Warum mussten die Mädchen sterben?

Das Geheimnis der Weimar-Morde: Wer hat Melanie (7) und Karola (5) getötet?

Die Schwestern Melanie und Karola Weimar wurden 1986 ermordet.
Mordfall Weimar: wer hat Melanie und Karola getötet?
Spiegel TV

Warum mussten diese Kinder sterben? Sie sind die Unschuldigsten der Unschuldigen gewesen – trotzdem wurden Melanie (7) und Karola (5) Weimar getötet – angeblich von ihrer eigenen Mutter. 15 Jahre sitzt Monika Weimar (geborene Böttcher) in Haft – bis heute bestreitet sie, ihre Töchter getötet zu haben. Ihr Mann Reinhard (†2021) sei es gewesen. Doch neueste Spuren deuten jetzt – nach 35 Jahren – auf einen dritten, bisher unbekannten Verdächtigen hin. Hat er Melanie und Karola Weimar ermordet? In der neuen Doku „Das Geheimnis der Weimar Morde“ (ab Montag exklusiv bei RTL+) gehen unsere Kollegen von Spiegel TV der neuen Spur nach – und konfrontieren den mutmaßlichen Mörder mit den Vorwürfen.

Monika Weimar (geborene Böttcher) wird im Mordfall ihrer Töchter drei Mal vor Gericht gezerrt

Montag, der 4. August 1986. Es sind Ferien, es ist ein heißer Sommertag im hessischen Philippsthal bei Bad Hersfeld. Und es ist der Tag, an dem Melanie und Karola Weimar von ihrer Tante als vermisst gemeldet werden. Die ganze Region sucht nach den Mädchen – vergeblich. Drei Tage später werden ihre Leichen auf einem Parkplatz gefunden.

Bis heute ist es ein Geheimnis, was in jener Nacht geschah – als die beiden Kinder, das eine erdrosselt, das andere erstickt, getötet wurden. Ihre Mutter, Monika Weimar, saß für die Morde 15 Jahre in Haft – und sagt bis heute, sie sei unschuldig.

Das Interesse der Öffentlichkeit am Prozess ist damals riesig, das Privatleben der Angeklagten wird in allen Details offengelegt. Es beginnt ein Indizienprozess gegen die damals 28-jährige Monika Weimar. Sie bestreitet die Morde von Anfang an – und beschuldigt ihren Ehemann Reinhard Weimar. Getrieben aus Eifersucht, soll er die Mädchen in jener Nacht ermordet haben. Denn Monika hatte eine Affäre mit einem US-Soldaten.

Vor Gericht aber verstrickt sich Monika Weimar in Widersprüche. Die Vorwürfe gegen sie erhärten sich. Es gibt keine Beweise, doch sehr viele Indizien.

Monika Weimar (geborene Böttcher) sitzt insgesamt 15 Jahre im Gefängnis

„Lebenslänglich“ heißt schließlich das Urteil im Januar 1988. Sie ist schuldig des Mordes an ihren beiden Töchtern – und muss ins Gefängnis. Nach dem Urteil brannte Applaus im Gerichtssaal auf. Doch das Urteil in Fulda soll nicht das letzte sein.

1995 wird der Fall wieder aufgenommen, diesmal vor dem Landgericht Gießen. Zwei Jahre später kommt es zum Freispruch für Monika Weimar, die mittlerweile geschieden ist und seither unter ihrem Familiennamen Böttcher lebt.

Doch die Freiheit währt nur kurz. Der Bundesgerichtshof hebt das erlösende Urteil wegen grober Rechtsfehler bereits ein Jahr später wieder auf und die Mutter der getöteten Kinder muss im Jahre 1999 erneut vor Gericht, diesmal in Frankfurt. Unter Tränen beteuert die mittlerweile 41-Jährige wieder ihre Unschuld. Doch das Gericht spricht Monika Weimar erneut schuldig. Sie muss zurück ins Gefängnis. Nach guter Führung darf Monika Weimar das Gefängnis 2006 als freie Frau verlassen.

Doch neueste Spuren deuten jetzt – nach 35 Jahren - darauf hin: es gibt einen dritten, bisher unbekannten Verdächtigen.

Der Fall "Weimar": Hat diese Mutter ihre Töchter ermordet? True Crime aus Hessen
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Ein dritter Täter kam nie ernsthaft in Betracht – bis jetzt

35 Jahre nach dem Doppelmord gibt es eine neue Spur. Unsere Kollegen von Spiegel TV treffen Angelina in Kalifornien. Sie erzählt von einem Typen, der Hilfe brauchte und dem ihr Vater Unterschlupf gab. Sie war noch ein kleines Mädchen, hatte Besuch von einer Freundin. „Er zwang uns, ihn zu berühren. Er drückte unsere Hände da unten hin und presste seine Hand auf unsere und dann machte er es in ein Papiertuch und sagte uns, dass so Babys gemacht werden. Dass Frauen so schwanger werden. Er machte das dann fast jede Nacht, zwei Jahre lang.“ In den USA wird der Mann verurteilt – zu 16 Jahren Haft.

Der Mann, über den Angelina spricht, ist Raymond Elliott. Er ist der Schwager von Monika Weimar. Er wohnte 1986 mit im selben Haus in Phillipsthal – und ging ein paar Jahre später zurück in die USA.

Monika Weimars Anwalt Gerhard Strate ist sich sicher: „Wenn sich herausgestellt hat, und darauf deutet ja auch das Geschehen in Kalifornien hin, weswegen er dann verurteilt worden ist, dass er pädophil ist, das ist eine Neigung, die von Anfang an besteht. Wenn er die in Kalifornien 1998/99 gezeigt hat, dann hat er die auch schon in Philippsthal gehabt als Ehemann der Schwester meiner Mandantin.“

Hat Monika Weimars Schwager Raymond Elliot die Mädchen getötet?

Mittlerweile gibt es Spekulationen des Anwaltes, dass Raymond Elliot in der Tatnacht die Abwesenheit von Monika Weimar genutzt haben könnte, Reinhard Weimar bei einem gemeinsamen Bier zu betäuben. Danach hätte er die Gelegenheit gehabt, sich an den Mädchen zu vergehen – und in der Folge könnte er sie getötet haben. Mit dieser Version haben unsere Kollegen Raymond Elliott jetzt konfrontiert. Der flippte völlig aus: „Dieser Anwalt ist doch ein Stück Sch***e! Der redet doch nur Sch***e! Verdächtiger! Soll er doch erzählen, was er will. Ich bin in Amerika. Soll er mich doch holen! Der blufft doch nur! Ihr könnt ihm sagen, dass ich das gesagt habe! Nehmt das ruhig auf! Zeigt es ihm! Das für ihn! Ich meine es ernst!“

Und tatsächlich: Rechtsanwalt Strate hat die DNA an der Bettwäsche von Melanie und Karola Weimar untersuchen lassen. Es wurden männliche DNA-Spuren unklaren Ursprungs entdeckt. Als nächstes soll es einen Abgleich mit der DNA von Raymond Elliott geben. Doch auch wenn die gefundene DNA – mit der von Raymond Elliott übereinstimmen sollte, würde es keine Schuld von ihm belegen – allerdings würde es die Verurteilung von Monika Weimar in Zweifel ziehen. 35 Jahre nach dem Kindermord. (kra/vol)

"Das Geheimnis der Weimar Morde" - die ganze Doku ab Montag (7. März) auf RTL+