Liveticker zum Grenz-Drama in CeutaSpanien aus Schengen-Abkommen verbannen? SPD-Chef Lars Klingbeil macht klare Ansage

von Sebastian Fuhrmann, Camilla Koziol, Martina Lewinski und Jan Luhrenberg

Größter Ansturm seit 2021!
60.000 Migranten haben Polizeiangaben zufolge binnen weniger Tage die Grenze von Marokko zur spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika gestürmt. Dutzende sind beim Versuch, Ceuta zu erreichen, ums Leben gekommen. In unserem Liveticker informieren wir euch stets über die neuesten Entwicklungen.

Grenz-Drama in Ceuta – hier geht’s zu unserem Live-Ticker!

Wichtige Updates
Emanuel Holz

Jetzt spricht der SPD-Chef zum Ceuta-Drama


Nach dem Flüchtlingsdrama in Ceuta macht SPD-Chef Lars Klingbeil allen spalterischen Kräften, die Spanien aus dem Schengen-Abkommen werfen wollen, eine klare Ansage.  
„Die spanische Exklave Ceuta wurde Ziel einer offenbar gesteuerten Migrationsbewegung. Migranten wurden instrumentalisiert in dem Versuch, Europa zu spalten. Deshalb steht die Geschlossenheit Europas und die Solidarität mit Spanien jetzt an erster Stelle. Es gilt, mit Spanien zu agieren und nicht über Spanien zu sprechen. Wer Spanien vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen die Eignung als Schengen-Mitglied abspricht, ignoriert bewusst, dass von Ceuta aus keine Einreise ohne Grenzkontrollen auf das europäische Festland möglich ist. 
Pedro Sánchez hat mit entschlossenem Handeln dafür gesorgt, dass der allergrößte Teil der Menschen innerhalb kürzester Zeit von Ceuta wieder nach Marokko zurückgekehrt ist. Jetzt muss genau geklärt werden, was zu dieser Bewegung geführt hat und wer dafür verantwortlich war. 
Das entschlossene Handeln Spaniens verdient Respekt und volle Solidarität. Gerade in solchen Situationen darf Europa sich nicht auseinander dividieren lassen. Europa muss seine Außengrenzen gemeinsam konsequent schützen und darf nicht zulassen, dass Migration politisch instrumentalisiert wird.“ 
Emanuel Holz

EU-Innenminister treffen sich zu Dringlichkeitssitzung

Die EU-Innenminister werden sich am Dienstag in einer Dringlichkeitssitzung mit der durch die Ankunft zehntausender Migranten in der spanischen Exklave Ceuta ausgelösten Krise befassen. Die irische EU-Ratspräsidentschaft kündigte am Samstag im Onlinedienst X an, die Minister würden sich in einer Videokonferenz mit den "Entwicklungen in Ceuta" befassen.
Die Sondersitzung der Innenminister hatten die Staatenlenker von 22 EU-Mitgliedstaaten in einem gemeinsamen Brief gefordert, den unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unterschrieben hatte. Dabei solle es darum gehen, "massenhafte und unkontrollierte Grenzübertritte" künftig zu verhindern, hieß es in dem Schreiben. Initiiert worden war der Brief von der rechtsgerichteten italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und ihrer dänischen Kollegin Mette Frederiksen.
Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez hatte in einem separaten Schreiben an die Spitzen der europäischen Institutionen ebenfalls eine Sondersitzung der EU-Innenminister gefordert. Angesichts der europäischen Kritik am Umgang seines Landes mit der Migrationskrise in Ceuta warf Sánchez einigen Mitgliedstaaten eine "egoistische" und "rechtswidrige" Reaktion vor. Drohungen anderer Länder mit einem Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum bezeichnete er als "demagogisch".
Auslöser des Streits war die Ankunft zehntausender Migranten in Ceuta, das an Marokko grenzt. Seit Wochenbeginn waren bis zu 60.000 Menschen von Marokko auf dem Land- oder Seeweg in das Gebiet gekommen, wie der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte. Mindestens 67 Migranten kamen nach Angaben der spanischen Regierung auf dem Weg nach Ceuta ums Leben. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums kehrte mittlerweile "fast die Gesamtheit" der angekommenen Migranten nach Marokko zurück. (AFP)
Sebastian Fuhrmann

Zahl der Toten bei Ceuta steigt auf 67

In der Krise um die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta sind mindestens 67 Migranten ums Leben gekommen. Das berichtet die spanische Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die Vertretung des spanischen Innenministeriums in Ceuta. Demnach haben Einsatzkräfte der Polizeieinheit Guardia Civil seit Freitagnachmittag zehn weitere Leichen gefunden. Zuvor waren 57 Tote bestätigt worden. Einsatzkräfte suchen auch am Vormittag das Meer weiter ab. 
Sebastian Fuhrmann

Bericht: Angespannte Nacht in Nordafrika-Exklave Melilla 

Nach versuchten Grenzübertritten hat die Polizei in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla Medienberichten zufolge die ganze Nacht die Grenze zu Marokko abgesichert. Auf Bildern des staatlichen Fernsehens RTVE war zu sehen, wie zahlreiche Streifenwagen der Guardia Civil mit Blaulicht den Grenzverlauf entlangfahren. Unbekannt blieb, wie viele Menschen versuchten, den Grenzzaun zu überqueren oder gar in die Stadt gelangten. Ein Reporter von RTVE sprach von "mehreren Versuchen". 
Am späten Freitagabend hatten rund 500 Menschen in mindestens zwei Schüben versucht, sich von Marokko aus Zutritt zu der Exklave zu verschaffen, wie Medien berichteten. Mehrere Menschen warfen demnach Steine auf die Beamten, während die Sicherheitskräfte Tränengas eingesetzt hätten. Es blieb unklar, ob einige der Migranten nach Melilla gelangt waren. Der Grenzübergang Beni Enzar ist seit Donnerstagabend geschlossen. 

Im Mai 2021 kamen innerhalb von 36 Stunden mehr als 8.000 Menschen

Mindestens 19 Menschen kamen dabei bisher ums Leben. Es ist die größte Zahl von nach Ceuta gekommenen Migranten seit 2021. In der Nacht und auch am Freitagmorgen kamen demnach weiter Hunderte Menschen über die Grenze, aber viele kehrten auch zurück. Die Lage habe sich etwas entspannt, hieß es.

Verwendete Quellen: dpa, AFP