Haben die Behörden versagt?Mörder Benjamin F. floh mit Motorrad nach Italien! Wie konnte das passieren?

Nur ein Moment allein in der Garage genügte!
Ein Mörder flieht, landet nach einem Unfall in einem italienischen Krankenhaus und sorgt für Wirbel bei den Justizbehörden. Was lief da schief? Wie konnte Benjamin F. bei einem begleiteten Ausgang entkommen?
Frauenmörder liegt immer noch im Krankenhaus
Der geflüchtete Mörder aus einem Gefängnis in Celle (Niedersachsen) wird nach seiner Festnahme weiter in einem italienischen Krankenhaus behandelt. Wie lange der 42-Jährige dort bleiben muss, sei unklar, sagt ein Sprecher des Landeskriminalamts Niedersachsen. Erst nach Abschluss seiner Behandlung könne Benjamin F. nach Deutschland ausgeliefert werden.
Wie dem Mörder die Flucht gelang
Der Mörder hatte bei seinem 38. begleiteten Ausgang am Dienstag (16. Juni) gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Gefängnisses die Wohnung seiner Mutter in Peine besucht. „Im Rahmen dieses Besuches konnte er sich absetzen, und zwar mit einem Motorrad, das in einer Garage gestanden hat und mit dem er dann entflohen ist”, erklärt Verena Brinkmann, Sprecherin des Justizministeriums, im Gespräch mit RTL.
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Laut den Ermittlern gelangte der 42-Jährige über Bayern nach Italien. Auf seiner Flucht wurde ihm ein Unfall zum Verhängnis: Südlich von Verona stürzte Benjamin F. und kam in die Klinik. Dort nahmen ihn Beamte am Donnerstag (18. Juni) fest, er steht seitdem unter polizeilicher Beobachtung.
Ministerium: Mann durfte an seinem Motorrad schrauben
Die Behörden in Deutschland beginnen derweil mit der Aufarbeitung. Sie müssen klären: Wie konnte der verurteilte Mörder fliehen? Fest steht bisher: Der Mann hatte die Erlaubnis, an seinem Motorrad in der Garage zu schrauben. Doch wo war der Justizbeamte in der besagten Fluchtsituation? Wie die Sprecherin des Justizministeriums erklärt, hätten die JVA-Bediensteten bei den Ausgängen keine Sicherungsfunktion, sondern eine unterstützende und begleitende Funktion. „In dem Fall war es so, dass der JVA-Bedienstete gemeinsam mit dem Verurteilten die Mutter besucht hat und sich dann der Verurteilte noch mal zu einer Garage begeben hat, um angeblich diese zu verschließen. Da war der Bedienstete nicht zugegen und diesen Moment scheint der Verurteilte genutzt zu haben, um dann zu fliehen.” Laut Ministerium war es also abgesprochen, dass Benjamin F. noch mal allein zur Garage ging, um seine Arbeiten abzuschließen.
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Hat der Bedienstete einen Fehler gemacht? Das Ministerium will keine voreiligen Schlüsse ziehen. Der Sachverhalt werde erst umfassend aufgeklärt, sagt die Sprecherin nur. „Natürlich werden wir diesen Fall uns jetzt genau betrachten und schauen, wie konnte es dazu kommen? Weil klar ist: Jede Entweichung ist eine zu viel.”
Lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes

Benjamin F. verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes und versuchter schwerer Vergewaltigung. Er hatte im Jahr 2010 die damals 23-jährige Melanie aus Peine mit etlichen Messerstichen getötet, weil sie keinen Sex mit ihm haben wollte. Der Fall hatte weit über die Grenzen des Landkreises für Fassungslosigkeit und Entsetzen gesorgt.
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Für den Mord an der Internet-Bekanntschaft verurteilte das Landgericht Hildesheim den damals 27-Jährigen 2011 zu lebenslanger Haft und stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Entlassung des Täters aus der Haft nach 15 Jahren war damit nahezu ausgeschlossen. Der Mann hatte die Tat vor Gericht gestanden. Dem Ministerium zufolge muss F. mindestens 19 Jahre im Gefängnis bleiben.
Große Erleichterung im Justizministerium
Justizministerin Kathrin Wahlmann zeigte sich nach der Festnahme des Mannes erleichtert. „Ich bedanke mich bei allen beteiligten Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten für ihren Einsatz”, teilt die SPD-Politikerin mit. Wann der 42-Jährige nach Deutschland ausgeliefert wird und ob er dann wieder in seine alte Zelle zurückkehrt, ist noch offen.
Verwendete Quellen: RTL-Recherche, dpa


