Als CDU-Politiker spricht er sich dagegen ausSpahn nutzt Leihmutterschaft: Ist das Doppelmoral oder seine Privatsache?

Jens Spahn und Daniel Funke sind Eltern geworden.
Jens Spahn und Daniel Funke sind Eltern geworden.
Instagram/daniel_f_punkt
von Camilla Koziol

Hat er mit zweierlei Maß gemessen?
Jens Spahn ist Vater geworden – und löst damit eine Debatte aus, die weit über sein Privatleben hinausgeht. Denn der CDU-Politiker und sein Ehemann sollen ihren Kinderwunsch mithilfe einer Leihmutter erfüllt haben. Das ist rechtlich möglich, wenn die Leihmutterschaft in einem anderen Staat durchgeführt wurde. In Deutschland hingegen ist sie verboten. Die interessante Frage ist hier: Darf ein Politiker privat einen Weg gehen, den er politisch für andere ablehnt?

Spahn hat sich wiederholt gegen die Legalisierung der Leihmutterschaft ausgesprochen

Spahns Position entsprach stets der Linie vieler Unionspolitiker, die ethische Bedenken in den Vordergrund stellen. Kritiker sehen darin nun einen offensichtlichen Widerspruch: Politisch lehnt Spahn eine Praxis ab, privat hat er sie offenbar selbst genutzt.
Genau darin liegt der Kern des Vorwurfs. Es geht weniger darum, dass Spahn Vater geworden ist oder dass gleichgeschlechtliche Paare einen Kinderwunsch haben. Vielmehr lautet die Kritik, dass er von einer Möglichkeit profitiert habe, die er anderen in Deutschland nicht zugänglich machen möchte. Für viele ist das ein klassischer Fall von Doppelmoral.

Lese-Tipp: Kritik an Jens Spahn wegen Leihmutter-Baby – erste Parteifreunde fordern Rücktritt

Die Gegenposition: Rechtlich zulässig – und menschlich nachvollziehbar

Spahns Unterstützer sehen die Sache differenzierter. Sie verweisen darauf, dass Leihmutterschaft im Ausland in einigen Ländern legal geregelt ist und Spahn damit nach geltendem Recht gehandelt habe. Zudem bedeute die Ablehnung einer Legalisierung in Deutschland nicht zwangsläufig, dass jemand jede Form der Leihmutterschaft weltweit ablehnen müsse.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Stimmt ab!

Hinzu kommt ein persönlicher Aspekt: Der Wunsch nach einem eigenen Kind ist für viele Menschen existenziell. Auch Politiker stehen mitunter vor Situationen, in denen persönliche Erfahrungen ihre politischen Überzeugungen herausfordern. Manche ändern daraufhin ihre Haltung, andere halten an ihr fest – obwohl sie selbst eine Ausnahme für sich in Anspruch nehmen.

Kaum ein bioethisches Thema wird so kontrovers diskutiert wie die Leihmutterschaft. Gegner warnen vor einer Kommerzialisierung des weiblichen Körpers, möglichen Abhängigkeitsverhältnissen und der Gefahr, dass wirtschaftlich benachteiligte Frauen aus finanzieller Not als Leihmütter auftreten. Auch das Kindeswohl und die Frage, ob Fortpflanzung zur Dienstleistung werden dürfe, spielen in der Debatte eine zentrale Rolle.

Lese-Tipp: Leihmutterschaft in der Ukraine – Susanne und Frank und das Baby einer wildfremden Frau

Befürworter argumentieren dagegen mit reproduktiver Selbstbestimmung, modernen Familienmodellen und dem berechtigten Kinderwunsch von Paaren, die auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können – darunter auch viele homosexuelle Paare.
Gerade weil diese Fragen tief in ethische Grundüberzeugungen eingreifen, wird Spahns private Entscheidung zwangsläufig auch politisch bewertet.

Droht Jens Spahn ein politischer Schaden?

Ob die Affäre Spahn nachhaltig schadet, hängt weniger von der Leihmutterschaft selbst ab als von der Frage seiner Glaubwürdigkeit. In der Politik sind Widersprüche nicht ungewöhnlich. Problematisch werden sie vor allem dann, wenn der Eindruck entsteht, für sich selbst andere Maßstäbe anzulegen als für die Allgemeinheit.

Streaming-Tipp: Leihmutterschaft! Kinder machen ohne Sex - Dein Kinderwunsch-Podcast auf RTL+ streamen

Innerhalb der CDU dürfte der Fall unterschiedlich bewertet werden. Konservative Stimmen könnten Spahns Vorgehen kritisch sehen, während andere den privaten Kinderwunsch stärker gewichten. Ein unmittelbares politisches Karriere-Ende erscheint derzeit dennoch wenig wahrscheinlich. Zu häufig haben Politiker größere Kontroversen überstanden, wenn keine Rechtsverstöße oder Täuschungen im Raum standen.

Entscheidend ist jetzt, wie Spahn seinen Schritt begründet

Ob Öffentlichkeit und die CDU Spahn den offensichtlichen Widerspruch verzeihen, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie offen er damit umgeht. Politisch riskant wäre es, den Konflikt zwischen seiner früheren Haltung und seinem privaten Handeln kleinzureden. Glaubwürdiger könnte es wirken, die Spannung offen anzuerkennen und zu erklären, warum er sich persönlich dennoch für diesen Weg entschieden hat.

Am Ende dürfte deshalb weniger die Frage im Mittelpunkt stehen, ob Jens Spahn Leihmutterschaft genutzt hat. Viel entscheidender ist, ob ein Politiker überzeugend begründen kann, warum für ihn persönlich möglich war, was er politisch weiterhin nicht zulassen möchte. Genau an dieser Frage wird sich entscheiden, ob die Debatte als nachvollziehbarer persönlicher Konflikt wahrgenommen wird – oder als Beispiel politischer Doppelmoral.

Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche