Drei einfache RechenbeispieleKinderlose sollen nach Pflegereform noch mehr zahlen – findet ihr das fair?

Ist das gerecht?
Für Kinderlose – ob gewollt oder unfreiwillig – soll die Pflegeversicherung ab 2027 teurer werden. Der Beitrag steigt nach den Plänen der Bundesregierung von 4,2 auf 4,5 Prozent. Bei 5.000 Euro Bruttogehalt wären das 15 Euro mehr im Monat. Andreas Storm, Chef der Krankenkasse DAK-Gesundheit, warnt vor einer bedenklichen Entwicklung.
Ist es fair, dass Kinderlose mit der Pflegereform noch mehr zahlen müssen? Hier abstimmen!
Mit der Pflegereform: So teuer wird der Pflegebeitrag für Kinderlose
0,3 Prozentpunkte mehr. Das klingt erst einmal überschaubar, macht sich auf Dauer aber im Portemonnaie bemerkbar. Die Pflegereform sieht vor, dass der Pflegebeitrag für Kinderlose zum 1. Januar steigt. Der Zuschlag soll von derzeit 0,6 auf 0,9 Prozentpunkte wachsen. Damit erhöht sich ihr gesamter Beitragssatz von 4,2 auf 4,5 Prozent. Der allgemeine Beitragssatz soll dagegen bei 3,6 Prozent bleiben. Das Bundeskabinett hat den entsprechenden Gesetzentwurf am 30. September beschlossen.
Lese-Tipp: Neue Pflege-Pläne der Regierung: Warum Kinderlose mehr zahlen sollen
Wichtig für Arbeitnehmer ohne Kinder ist dabei: Den zusätzlichen Kinderlosenzuschlag tragen sie selbst. Dadurch lässt sich die geplante Mehrbelastung recht einfach ausrechnen. Hier sind drei Rechenbeispiele bei einem voll beitragspflichtigen Monatsbrutto, wie sich allein die Erhöhung um 0,3 Prozentpunkte auswirkt:
3.000 Euro brutto → 9 Euro mehr im Monat, 108 Euro im Jahr
4.000 Euro brutto → 12 Euro mehr im Monat, 144 Euro im Jahr
5.000 Euro brutto → 15 Euro mehr im Monat, 180 Euro im Jahr
Bei höheren Einkommen begrenzt die Beitragsbemessungsgrenze die Abgaben. Auch diese Grenze soll im Zuge der Reform um 300 Euro pro Monat steigen.
Pflegereform trifft Kinderlose: Kassenchef warnt!
DAK-Chef Andreas Storm sieht genau diese stärkere Belastung der Kinderlosen kritisch. Gegenüber der Rheinischen Post verweist er auf den Abstand zwischen 3,6 Prozent allgemeinem Beitrag und künftig 4,5 Prozent für Kinderlose. Damit sei man verfassungsrechtlich bereits in einer „bedenklichen Dimension angekommen“, warnt Storm. Weiter sollte die Spreizung aus seiner Sicht nicht wachsen.
Dabei lehnt Storm die Reform nicht grundsätzlich ab. Er begrüßt, dass ursprünglich diskutierte Einschnitte für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige teilweise vom Tisch sind. Kritisch sieht er aber, dass dadurch ein großer Teil der finanziellen Last bei den Kinderlosen landet. Nach seinen Angaben entfallen rund 3,3 Milliarden Euro des Konsolidierungsvolumens auf diese Gruppe.
Video-Tipp: Grünes Licht für geplante Pflegereform
Was die neue Pflegereform außerdem ändern soll
Nach langem Streit hat sich die Regierung aus CDU und SPD auf den ersten Teil der Reform verständigt. Neben dem höheren Zuschlag für Kinderlose plant die Bundesregierung um Gesundheitsminister Carsten Linnemann unter anderem die höhere Beitragsbemessungsgrenze.

Ab 2028 soll außerdem ein Zuschlag von 0,52 Prozent für die beitragsfreie Mitversicherung von Ehe- oder Lebenspartnern kommen, wobei Ausnahmen vorgesehen sind. Die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige sollen weiterhin vollständig aus der Pflegeversicherung finanziert werden. Ab 2029 sollen die Pflegeleistungen regelmäßig an die Preisentwicklung angepasst werden.
Damit ist die Reform allerdings noch nicht abgeschlossen. Eine Strukturkommission soll weitere Vorschläge erarbeiten, um die Pflegeversicherung langfristig finanziell aufzustellen. Der jetzt vom Kabinett beschlossene Entwurf ist also erst der nächste Schritt in einer Debatte, die die Koalition noch länger beschäftigen dürfte.
Verwendete Quellen: DPA, Rheinische Post, Bundesgesundheitsministerium



