. „Unser Sohn wurde grundlos vor unserer Haustür erschossen.“ Die Ermittlungen hätten sich schnell auf die in der Nachbarschaft wohnende Familie von Benjamin Ü. konzentriert. „Mir war von Anfang an klar, dass Mitglieder der Familie Ü. mit dem Tod etwas zu tun hatten.“ Dass später das Verfahren eingestellt wurde, sei für ihn ein „innerer Niedergang“ gewesen, erklärt Fehmi A. „In mir reifte der Gedanke, ein Zeichen zu setzen.“
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Ahlen: Angeklagter will späteren Opfern eher „zufällig” begegnet sein
Die Waffe habe er auf einem Flohmarkt gekauft. „Ich hatte an diesem Tag nicht die Absicht, die Waffe einzusetzen”, behauptet der 69-Jährige. Er habe am Tattag einen „wirren Kopf” gehabt, „ich dem ich nichts mehr geordnet bekam”.
Auf dem Aldi-Parkplatz sei er seinen späteren Opfern eher „zufällig“ begegnet. Zuvor sei er auf dem Weg zum Grab seines Sohnes gewesen – und dann habe er ausgerechnet Mitglieder der Nachbarsfamilie getroffen, die er für dessen Tod verantwortlich macht.
Er habe aus einem Meter Entfernung auf den Oberarm von Benjamin Ü. gezielt und nur einen Schuss abgegeben, erklärt der Angeklagte. Dass sein Motiv Rache war, bestreitet Fehmi A. Es sei nie seine Absicht gewesen, die beiden zu töten – schließlich sei er Christ und habe so auch seine Kinder erzogen. „Mir tut es für alle Beteiligten leid, auch für meine Familie.” Seit der Ermordung seines Sohnes könne er nur noch an diesen denken. Bis September sind im Prozess gegen Fehmi A. zehn weitere Verhandlungstermine angesetzt.































