Live-Ticker zum Anschlag auf Berliner CSDMutmaßlicher Attentäter soll im Knast den religiösen Anführer gespielt haben

von Lea Haberbosch, Denise Gatzweiler, Samina Faizi, Camilla Koziol, Sebastian Fuhrmann, Roger Saha, Nele Balgo, Doro Steitz und Dimitri Blinski

Horror beim CSD in Berlin!
Am Samstagabend ist ein weißer Mini-Van durch den Großen Tiergarten in eine Menschenmenge gerast. Es gibt mindestens eine Tote und 29 Verletzte. Der Attentäter kann fliehen. Am Sonntagabend gelingt der Polizei in Berlin-Spandau dann der Zugriff - bei dem der mutmaßliche Attentäter stirbt.

Anschlag auf CSD in Berlin: Hier im Live-Ticker die Entwicklung verfolgen

Wichtige Updates
Lynn Michel

Abdul Ballout soll sich im Gefängnis als religiöser Anführer inszeniert haben 

Der mutmaßlichen CSD-Attentäter soll sich während seiner Haft im Berliner Jugendgefängnis als religiöser Anführer inszeniert haben. Das berichtet die Bild unter Berufung auf interne Justiz-Unterlagen.

Demnach habe Ballout fünfmal täglich gebetet und fast täglich versucht, Mitgefangene zum Beten zu bewegen. Aus Sorge vor einer Radikalisierung anderer Häftlinge sei er im Dezember von seinen Mitinsassen getrennt untergebracht worden. In einer internen Bewertung werde sein Auftreten ab Januar 2026 als „stark salafistisch geprägt“ beschrieben. Eine Abkehr von seiner extremistischen Haltung sei nicht erkennbar gewesen.

Auch nach seiner Haftentlassung soll Ballout unter Beobachtung der Sicherheitsbehörden gestanden haben. Laut den Unterlagen habe er weiterhin Kontakt zu ehemaligen Mitgefangenen gehalten und dabei die Rolle eines religiösen Mentors eingenommen. Bei einem überwachten Besuch vor der Jugendstrafanstalt im Juni soll er mit Insassen telefoniert und gemeinsam mit ihnen ein Gebet abgehalten haben.
Lynn Michel

Warschauer Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen

Nach dem tödlichen Anschlag am Rande des Christopher Street Days hat nun auch die polnische Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen. Das teilte die Behörde auf der Plattform X mit. Demnach gehe es um ein Verbrechen, das nach polnischem Recht mit lebenslanger Haft bestraft werden könne.
Bei dem Anschlag war eine 65-jährige Frau aus Warschau getötet worden. Sie hatte den CSD am Samstag (25. Juli) gemeinsam mit ihrer Tochter besucht, als der mutmaßliche Attentäter Abdul B. mit einem Transporter in eine Menschenmenge fuhr. Die Frau starb noch am Tatort.
Lynn Michel

BKA: 410 islamistische Gefährder in Deutschland

In Deutschland gelten Hunderte Menschen als so gefährlich, dass ihnen Anschläge zugetraut werden - die mit Abstand größte Gruppe davon bilden Islamisten. Die Behörden betonen jedoch, dass die reine Anzahl nur bedingt aussagekräftig ist.

Das Bundeskriminalamt (BKA) betrachtet laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) derzeit 410 Menschen als islamistische Gefährder. Diese seien dem Bereich des islamistischen Terrorismus/Extremismus zuzuordnen. Hinzu kämen 65 Gefährder im Bereich Rechtsextremismus und 17 Gefährder im Bereich Linksextremismus. Die Zahlen spiegeln den Stand 1. Juli 2026 wider. Als Gefährder gelten Menschen, denen größere Gewalttaten wie Anschläge zugetraut werden.

Die Gründe für eine Ein- oder Ausstufung von Gefährdern durch die Polizeien der Bundesländer seien vielfältig und unterlägen jeweils einer Einzelfallbetrachtung, erläuterte das BKA dem RND-Bericht zufolge. Bei der Anzahl der Gefährder gebe es folglich Schwankungen. Sie gebe als alleiniges Kriterium keinen Aufschluss über die Gefährdungslage.
Camilla Koziol

Mahnwachen nach dem Angriff auf den Berliner CSD 

Nach dem Terroranschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben Menschen im Nordwesten ein Zeichen gegen Hass und Gewalt gesetzt. Hunderte Teilnehmer kamen in Bremen und Hannover zu den abendlichen Mahnwachen, wie die Polizei bestätigte. "Es ist eine Gelegenheit für Menschen, ihre Trauer zu bekunden und zu verarbeiten", sagte Robert Dadanski, Vorstandsmitglied des Bremer CSD. 

Was in Bremen und Hannover geplant ist

Auf den Bremer Marktplatz kamen etwa 550 Menschen, mehrere Reden waren geplant. "Die Mahnwache ist ein Ort des Gedenkens, des Zusammenhalts und der Hoffnung", kündigten die Organisatoren an. "Gemeinsam zeigen wir: Unsere Gesellschaft ist stärker als Hass."

Die Stadt Hannover lud zu einer Mahnwache auf den Platz der Weltausstellung ein, dort fanden sich laut Polizei rund 500 Menschen ein. "Hass und Einschüchterung dürfen niemals die Oberhand gewinnen", betonte Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne), der bei der Mahnwache eine Rede halten wollte. "Hannover steht an der Seite aller Menschen, die sich für Vielfalt, Menschenrechte und ein friedliches Miteinander einsetzen."

Schon am Wochenende erinnerten zahlreiche Menschen im Nordwesten an die Opfer des Anschlags - etwa in Hannover, Braunschweig, Göttingen und Oldenburg.

Am Samstag hatten hunderttausende Menschen unter dem Motto „Haltung ist hot” am Christopher Street Day in Berlin teilgenommen. Die jährlich organisierten CSD-Kundgebungen erinnern an den 28. Juni 1969, als die Polizei die Schwulenbar „Stonewall Inn” in der Christopher Street New York stürmte. Es folgten tagelange gewaltsame Auseinandersetzungen mit Aktivsten, die als Geburtsstunde der modernen Schwulen- und Lesbenbewegung gelten.