25 Jahre nach den Terroranschlägen von New YorkDieses Foto am Ground Zero zerreißt mir das Herz

Der Name von Christine Lee Hanson ist am Ground Zero in Metall geschnitten. Christine starb am 11. September 2001, als Entführer das Passagierflugzeug, in dem die Zweijährige mit ihren Eltern und anderen Passagieren saß, ins World Trade Center steuerten.
Der Name von Christine Lee Hanson ist am Ground Zero in Metall geschnitten. Christine starb am 11. September 2001, als Entführer das Passagierflugzeug, in dem die Zweijährige mit ihren Eltern und anderen Passagieren saß, ins World Trade Center steuerten.
RTL

HEUTE jähren sich die Terroranschläge vom 11. September zum 25. Mal. Ein Vierteljahrhundert.
Ich, der RTL-Reporter, war schon häufiger hier an dem Ort, den sie Ground Zero nennen. Doch heute fühlt es sich anders an. So tief wie heute habe ich den Schmerz, der den Familien der 2.977 Opfer zugefügt wurde, noch nie gespürt. Ich sehe, wie Menschen trauern, sich umarmen. Und ich entdecke ein Foto, das mich nicht mehr loslässt.

25 Jahre nach den Terroranschlägen: New York weint um seine Toten

Es ist sonnig und warm, als ich am 10. September 2026 aus der U-Bahn-Station Cortlandt Street in Manhattan steige. Der Himmel über New York ist blau. So blau wie am Morgen des 11. September 2001, als Terroristen des islamistischen Terrornetzwerks Al-Kaida vier Passagierflugzeuge entführten und in die Zwillingstürme von New York und das Pentagon in Washington D.C. steuerten. „Im vierten Flugzeug ( United Airlines Flug 93) wehrten sich Passagiere gegen die Entführer. Während des Kampfes stürzte die Maschine in ein Feld in Pennsylvania.

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Der Horror von New York: Ein Flugzeug ist gerade in den Südturm des World Trade Centers eingeschlagen.
REUTERS

Ein paar Schritte zu Fuß, dann bin ich am Ground Zero. Dort, wo vor 25 Jahren die weltberühmten Twin Tower des World Trade Centers standen. Heute markieren zwei riesige Wasserbecken, die sogenannten Reflecting Pools, die Stellen, an denen einst der Nord- und Südturm an den Wolken von New York kratzten.

Metallzäune sperren den Ground Zero am 10. September 2026 ab. Nur an ausgewählten Stellen können Besucher zu den Reflecting Pools durch
Metallzäune sperren den Ground Zero am 10. September 2026 ab. Nur an ausgewählten Stellen können Besucher zu den Reflecting Pools durch
RTL

Einen Tag vor dem 25. Jahrestag ist das Gelände bereits von hohen schwarzen Metallzäunen umgeben. Weitere Absperrgitter stehen bereit. Nur an einigen Stellen kann man durchgehen und zu den Wasserbecken gelangen. Sicherheitsleute beobachten die Besucher mit einer Mischung aus Skepsis und amerikanischer Freundlichkeit.

Am Ground Zero gibt es zwei Wasserbecken. Sie stehen genau dort, wo einst die Türme in den Himmel ragten. Das Foto zeigt einen der beiden Reflecting Pools.
Am Ground Zero gibt es zwei Wasserbecken. Sie stehen genau dort, wo einst die Türme in den Himmel ragten. Das Foto zeigt einen der beiden Reflecting Pools.
Bryan Smith/ZUMA Press Wire/ ddp/ Action Press Online

Ich gehe an einem der beiden Becken entlang. In die bronzenen Brüstungen sind die Namen der Opfer geschnitten. In manchen Buchstaben stecken kleine amerikanische Fahnen oder Blumen. Dann fällt mir etwas besonders ins Auge. Ich bleibe stehen.

Das kleine Mädchen mit dem roten Hut

Das Mädchen mit dem roten Hut: Christine Lee Hanson starb im Alter von zwei Jahren, als Terroristen am 11. September 2011 das Flugzeug mit ihr und ihren Eltern entführten.
Das Mädchen mit dem roten Hut: Christine Lee Hanson starb im Alter von zwei Jahren, als Terroristen am 11. September 2011 das Flugzeug mit ihr und ihren Eltern entführten.
RTL

Die Buchstaben CHRISTINE LEE HANSON sind ins Metall geschnitten. Unter ihrem Nachnamen liegt ein Foto. Genau dieses Bild packt mich. Das Bild mit dem herausgeputzten, kleinen Mädchen und dem roten Hut. Ihre Mutter hält die Kleine fest. Auch sein Vater ist auf dem Bild.

Am Morgen der Anschläge machte es sich gemeinsam mit seinen Eltern Peter und Sue Hanson auf den Weg zum Flughafen. In Boston stieg die Familie in United Airlines Flug 175 nach Los Angeles. Sie wollte Verwandte besuchen. Für Christine sollte es anschließend auch ins Disneyland gehen. Doch das kleine Mädchen kam nie in Kalifornien an. Niemand aus dem Flugzeug kam an.

Terroristen hatten Flug 175 in ihre Gewalt gebracht. Um 9.03 Uhr steuerten sie die Boeing in den Südturm des World Trade Centers. Alle an Bord starben. Christine wurde zwei Jahre alt. Sie ist das jüngste Opfer der Terroristen.

Heute wäre Christine Lee Hanson 27 Jahre alt. Die Terroristen nahmen ihre Träume, ihre Zukunft. Aber nicht die Erinnerung an das Mädchen mit dem roten Hut, das Mickey Mouse treffen wollte.

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Ein junger Mann legt seine Hand auf einen Namen

Trauer am Reflecting Pool. Ein junger Mann legt seine linke Hand auf einen Namen, in der rechten hält der einen Blumenstrauß fest.
Trauer am Reflecting Pool. Ein junger Mann legt seine linke Hand auf einen Namen, in der rechten hält der einen Blumenstrauß fest.
RTL

Nur wenige Meter von Christine Lee Hansons Namen entfernt fällt mir ein junger Mann auf. Ich schätze ihn auf Mitte 20. In seiner rechten Hand hält er einen Blumenstrauß. Das Papier ist noch darum gewickelt. Seine linke Handfläche drückt er fest auf einen der Namen im Metall.

Er steht einfach da. Der junge Mann kämpft mit den Tränen. Ich weiß nicht, wessen Namen er genau berührt. Ich weiß auch nicht, welche Geschichte ihn mit diesem Menschen verbindet.

Ich frage ihn nicht. Ich drehe mich weg. Dieser Moment gehört ihm.

Hinter jedem Namen steckt eine Geschichte

Insgesamt sind 2.983 Namen in das Metall der Gedenkstätte eingeschnitten: die Namen der 2.977 Menschen, die bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 getötet wurden, sowie die der sechs Opfer des Bombenanschlags auf das World Trade Center im Jahr 1993.

Zwei Frauen umarmen sich, als sie die brennenden Türme von New York sehen
Zwei Frauen umarmen sich, als sie am 11. September 2001 die brennenden Türme von New York sehen
AP Photo/Ernesto Mora/ Archivfoto

Viele Männer und Frauen wurden in den letzten Minuten ihres Lebens zu Helden. Feuerwehrleute und Polizisten rannten in die brennenden Türme, während Tausende versuchten, ihnen zu entkommen. Menschen halfen Kollegen und Fremden.

Auch die Passagiere von United Airlines Flug 93 wehrten sich gegen ihre Entführer. Die Maschine stürzte schließlich auf einem Feld bei Shanksville in Pennsylvania ab und erreichte ihr mutmaßliches Ziel in Washington nicht.

Andere konnten in den letzten Augenblicken ihres Lebens vielleicht nur noch eines tun: die Menschen festhalten, die sie liebten. So wie Eltern ihr Kind.

Heute werden die Namen der 9/11-Opfer vorgelesen: Donald Trump ist nicht in New York

Heute rückt der Ort wieder in den Fokus der Welt. Ab 8.40 Uhr findet auf dem Memorial-Gelände die offizielle Gedenkzeremonie zum 25. Jahrestag statt.

In New York werden auch die vier noch lebenden ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, George W. Bush, Barack Obama und Joe Biden erwartet. Vizepräsident JD Vance vertritt die US-Regierung bei der Gedenkveranstaltung.

Der amtierende US-Präsident Donald Trump wird nicht an der Zeremonie in New York teilnehmen. Er wird nach Angaben des Weißen Hauses am Pentagon bei Washington an die Opfer erinnern.

Das Foto von Christine Lee Hanson, dem kleinen Mädchen mit dem roten Hut, wird Trump nicht sehen.

Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche