Merve (23) und Selin (22) starbenEs war Mord! Lebenslange Haft nach illegalem Autorennen in Ludwigsburg

Nach einem verbotenen Autorennen mit zwei Toten ist der Unfallverursacher vom Landgericht Stuttgart zu einer lebenslangen Haft wegen Mordes verurteilt worden. Der Mann hatte sich vor einem Jahr mit seinem Bruder in Ludwigsburg ein Rennen geliefert, sein Wagen hatte das Auto zweier junger Frauen gerammt. Die Freundinnen Merve (23) und Selin (22) kamen ums Leben.
Stuttgart: Urteil nach illegalem Rennen gefallen
Der Mann hatte sich vor einem Jahr mit seinem Bruder in Ludwigsburg ein Rennen geliefert - sein Wagen hatte das Auto der zwei jungen Frauen gerammt. Der Bruder, der einen zweiten Wagen gefahren haben soll, muss wegen versuchten Mordes für 13 Jahre in Haft.
Monatelang hatten sich die Kammer des Stuttgarter Landgerichts, Angehörige, Anwälte und zahlreiche Besucher im Prozess gegen die zwei angeklagten Fahrer und ihren Cousin Videos angeschaut, es wurden Gutachten in Auftrag gegeben, Zeugen gehört und Einlassungen verlesen. Im Zentrum stand dabei stets die Frage, ob der Fahrer als Mörder verurteilt oder ob der Fall juristisch anders bewertet wird.
Merve (23) und Selin (22) kamen ums Leben
Angeklagt waren zwei Brüder im Alter von 33 und 35 Jahren sowie ihr 26-jähriger Cousin. Nach Überzeugung des Gerichts verabredeten sich die drei Türken am Abend des 20. März 2025 zu einem illegalen Rennen in der Ludwigsburger Innenstadt. Sie rasten durch eine Bahnhofsunterführung, bremsten, stimmten sich ab und beschleunigten erneut – teils in einer Tempo-50-Zone. Dabei filmten sie und feuerten sich an. Schließlich rammte der jüngere Bruder mit mehr als 130 Kilometern pro Stunde das Auto der beiden jungen Frauen, die gerade eine Tankstelle verlassen wollten und bei dem Unfall ums Leben kamen.

Mit dem Urteil folgt das Gericht der Staatsanwaltschaft. Der mutmaßliche Unfallverursacher habe kurz vor dem Aufprall Vollgas gegeben, obwohl er die lebensgefährliche Situation erkannt habe, hatte diese argumentiert.
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Die Verteidiger hatten die Mordvorwürfe zurückgewiesen. Sie bestritten, dass die Angeklagten den Tod anderer billigend in Kauf genommen hätten und plädierten auf fahrlässige Tötung. Die Angeklagten selbst räumten teils Verantwortung ein, bestritten jedoch, jemanden bewusst gefährdet zu haben.
Darum ist der Fall juristisch so heikel
Juristisch ist der Fall heikel: Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2017 sind illegale Autorennen ausdrücklich strafbar. Bei Todesopfern drohen mehrjährige Haftstrafen, in besonders schweren Fällen auch eine Verurteilung wegen Mordes. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ein Fahrer den Tod anderer nicht nur für möglich hält, sondern ihn billigend in Kauf nimmt. In der Vergangenheit haben Gerichte in ähnlichen Fällen unterschiedlich entschieden – von fahrlässiger Tötung bis hin zu Mordurteilen.
Über den Einzelfall hinaus verweist der Prozess auf ein anhaltendes Problem. Trotz verschärfter Gesetze registriert die Polizei wieder mehr illegale Autorennen. In Baden-Württemberg wurden 2024 insgesamt 433 Fälle erfasst, im ersten Halbjahr 2025 bereits 293 – ein deutlicher Anstieg, auch durch intensivere Kontrollen. (sfu/dpa)
Verwendete Quelle: dpa, eigene RTL-Recherche


