„Dann hab’ ich den Körper da gesehen“Mordanklage im Fall Fabian: Maik N. erinnert sich, wie Gina H. ihn zur Kinderleiche führte

von Jens Schwarck-Köhnke und Johanna Grewer

Wollte sie ihm den Mord an Fabian anhängen?
Maik N. kann sich noch genau an den Abend erinnern, als Gina H. sich plötzlich bei ihm meldet. Im RTL-Interview erzählt der Zeuge: „Sie hat mich erst angerufen, sie müsste mir was erzählen, was ganz wichtig ist und ich unbedingt für mich behalten soll. Aber nicht am Telefon.“ Kurz danach steht die Frau, die jetzt wegen Mordes angeklagt ist, bei ihm vor der Tür.

Gina H. will dem Freund unbedingt etwas im Wald zeigen

Sie will ihrem Freund Maik N. unbedingt etwas zeigen, erinnert er sich. Die beiden seien daraufhin in sein Auto gestiegen und losgefahren. „Die hat mir den Weg gesagt, wie ich zu fahren hab.“

Zu dem Zeitpunkt ist der acht Jahre Fabian aus Güstrow noch vermisst. Gina H. kennt das Kind gut. Sie ist die Ex-Freundin seines Vaters. Maik N. erzählt sie an diesem Abend, dass sie mit einem anderen Freund im Wald unterwegs gewesen sei und etwas entdeckt habe. Sie sei sich nicht sicher, ob es vielleicht Fabian sein könnte oder vielleicht doch nur eine „Puppe“, sagt der Zeuge im Gespräch mit RTL.

Gina H., die Ex-Freundin von Fabians Vater, ist tatverdächtig.
Die Ex-Freundin von Fabians Vater führte die Polizei damals zur Leiche von Fabian aus Güstrow.
dpa/Schwarck Media

Sollte Maik N. Spuren an der Leiche hinterlassen?

„Die Fahrt hierher war ziemlich aufgeregt“, erinnert er sich. „Wir haben das Auto oben am Weg stehen gelassen und sind dann hier runter zum Tümpel gelaufen.“ Gina H. habe auch da wieder genau gesagt, wo er hingehen und mit der Taschenlampe leuchten soll. „Dann hab’ ich den Körper da gesehen“, erklärt der Zeuge.

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Inzwischen ist er überzeugt davon, dass Gina H. ihm in jener Nacht die Tat anhängen wollte. Brachte sie ihn nur zum Tatort, damit er Spuren an Fabians Leiche hinterlässt? Gina H. habe unbedingt mit ihm zusammen zur Polizei gewollt. Maik N. sei damals aber erst einmal nach Hause gefahren. „Wie will man das erklären?“, habe er sich damals gefragt. „Was macht man an so einem abgelegenen Ort und findet da ‘ne Leiche?“ Er habe Sorge gehabt, selbst unter Verdacht zu geraten.

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Gina H. war lange mit Fabians Vater zusammen

Gina soll dann sogar noch versucht haben, Schuhe bei ihm zu verstecken. Offenbar wollte sie nicht, dass die Polizei die bei ihr findet. Sie habe auch immer wieder über den Freitag, an dem Fabian verschwand, gesprochen. Wollte sie ein Alibi von Maik N.? Der Zeuge berichtet, dass er Gina dann gesagt habe, dass er mit der Sache nichts zu tun haben wolle. „Mach was du willst“, habe er ihr gesagt und dann den Kontakt abgebrochen. Er sei damals „hoffnungslos überfordert“ gewesen, sagt er.

Offenbar führte Gina H. danach noch jemanden zu Fabians Leiche. Sie ging mit einer Freundin an dem Tümpel in Klein Upahl spazieren, wo das tote Kind lag. Gemeinsam riefen die beiden dann die Polizei. Im RTL-Interview erklärte sie damals noch, sie habe nichts mit der Tat zu tun. Es sei purer Zufall, dass ausgerechnet sie die Leiche gefunden habe. Sie war lange mit Fabians Vater zusammen und kannte den Achtjährigen gut.

Fabian aus Güstrow wurde mehrere Tage vermisst, bevor seine Leiche gefunden wurde.
Fabian aus Güstrow wurde mehrere Tage vermisst, bevor seine Leiche gefunden wurde.
Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern

Maik N. glaubt, dass Gina H. den Verdacht von sich ablenken wollte

Davon geht die Staatsanwaltschaft nicht aus. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass Gina H. Fabian am Morgen des 10. Oktober 2025 aus dem Haus lockt und mit dem Auto zum Tatort fährt. Dort tötet sie den Jungen wohl und zündet seine Leiche an, um Spuren zu verwischen. Die 29-Jährige selbst schweigt zu den Vorwürfen gegen sie. Die Staatsanwaltschaft weist darauf hin, dass auch nach der Anklageerhebung die Unschuldsvermutung gilt.

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Auch Maik N. wurde nach dem Leichenfund von der Polizei befragt. „Ich hab‘ wirklich damit gerechnet, dass die mich mitnehmen und irgendwo einsperren“, erinnert er sich. Inzwischen ist er überzeugt, dass er damals ausgenutzt worden ist „von vorn bis hinten“. Er gilt in dem Fall heute nur als Zeuge. Laut Staatsanwaltschaft plante und beging Gina H. die Tat allein.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen