Live-Ticker zum Anschlag auf Berliner CSDVom Tag der Tat! Polizei findet IS-Bekennervideo auf Abdul Ballouts Handy

von Lea Haberbosch, Denise Gatzweiler, Samina Faizi, Camilla Koziol, Sebastian Fuhrmann, Roger Saha, Nele Balgo, Doro Steitz, Dimitri Blinski und Jan Luhrenberg

Horror beim CSD in Berlin!
Am Samstagabend ist ein weißer Mini-Van durch den Großen Tiergarten in eine Menschenmenge gerast. Es gibt mindestens eine Tote und 29 Verletzte. Der Attentäter kann fliehen. Am Sonntagabend gelingt der Polizei in Berlin-Spandau dann der Zugriff – bei dem der mutmaßliche Attentäter stirbt.

Anschlag auf CSD in Berlin: Hier im Live-Ticker die Entwicklung verfolgen

Wichtige Updates
Jan Luhrenberg

Vom Tag der Tat! Polizei findet IS-Bekennervideo auf Abdul Ballouts Handy

Nach dem tödlichen Anschlag auf den Berliner CSD machen Ermittler offenbar einen brisanten Fund. Auf dem Handy des mutmaßlichen Attentäters Abdul Ballout soll sich ein Bekennervideo befinden.

Das Mobiltelefon soll im weißen Transporter gelegen haben, mit dem Abdul Ballout am 25. Juli durch den Großen Tiergarten raste. Wie Bild unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, entdeckten Ermittler auf dem Gerät ein Video, das am Tag des Anschlags aufgenommen wurde. Darin soll sich der 21-Jährige zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ bekannt haben.

Solche Aufnahmen erstellen Attentäter häufig unmittelbar vor ihren Taten. Terrororganisationen verbreiten die sogenannten Märtyrer-Videos anschließend zu Propagandazwecken im Internet. Auch der Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri hatte 2016 vor seinem Anschlag ein entsprechendes Video aufgenommen.

Warum Ballout sein Handy im Fahrzeug zurückließ, ist laut Bild bislang unklar. Möglicherweise verlor er es beim Aufprall des Transporters. Der mutmaßliche Attentäter hatte mit dem Wagen eine polnische Mutter getötet und 31 weitere Menschen teils lebensgefährlich verletzt. Anschließend flüchtete er zu Fuß. Einen Tag später erschossen SEK-Beamte ihn den Angaben zufolge in einer Gartenlaube in Berlin-Spandau.

Neben dem Mobiltelefon fanden die Ermittler laut Bild noch einen weiteren Gegenstand im Tatfahrzeug. In dem gemieteten Transporter lag demnach eine Machetenscheide. Von der dazugehörigen Klinge fehlt bislang jede Spur. Die Ermittler halten es offenbar für möglich, dass Ballout die Machete während seiner Flucht entsorgt hat. 
Lynn Michel

Wie können wir uns vor den tausenden radikalisierten Islamisten in Deutschland schützen?

Mit Propaganda-Videos im Internet beginnt für manche Jugendliche der Weg in den Extremismus. Nach dem mutmaßlichen CSD-Anschlag in Berlin stellt sich nun die Frage: Reichen die bisherigen Maßnahmen gegen Gefährder aus – oder muss Deutschland seine Sicherheitsgesetze verschärfen?
Lynn Michel

Neue Details zum ersten Todesopfer

Nach RTL-Informationen war die 65-jährige Frau aus Polen eines der ersten Opfer des mutmaßlichen CSD-Attentäters Abdul Ballout. Demnach erfasste der 21-Jährige sie am Kemperplatz frontal mit seinem Fahrzeug. Durch den Aufprall wurde die Frau rund 20 Meter durch die Luft geschleudert und erlitt schwerste, lebensgefährliche Verletzungen.
Unmittelbar nach dem Zusammenstoß begannen Polizeikräfte sowie ein zufällig anwesender Arzt mit der Reanimation. Wenig später übernahm ein Notarzt die Versorgung. Trotz aller Rettungsversuche starb die 65-Jährige noch am Tatort.
Jan Luhrenberg

Nach dem CSD-Anschlag: Wo Berlin trauert

Drei Tage nach dem Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) ist der Tatort von einem Ort des Schreckens zu einem Ort der Trauer geworden. Entlang des Weges im Berliner Tiergarten, auf dem am Samstagabend ein mutmaßlicher Islamist mit einem Van zahlreiche Menschen erfasste, gibt es gleich mehrere Gedenkorte. 

Dort legen Menschen unter Laubbäumen Blumen nieder, hinterlassen Botschaften oder Regenbogenfähnchen und halten inne. „Liebe ist stärker als Hass“, steht auf einem Stück Papier. „Wir lassen uns nicht spalten“, ist auch zu lesen oder „Wir bleiben bunt“. „Ich kann das immer noch nicht glauben“, sagte ein junger Mann am Ort des Geschehens.

Drei, vier freiwillige Notfallseelsorger eines Kriseninterventionsteams der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) stehen im Tiergarten bereit, um zu trösten, zu helfen oder einfach zuzuhören. „Der Bedarf ist schon da“, erzählt einer aus dem Team, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. 

Allein am Montag hätten sie 75 Gespräche mit Menschen geführt, die einfach mal reden wollten, Informationen brauchten oder Hilfe bei der Bewältigung des Geschehens. „Erst kommt der Schock, dann Wut und dann Trauer“, schildert der Experte. Polizisten sorgen für Sicherheit und sind ebenfalls ansprechbar, es gibt auch eine mobile Wache am Tatort. 

Entlang der Strecke, auf der der Horror am Samstagabend auf die Menschen hereinbrach, zeugen Farbmarkierungen auf dem Boden noch von der Spurensicherung. Der untere Teil eines Baums, gegen den der Van mutmaßlich prallte, ist mit Folie abgeklebt – wegen eines „Rindenschadens“, wie ein angebrachter Zettel aufklärt. Ein anderer Baum, an dem der Wagen wohl endgültig zum Stehen kam, wurde gefällt und abtransportiert.

Am Samstag hatten hunderttausende Menschen unter dem Motto „Haltung ist hot” am Christopher Street Day in Berlin teilgenommen. Die jährlich organisierten CSD-Kundgebungen erinnern an den 28. Juni 1969, als die Polizei die Schwulenbar „Stonewall Inn” in der Christopher Street New York stürmte. Es folgten tagelange gewaltsame Auseinandersetzungen mit Aktivsten, die als Geburtsstunde der modernen Schwulen- und Lesbenbewegung gelten.