„Das war ein Fehler“Terrorismusexperte Peter Neumann macht Behörden nach CSD-Anschlag Vorwürfe

Tatverdächtiger Abdul B.
Die Polizei fahndet nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin mit einem Foto nach dem Verdächtigen Abdul Ballout (21).
Polizei/picture alliance / Anadolu | Volodymyr Sindieiev

Er spricht Klartext!
Nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin ist der Tatverdächtige bei einem Polizeieinsatz getötet worden. Im Gespräch mit RTL Aktuell ordnet Terrorismus-Experte Peter Neumann den Fall ein – und übt deutliche Kritik an den Behörden.

Abdul Ballout wurde bereits verurteilt, aber auf „Vorbewährung” entlassen

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RTL-Starmoderator Christopher Wittich im Gespräch mit Crime-Experte Peter Neumann.
RTL

Der Terrorismusexperte Peter Neumann findet klare Worte. Im Interview mit RTL-Moderator Christopher Wittich zeigt er sich fassungslos darüber, dass der mutmaßliche Attentäter trotz seiner Vorgeschichte auf freiem Fuß war.

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2019 und 2020: Körperverletzung und räuberische Erpressung

Auf die Frage, ob er nachvollziehen könne, dass der Tatverdächtige noch nicht in Haft gewesen sei, antwortet Neumann eindeutig: „Nein, kann ich nicht.“ Zur Begründung verweist er auf die Vorgeschichte des Mannes: „Der hatte ja eine Gewaltgeschichte. Der war vorbestraft wegen Körperverletzung, räuberischer Erpressung. Er war jahrelang in der islamistischen Szene unterwegs. Und er hat offensichtlich mehrfach versucht, sich dem IS anzuschließen – in Mauretanien und in Syrien.“
Sein Fazit fällt deutlich aus: „Für die Sicherheitsbehörden wäre eigentlich klar gewesen: Das ist ein Hochrisikogefährder. Und so eine Person kann nicht einfach auf Bewährung freigelassen werden. Das war ein Fehler.“

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Noch schwerer wiegt ein weiteres Verfahren

Neumann sieht die Gefahr islamistischer Anschläge in Deutschland zwar niedriger als vor rund zehn Jahren – warnt aber davor, die aktuelle Entwicklung zu unterschätzen.
„Im Vergleich zu vor zehn Jahren ist die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus zurückgegangen. Damals hatten wir fast jeden Monat einen versuchten Anschlag.“
Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 habe sich die Lage jedoch wieder verändert. Neumann meint: „Sie ist auch wieder angestiegen seit 2023, dem Gaza-Konflikt, 7. Oktober. Seitdem wird das wieder häufiger.“

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Vergleich mit Anis Amri

Zum Zeitpunkt des Interviews war der Tatverdächtige noch auf der Flucht. Dass die Fahndung zunächst erfolglos blieb, überraschte Neumann allerdings nicht. Neumann zu RTL: „Ich glaube, das ist nicht ungewöhnlich. Anis Amri war ja auch auf der Flucht vor zehn Jahren nach dem Anschlag am Breitscheidplatz.“
Inzwischen ist die Lage eine andere: Wie die Berliner Senatsinnenverwaltung bestätigte, wurde der Tatverdächtige bei einem Polizeieinsatz getötet.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche