Fünf Frauen brechen ihr SchweigenEx-Priester soll Nonnen missbraucht haben – Opfer flehen Papst an!

Pope Leo XIV Leads The General Audience - Vatican Pope Leo XIV attends the weekly general audience in Saint Peters square, Vatican on September 23, 2026. Photo by EV Simone Risoluti/ Vatican Media/ ABACAPRESS.COM Rome PUBLICATIONxNOTxINxFRAxUK Copyright: xABACAx
Papst Leo XIV. besucht Frankreich.
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In einem Brief an den Papst melden sich mutmaßliche Missbrauchsopfer eines ehemaligen Priesters. Über Jahrzehnte hinweg soll er Frauen sexuell missbraucht haben. Die Betroffenen fordern nun Gerechtigkeit und den Abschluss des Prozesses.

Vor der Frankreich-Reise von Papst Leo XIV. hat eine Gruppe von mutmaßlichen Missbrauchsopfern eines früheren Jesuitenpaters vom Vatikan Aufklärung verlangt. Die fünf Frauen, darunter eine Ordensschwester, appellierten an das Oberhaupt der katholischen Kirche, das Verfahren gegen den Mosaikkünstler und früheren Geistlichen Marko Rupnik vor einem vatikanischen Sondergericht zum Abschluss zu bringen. Der 71 Jahre alte Slowene steht im Verdacht, über Jahrzehnte hinweg Ordensschwestern sexuell missbraucht zu haben.

Bei seinem Besuch wird Leo mit dem Fall unmittelbar konfrontiert werden: Im Marien-Wallfahrtsort Lourdes, wo der Papst am Wochenende erwartet wird, hat Rupnik die Eingangstüren der Basilika Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz mitgestaltet. Der Papst wird die Werke allerdings nicht zu Gesicht bekommen: Auf Beschluss des dortigen Bischofs wurden die riesigen Mosaike aus der Werkstatt des früheren Geistlichen vergangenes Jahr mit Aluminiumplatten überdeckt.

In dem Brief, der von der Anwältin der Frauen, Laura Sgrò, in Rom veröffentlicht wurde, heißt es nun: „Wir haben uns entschlossen, Ihnen zu schreiben, da Sie in Frankreich Missbrauchsopfer wie uns treffen werden, und zwar an einem Ort, an dem die Mosaiken von Pater Rupnik an der Fassade der Basilika nicht mehr zu sehen sein werden.“ Sie begrüßen die Geste des Bischofs als Zeichen der Solidarität.

An Papst Leo finden sie jedoch klare Worte und appellieren daran, den Prozess voranzutreiben und Klarheit, Transparenz und Schnelligkeit zu gewährleisten „Wir haben nicht vor, in Vergessenheit zu geraten. Und wir werden auch nicht auf Gerechtigkeit verzichten, solange die Schwere der Geschehnisse nicht anerkannt und der Verantwortliche nicht bestraft wird.“

Gegen den Ex-Pater läuft im Vatikan ein Verfahren vor einem Sondergericht, über dessen Umstände und Verlauf bislang allerdings kaum etwas bekannt wurde. Auch die Betroffenen schreiben zudem in dem veröffentlichten Brief, dass sie nur aus der Presse erfahren hätten, dass ein Prozess gegen Rupnik begonnen hat. Ursprünglich sollte das Verfahren schon Ende vergangenen Jahres abgeschlossen sein. Der Anwältin zufolge wurden ihre Mandantinnen weder als Zeuginnen geladen noch durfte sie selbst als Rechtsbeistand bei Anhörungen dabei sein.

Die ersten Missbrauchsvorwürfe gegen Rupnik stammen von Anfang der 1990er Jahre, als er noch in seiner Heimat Slowenien tätig war. Dort gründete Rupnik Ende der 1980er Jahre einen katholischen Orden, die Loyola-Gemeinschaft. In einer Pressekonferenz im Februar 2024 berichtete eines der Opfer, Gloria Branciani, welche auch von Sgró vertreten wird, dass sie erst Modell für Rupniks Gemälde stehen sollte. Er sei daraufhin immer aufdringlicher geworden und habe sie schließlich zum Oralsex gezwungen. Seine Übergriffe habe er laut ihr stets theologisch begründet.

Daraufhin recherchierte der Deutschlandfunk und sprach unter anderem mit den Betroffenen. Mehrere Ordensschwestern warfen Rupnik in dem Bericht zusätzlich spirituellen Missbrauch vor. Er habe ihren Glauben ausgenutzt, um sie zu manipulieren oder für sexuellen Missbrauch gefügig zu machen. Ein weiteres ehemaliges Mitglied des Ordens berichtete dem Deutschlandfunk, dass die Gemeinschaft im Laufe der Zeit eher wie eine Sekte geführt worden sei. Es habe ständige Kontrollen und eine Abschottung von Familie und Freunden gegeben.

Die Vorwürfe des Missbrauchs richtete Branciani während der Pressekonferenz auch gegen die Mitgründerin der Gemeinschaft, Ivanka Hosta. Hosta habe die mutmaßlichen Übergriffe Rupniks nie angezeigt, obwohl Branciani sich ihr anvertraut hätte. Die mutmaßlichen Übergriffe wurden laut Branciani von ihr bereits Anfang der 1990er gemeldet.

Rupnik wurde daraufhin aus der Loyola-Gemeinschaft verbannt und ging nach Rom. Dort wurde er Hofkünstler des Papstes und war weiterhin als Mosaikkünstler tätig.

Rupnik war kurzzeitig exkommuniziert

2022 gingen die Betroffenen und Ordensschwestern mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit. Medienberichten zufolge stufte der Vatikan die Vorwürfe zunächst als verjährt ein, Papst Franziskus hob die Verjährung jedoch ein Jahr danach wieder auf. Laut Deutschlandfunk gab der Vatikan zudem zu, dass Rupnik 2020 kurzzeitig aus der Kirche ausgeschlossen wurde. Das hatte jedoch nichts mit den Missbrauchsvorwürfen zu tun, er habe sich der „Freisprechung von einer Sünde eines Mitschuldigen“ strafbar gemacht.

Diese Entscheidung hob der Vatikan kurz danach jedoch wieder auf. Heute soll Rupnik wieder in Slowenien leben. Sein Jesuitenorden hat ihn mittlerweile aus der Ordensgemeinschaft verbannt.

Der Vatikan hat bereits angekündigt, dass sich der Papst in Lourdes auch mit einer kleinen Gruppe von Missbrauchsopfern treffen will. Der Verband zur Entschädigung von Missbrauchsopfern kritisierte daraufhin, dass bei der Reise keine generellen Treffen mit Opferverbänden vorgesehen sind. Weitere Stationen der ersten Frankreich-Reise des Oberhaupts von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken sind Paris und Metz.

Verwendete Quellen: kaz/dpa