Gehe ins Gefängnis, begib dich direkt dorthin: So einfach könnte es auch in der Realität sein, wenn da nicht der Umschläge-Engpass der Berliner Staatsanwaltschaft wäre:
"Also wir können davon ausgehen, dass ungefähr 1.500 Briefe auf zwei Wochen aufgeschoben werden mussten."
Darunter eben auch viele Haftantritte. Aber wenn sie sich trotzdem denken: "Das gibts noch nicht..." dann sind sie damit nicht alleine:
"Hahaha, ist das ihr Ernst? Also da fällt einem nichts mehr zu ein. Einfach nur lächerlich und schon armselig. Kann ja nicht wahr sein."
"Ja, prima. Klasse. Ja, es war schön. Wir hatten auch schon mal die Situation, aber kein Papier mehr da. Da mussten wir Papier aus Polen holen."
"Ich kann es eigentlich gar nicht glauben. Also ich würde am ehesten sagen, das hier versteckte Kamera, weil es einfach absurd , lächerlich, peinlich"
Ok, im ersten Moment klingt das für den Laien tatsächlich etwas absurd. Aber der Rechtsexperte wird das schon nachvollziehen können, oder?
"Ich habe das tatsächlich noch nie gehört, dass einfach so die Briefumschläge fehlen, sodass sie ein Haftantritt, ein Strafantritt eben nicht angeordnet werden kann, weil die Umschläge fehlen. Ich glaube, das ist europaweit einmalig. Und das ist natürlich in Wirklichkeit auch ein peinlicher Vorgang"."
Dann gucken wir uns diese ominösen Umschläge doch mal genauer an. Sie kommen in vielen amtlichen Zustellungen zum Einsatz. Bei Pfändungsbeschlüssen, bei Einladungen zu Gerichtsterminen und eben auch bei der Aufforderung zum Haftantritt. Wie beim Einschreiben wird durch den Umschlag festgehalten, dass der Betroffene den Brief auch wirklich erhalten hat.
"Für den sofortigen Strafantritt beispielsweise Oder wenn etwas besonders Nachdruck bekommen soll, dann ist die förmliche Zustellung kraft Gesetzes unbedingt erforderlich. Dann brauchen wir also diese Umschläge."
Heißt, es mussten Haftantritte verschoben werden, auch wenn die Staatsanwaltschaft nicht sagt, wie viele:
"Wir können davon ausgehen, dass diese Rückstände aufgearbeitet werden, geworden sind."
Stellt sich die Frage: Warum wurden die Briefe denn knapp? Tatsächlich gab es eine Änderung der ZUSTELLUNGSDRUCKVERORDNUNG. Konkret: Ein zusätzliches Ankreuzfeld. Deshalb durften ältere Umschläge ab dem 1. August nicht mehr benutzt werden. ABER: Es gab eine Übergangsfrist von einem Jahr und vier Monaten! Sollte doch für die Anschaffung reichen, oder?
"Wir hatten für die Vollstreckung unserer wichtigen Einheit eine Monatsration rechtzeitig ausgeliefert. Wir dachten, die hält dicke einen Monat, weil wir ja einen Ferienmonat haben. Tatsächlich war aber schon Mitte August neigten sich die Vorräte dem Ende."
Naja. Die gute Nachricht: Die richtig schweren Verbrecher, also Mörder und co. Sind in Untersuchunghaft. Da funktioniert der Haftantritt auf dem kurzen Dienstweg und ohne Gelbe Briefe. Bei den andern lautet das Urteil dagen:
"Deutsche Bürokratie."
Oder wie man in der Hauptstadt sagt: Dit is Berlin.