Prognose verdoppeltGute Nachrichten! Deutsche Wirtschaft wächst deutlich stärker als erwartet

Thüringens Regierung muss in diesem Jahr noch viel Geld einsparen (Illustration).
Die deutsche Wirtschaft verzeichnet wohl einen ordentlichen Anstieg (Symbolbild).
Monika Skolimowska/dpa

Doch der Anstieg steht auf wackligen Beinen!
Die deutsche Wirtschaft könnte deutlich stärker wachsen als bisher angenommen. Führende Forschungsinstitute verdoppeln in ihrer Herbstprognose die Wachstumserwartung für das laufende Jahr auf 1,3 Prozent.

Wirtschaftsinstitute verdoppeln ihre Konjunkturprognose

Die deutsche Wirtschaft zieht aus Sicht führender Forschungsinstitute deutlich an. Im laufenden Jahr erwarten die Institute einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,3 Prozent. In ihrem Frühjahrsgutachten hatten die Institute noch mit einem Plus von 0,6 Prozent gerechnet. „Der Aufschwung steht jedoch auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten”, warnte der Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller.

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Die Folgen des Iran-Kriegs und die stark gestiegenen Energiepreise hatten die Konjunktur zunächst deutlich gedämpft. In der Frühjahrsprognose hatten die Wirtschaftsinstitute noch vor einem „Energiepreisschock” gewarnt. Dieser fiel infolge des Iran-Kriegs jedoch geringer aus als zunächst befürchtet.

Die Erholung werde zudem von einer Belebung der Exporte sowie der expansiven Finanzpolitik der Bundesregierung mit den schuldenfinanzierten Töpfen für Infrastruktur und Verteidigung getragen. Ein andauernder Boom rund um Künstliche Intelligenz (KI) konnte demnach zusätzliche Impulse bringen.

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Institute erwarten bessere Zahlen für 2027

Die Institute erwarten, dass die deutsche Wirtschaft auch im kommenden Jahr etwas an Dynamik gewinnt. Der private Konsum dürfte anziehen, genauso wie der Wohnungsbau. Für 2027 rechnen sie deshalb mit einem BIP-Wachstum von 1,1 Prozent. Bislang hatten sie ein Plus von 0,9 Prozent erwartet.

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Der Aufschwung dürfe allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft fortbestehen. Die Kapazitäten der Unternehmen könnten zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Nach Einschätzung der Institute bleibt die deutsche Wirtschaft in den kommenden Jahren leistungsschwach. Für 2028 prognostizieren die Experten ein Wachstum von 0,4 Prozent.

Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose wird erstellt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, dem Ifo-Institut, dem Kiel Institut für Weltwirtschaft, dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle und dem RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen.

Friedrich Merz sieht Anzeichen für wirtschaftliche Erholung

Auch andere Konjunkturexperten hatten ihre Erwartungen zuletzt nach oben korrigiert. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet für das laufende Jahr mit einem Wachstum von 1,1 Prozent in Deutschland. Ihre aktuelle Prognose liegt damit 0,4 Prozentpunkte über der Schätzung vom Juni. Für 2027 erwartet die OECD ebenfalls ein Plus von 1,1 Prozent. Wegen des Konflikts im Nahen Osten sei der Ausblick allerdings mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum von einem Prozent. Zuvor hatte er 0,6 Prozent erwartet. Rückenwind komme vor allem vom Geschäft mit europäischen Partnern sowie von den staatlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Die privaten Investitionen blieben dagegen schwach. Der BDI forderte die Bundesregierung deshalb auf, die angekündigten Reformen umzusetzen.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung. „Wir sind raus aus diesem Tal einer schrumpfenden oder stagnierenden Volkswirtschaft”, sagte Merz vergangene Woche. Zugleich betonte er, dass Reformen notwendig seien. (sfu/fkl/dpa)

Verwendete Quellen: dpa