Liveticker zum Grenz-DramaAnsturm auf Ceuta: EU berät sich in Krisensitzung

von Sebastian Fuhrmann, Camilla Koziol, Martina Lewinski und Jan Luhrenberg

Größter Ansturm seit 2021!
60.000 Migranten haben Polizeiangaben zufolge binnen weniger Tage die Grenze von Marokko zur spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika gestürmt. Dutzende sind beim Versuch, Ceuta zu erreichen, ums Leben gekommen. In unserem Liveticker informieren wir euch stets über die neuesten Entwicklungen.

Grenz-Drama in Ceuta – hier geht’s zu unserem Live-Ticker!

Wichtige Updates
Sebastian Fuhrmann

EU berät sich in Krisensitzung 


In der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika hat der große Andrang von Migranten zwar nachgelassen – doch die Folgen der Krise sind in Europa längst nicht vorbei. Heute wollen sich Experten der EU-Mitgliedstaaten in einer Krisensitzung über die Entwicklungen austauschen, wie ein Sprecher der irischen Ratspräsidentschaft mitteilte.
"Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten", versicherte EU-Migrationskommissar Magnus Brunner. Nach Angaben des spanischen Außenministers José Manuel Albares sind nahezu alle der mindestens 50.000 irregulär eingereisten Menschen von Ceuta nach Marokko zurückgekehrt. Mindestens 57 Menschen waren beim Überqueren der Grenze nach Ceuta übers Meer ums Leben gekommen. 
Sebastian Fuhrmann

Bericht: Migranten versuchten Grenzüberquerung in Melilla 

In der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla kam es Berichten zufolge zu erneuten Versuchen von Migranten, irregulär einzureisen. Nach dem Andrang Zehntausender Menschen in Ceuta in den vergangenen Tagen hätten am Freitagabend in Melilla rund 500 Menschen versucht, die Grenze von Marokko aus zu überqueren, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE. Die Sicherheitskräfte seien im Einsatz gewesen.
Zwei Stunden später, um 21 Uhr, habe es einen weiteren Versuch gegeben, den Grenzzaun zu überwinden. Mehrere Menschen haben dem Bericht zufolge Steine auf die Beamten geschleudert, während die Sicherheitskräfte Tränengas eingesetzt hätten. Zunächst war unklar, ob einige der Migranten nach Melilla gelangt waren. Der Grenzübergang Beni Enzar ist seit Donnerstagabend geschlossen. 
Martina Lewinski

Italien setzt Schengen-Abkommen mit Spanien vorübergehend aus 

Nach den Ereignissen in der spanischen Exklave Ceuta hat Italien das Schengen-Abkommen gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt. Nach Angaben von Außenminister Antonio Tajani soll die Maßnahme der Sicherheit und dem Schutz der europäischen Grenzen dienen. Betroffen sind vor allem Flug- und Schiffsreisende zwischen beiden Ländern, die sich auf zusätzliche Grenzkontrollen einstellen müssen. Kritiker werfen der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hingegen vor, mit dem Schritt vor allem innenpolitische Symbolpolitik zu betreiben. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass die Migranten in Ceuta überhaupt nach Italien weiterreisen wollen. 

Das Schengen-Abkommen ermöglicht normalerweise das Reisen zwischen den teilnehmenden Staaten ohne feste Grenzkontrollen. In Ausnahmesituationen dürfen Länder die Kontrollen an ihren Binnengrenzen jedoch vorübergehend wieder einführen, etwa wenn sie die öffentliche Sicherheit gefährdet sehen. 
Martina Lewinski

Ceuta löst Debatte über Grenzschutz in Europa aus

Der Massenandrang von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta sorgt europaweit für politische Reaktionen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte Spanien auf, den Schutz der EU-Außengrenzen sicherzustellen. Außenminister Johann Wadephul (CDU) bezeichnete den Schutz der Außengrenzen als „von überragender Bedeutung“. Italien setzte das Schengen-Abkommen mit Spanien vorerst aus, Frankreich kündigte eine Verfünffachung der Sicherheitskräfte an der Grenze zu Spanien an. Nach spanischen Angaben erreichten in den vergangenen Tagen rund 60.000 Menschen Ceuta, mehr als 48.000 von ihnen kehrten inzwischen nach Marokko zurück. US-Präsident Donald Trump sprach von einer „Invasion“ und nutzte die Ereignisse für Kritik an der Migrationspolitik der US-Demokraten. 

Im Mai 2021 kamen innerhalb von 36 Stunden mehr als 8.000 Menschen

Mindestens 19 Menschen kamen dabei bisher ums Leben. Es ist die größte Zahl von nach Ceuta gekommenen Migranten seit 2021. In der Nacht und auch am Freitagmorgen kamen demnach weiter Hunderte Menschen über die Grenze, aber viele kehrten auch zurück. Die Lage habe sich etwas entspannt, hieß es.

Verwendete Quellen: dpa, AFP