Sie saß eine lebenslange Haftstrafe abWas, wenn es gar nicht die Mutter war? Mord an Melanie (7) und Karola (5) Weimar ist bis heute rätselhaft

Gibt es doch einen anderen Täter?
1988 wird Monika Weimar zu lebenslanger Haft wegen Mordes an ihren beiden Töchtern verurteilt. Das Gericht geht damals davon aus, dass sie die Mädchen getötet hat, weil sie mit ihrem Liebhaber, einem in Hessen stationierten US-Soldaten, ein neues Leben anfangen wollte und die Kinder ihr dabei im Weg waren. Aber war es wirklich so? Immer wieder kommen im Laufe der Jahre Zweifel auf. Bis heute bestreitet Monika die Tat.
Busfahrer findet die vermissten Schwestern tot im Gebüsch
Monikas Schwester Brigitte ruft am 4. August 1986 bei der Polizei an und meldet ihre beiden Nichten als vermisst. Sie wohnt mit ihrem Ehemann Raymond Elliott im hessischen Philippsthal im gleichen Haus, wie die Kinder und ihre Eltern. Die beiden Mädchen sollen an dem Morgen mit ihrer Mama gefrühstückt haben und dann auf den Spielplatz neben dem Haus gegangen sein. Doch als Vater Reinhard die beiden zum Mittagessen ins Haus holen will, sind sie nirgends zu sehen. Eine Nachbarin will Melanie und Karola kurz zuvor noch gesehen haben.
Lese-Tipp: Der Mordfall „Monika Weimar”: Hat diese Mutter ihre Töchter ermordet?
Tagelang suchen Polizei, Freunde und Familie nach den Kindern. Am 7. August entdeckt ein Busfahrer, der an einem Parkplatz in der Nähe hält und Pause macht, die Leiche von Melanie. Kurze Zeit später wird auch Karolas Leiche an einem Waldweg gefunden. Die Obduktion ergibt: Das ältere Mädchen wurde mit einer weichen Bedeckung erstickt, die kleine Schwester erwürgt. Die Kinder sind angezogen, weitere Gewaltspuren oder Hinweise auf sexuellen Missbrauch findet die Polizei damals nicht.
Lagen die Kinder schon in der Nacht tot in ihren Betten?
Weil sich die Mutter der Kinder bei der Befragung in Widersprüche verwickelt, gerät sie ins Visier der Ermittler. Hat sie die Kinder getötet und an den Leichenfundorten abgelegt? Plötzlich erzählt sie der Polizei eine neue Version der Ereignisse: Sie sei am Abend vorher in einer Diskothek feiern gewesen und habe sich mit ihrem Liebhaber getroffen. Nachdem sie ihn nachts noch zurück zu seiner Kaserne gefahren hatte, will sie nach Hause gekommen sein und Licht im Kinderzimmer gesehen haben.

Dort habe ihr Ehemann weinend mit einer Bierflasche gesessen. Die Mädchen hätten tot in ihren Betten gelegen. „Jetzt kriegt keiner von uns die Kinder“, soll er zu ihr gesagt haben. Sie sei verstört ins Schlafzimmer gelaufen. Danach habe sie die Tür gehört und wie ihr Mann mit dem Auto weggefahren sei. Er habe die Leichen dann zum Parkplatz und in den Wald gebracht.
Bis heute sind viele Fragen im Mordfall Weimar ungeklärt
Bis heute gibt es in dem Fall viele offene Fragen. Hätte Monika wirklich keinen Alarm geschlagen, nachdem sie ihren Mann mit den toten Kindern in der Wohnung fand? Auch die Frage, wann genau die Kinder starben, ist bis heute nicht geklärt. Haben die beiden wirklich noch mit ihrer Mutter gefrühstückt? Oder starben sie vielleicht doch schon in der Nacht? Und wie kamen Pflanzenkletten an die Innenseiten ihrer Unterhöschen?

Das Gericht in Fulda sah es damals als erwiesen an, dass die Mutter die Mörderin ist und verurteilte sie zu lebenslanger Haft. Bei einem Wiederaufnahmeverfahren 1997 wird Monika, die inzwischen geschieden ist und wieder ihren Mädchennamen Böttcher angenommen hat, freigesprochen. Das Urteil wird allerdings aufgehoben und In Frankfurt wird der Prozess noch einmal neu aufgerollt. Dort wird die lebenslange Haftstrafe für die Mutter dann wieder bestätigt. Sie geht zurück ins Gefängnis, wo sie bis 2006 ihre Haft absitzt.
Wurden Melanie und Karola vielleicht von jemand anderem getötet?
Die RTL+ Doku „Das Geheimnis der Weimar Morde“ bringt 2022 dann wieder Bewegung in den Fall. Während der Recherchen für die Doku fällt auf, dass es vielleicht noch einen dritten Verdächtigen gibt, der in dem Fall als Täter in Betracht käme: der Onkel von Melanie und Karola.

Raymond Elliott lebt inzwischen wieder in seiner Heimat, den USA und wurde dort wegen sexuellem Missbrauch zu 16 Jahren Haft verurteilt. Monika Böttchers Verteidiger Gerhard Strate hält es für möglich, dass auch er in den Fall verwickelt sein könnte. Im März 2026 beantragt Monikas Anwalt ein neues Wiederaufnahmeverfahren.
Hat der Onkel etwas mit dem Mord an den Weimar-Mädchen zu tun?
War Raymond Elliott in der Nacht vor dem Verschwinden im Zimmer der Mädchen, um sie zu missbrauchen und ist dann etwas passiert? Onkel und Tante hatten damals angegeben, die kleine Karola in der Nacht weinen gehört zu haben. Als sie nach dem Mädchen sahen, habe ihre Schwester tief und fest schlafend im Bett gelegen. Aber schlief das Mädchen da wirklich? Oder war sie bereits mit ihrem Kissen erstickt worden? Ging der Onkel dann nochmal ins Zimmer zurück, um Karola zu erwürgen, weil sie etwas gesehen hatte, was nicht rauskommen sollte? An der Bettwäsche der Kinder wird sogar eine DNA-Spur gesichert, die nicht den Eltern zugeordnet werden kann. Bis heute ist nicht klar, wer sie dort hinterlassen hat.
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Als Raymond Elliott im Interview für die RTL+ Doku mit den Vorwürfen konfrontiert wird, flippt er aus. Er beschimpft Strate und streitet ab, die Mädchen angefasst oder ihnen etwas angetan zu haben. Doch auch die Mutter der Weimar-Mädchen beteuert bis heute ihre Unschuld. Lässt sich nach all den Jahren jetzt noch klären, was damals in Philippsthal passiert ist?
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen, RTL+


