Vertrauen im Sinkflug! Die Boeing-Akte: Warum die Probleme einfach kein Ende nehmen
„Würden dann nicht in eine Boeing steigen ...”
Zunächst hatten viele Internet-Nutzer das Video für einen KI-Fake gehalten, doch falsch gedacht! Tatsächlich knickt am Donnerstag (4. Juni) plötzlich das Bugfahrwerk einer Boeing 787-9 von Lufthansa weg, während das Flugzeug an einem Gate am Frankfurter Flughafen steht. Die Folge: Mehrere Menschen werden verletzt und das Vertrauen in den Flugzeughersteller sinkt noch mehr.
„Wir schauen aber schon, ob der Flieger von Boeing oder Airbus ist”
Als wir uns nach dem Zwischenfall am Frankfurter Flughafen umhören, wird deutlich: Das Ansehen von Boeing hat in den letzten Jahren massiv gelitten. Ein Paar gibt im Interview sogar zu: „Wir schauen aber schon, ob der Flieger von Boeing oder Airbus ist, fairerweise. Und das war heute wieder ein Boeing-Flieger deswegen. Also wir kontrollieren das vorher schon und würden dann nicht in eine Boeing steigen.”
Denn es ist nicht das erste Mal, dass Boeing mit einem erschreckenden Vorfall in den Schlagzeilen landet, wie wir euch auch im Video oben zeigen.
Immer wieder macht Boeing Negativ-Schlagzeilen
Die wohl erschreckendsten Nachrichten rund um den Flugzeugbauer Boeing erreichten uns Ende 2018, Anfang 2019. Innerhalb weniger Monate stürzten zwei Flugzeuge des Typs 737 Max ab. Erst 2017 wurde das erste Flugzeug dieser Baureihe ausgeliefert. Auf die Abstürze folgte ein globales Flugverbot für 737-Max-Flugzeuge, das erst im Januar 2021 wieder aufgehoben wurde, nachdem umfangreiche Soft- und Hardware-Anpassungen vorgenommen wurden. Doch auch danach kam es immer wieder zu Zwischenfällen mit Flugzeugen aus dem Hause Boeing:
29. Oktober 2018: Der Lion Air-Flug 610 (Boeing 737 Max 8) stürzt auf dem Weg vom Flughafen Soekarno-Hatta in Jakarta zum Depati Amir Airport in Pangkal Pinang ab. Alle 189 Insassen kommen dabei ums Leben.
10. März 2019: Der Ethiopian Airlines-Flug 302 (Boeing 737 Max 8) stürzt auf dem Weg vom Flughafen Addis Abeba in Äthiopien zum Flughafen Jomo Kenyatta International in Nairobi ab. Alle 149 Insassen kommen dabei ums Leben.
5. Januar 2024: Bei dem Alaska Airlines-Flug 1282 fällt im Steigflug eine Notausgangstür aus dem Rumpf der Boeing 737 Max 9. Es folgt ein vorübergehendes Flugverbot für diesen Flugzeugtyp in den USA.
7. März 2024: Eine Boeing 777 von United Airlines verliert im Steigflug plötzlich ein Rad.
Und nun der Vorfall am Frankfurter Flughafen mit einem naheu nagelneuen Boeing-Flugzeug.
Whistleblower kritisieren Fertigungs- und Sicherheitsprozesse bei Boeing
Die Vorfälle sind jedoch nur das Eine. Zudem geriet Boeing durch die Aussagen verschiedener ehemaliger Mitarbeiter in die Kritik, die die Fertigungs- und Sicherheitsprozesse bei dem Flugzeug-Riesen kritisierten. Einer von ihnen war John Barnett (†62). Der ehemalige Qualitätsmanager von Boeing hatte in den Jahren vor seinem Tod 2024 viele Bedenken in Hinblick auf seinen ehemaligen Arbeitgeber publik gemacht und auch gegen Boeing ausgesagt.
Lese-Tipp: Boeing-Whistleblower (†62) plötzlich tot – kurz bevor er noch mal aussagen sollte
Unter anderem hatte er Probleme mit Sauerstoffmasken kritsiert und angegeben, dass die Mitarbeiter des Flugzeuggiganten so sehr unter Druck stünden, dass sie versehentlich grobe Fehler machen. Sie sollen aber auch absichtlich minderwertige Teile, die in den Schrott gehören, in die Flugzeuge einbauen. Boeing hatte die Vorwürfe bestritten.
Auch der Boeing-Ingenieur Sam Salehpour sagte 2024 in einem Ausschuss gegen Boeing aus. Wie die Welt damals schrieb, habe sich Salehpur firmeninterne Daten angeschaut und sei zu dem Fazit gekommen, dass „das Unternehmen Abkürzungen bei der Produktion im 787-Programm nimmt, die die Sicherheit und Lebensdauer des Flugzeugs erheblich mindern können“. Als er seine Erkenntnis ansprach, habe man ihn gefragt, ob er „drinnen oder draußen” sei, also ob er Teil des Teams sei oder nicht. „Die bringen defekte Flugzeuge heraus“, war sich der Ingenieur vor dem Ausschuss sicher. Boeing hingegen habe laut der Welt betont, dass ein solcher Umgang mit den Mitarbeitern veboten sei und dass man seine Mitarbeiter vielmehr dazu ermutige, Dinge zur Sprache zu bringen.
Lufthansa hat einen Krisenstab eingerichtet
Warum es am Donnerstag in Frankfurt zu besagtem Zwischenfall mit einer Boeing 787-9 kam, ist bisher noch nicht geklärt. Die genauen Umstände würden gemeinsam mit den zuständigen Stellen geprüft, sagte ein Lufthansa-Sprecher zu RTL. Man habe einen Krisenstab eingerichtet.
Verwendete Quelle: Welt, eigene RTL-Recherche


