Seit kurz vor Weihnachten auf der IntensivstationFehler bei Herztransplantation – Mutter bangt um ihren „kleinen Krieger”

Die Mutter des kleinen Jungen läuft mit einem Kuscheltier zur Klinik.
Seit kurz vor Weihnachten liegt ihr „kleiner Krieger” auf der Intensivstation.
picture alliance/Zumapress/Kontrolab

Ganz Italien fiebert mit ihm mit!
Nach einer völlig misslungenen Transplantation wartet ein Zweijähriger in Neapel dringend auf ein Ersatzorgan. Gesucht wird in ganz Europa. Auch seine Mutter gibt nicht auf und will für ihren „kleinen Krieger” kämpfen.

Zweijähriger braucht nach Transplantations-Pfusch dringend ein neues Spenderherz

Auf der Intensivstation des Ospedale Vincenzo Monaldi in Neapel liegt seit kurz vor Weihnachten ein kleiner Junge, noch keine zweieinhalb Jahre alt. Wie der kleine Junge heißt, ist nicht wirklich bekannt. Meist wird er von den Zeitungen Domenico genannt, manchmal auch Francesco oder Tommasino.

Was man weiß: Der Knirps kam mit einem schweren Herzfehler zur Welt, wird nur noch von einer speziellen Maschine – eine Art künstlicher Lunge und Herz – am Leben gehalten. Beim Versuch, ihm ein Spenderherz einzupflanzen, wurde offensichtlich ein furchtbarer Fehler gemacht. Jetzt liegt er seit bald 60 Tagen im Koma. Die Ärzte beschreiben seinen Zustand als „sehr kritisch“.

Mutter bittet Papst um Hilfe: „Ich gebe nicht auf“

Die Mutter des Jungen, Patrizia Mercolino, ist im italienischen Fernsehen jetzt täglich zu sehen. Den Namen ihres Sohnes will die Mutter nicht verraten. Sie nennt ihn „kleinen Krieger”. Zum Valentinstag brachte sie einen riesigen Plüschbären in die Klinik. Mit Vorwürfen gegen die behandelnden Ärzte hält sie sich zurück. In ihren Interviews beteuert sie immer wieder: „Ich gebe nicht auf. Ich verliere auch nicht die Hoffnung.” In ihrer Not bat sie sogar Papst Leo XIV. um Hilfe.

Die Ärzte sind sich uneins, ob der Junge gerettet werden kann. Das renommierte Vatikan-Kinderkrankenhaus Bambino Gesù in Rom kam zu der Diagnose, dass er wegen des sehr hohen Risikos eines Multiorganversagens „nicht mehr transplantierbar” sei. Bei längerer ECMO-Behandlung können schwere Infektionen sowie Schäden an Lunge, Leber und Nieren auftreten. Manche Ärzte halten 60 Tage für die Obergrenze.

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Auch die Ministerpräsidentin schaltet sich ein

Das Schicksal des Jungen bewegt inzwischen die gesamte Nation, bis hinauf in die Regierung. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni rief die Mutter an, um größtmögliche Unterstützung zuzusichern. In ganz Europa wird nun dringend nach einem neuen Spenderherz gesucht. Viel Zeit bleibt wohl nicht. Auch die Einflussmöglichkeiten von Regierungen sind in solchen Fällen begrenzt.

Dabei hatte es vor Weihnachten noch so ausgesehen, als ob das Drama ein glückliches Ende nehmen könnte. Am 22. Dezember, nach vielen Monaten des Wartens, kam die Nachricht, dass ein Herz gefunden sei. In Südtirol war ein anderer Junge, vier Jahre alt, gleiche Blutgruppe, in einem Schwimmbad ertrunken.

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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sechs Verdächtige

Daraufhin machte sich ein Team auf den Weg ins 800 Kilometer entfernte Bozen, um das Ersatzorgan abzuholen. Auf dem Flug zurück kam es zu dem schwerwiegenden Fehler: Das Spenderherz wurde nach allen bisherigen Erkenntnissen nicht wie üblich in herkömmlichem Eis transportiert, sondern kam mit deutlich kälterem Trockeneis in Kontakt: etwa 80 Grad minus statt vier Grad plus. Dadurch sei es „buchstäblich erfroren“, heißt es.

Das schwerbeschädigte Organ wurde trotzdem transplantiert: Die Ärzte in Neapel hatten dem Jungen das eigene Herz schon entnommen. Weil er so jedoch nicht überlebensfähig war, wurde er an die Maschine gehängt. Den Eltern sagte man, dass die Transplantation misslungen sei – mehr nicht. „Wir haben alles erst aus den Zeitungen erfahren“, klagt Patrizia Mercolino. Inzwischen wird gegen sechs Ärzte und Sanitäter ermittelt. Die Kühlbox wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt.

Allein in Deutschland warten 1.100 Menschen auf ein Herz

Die Monaldi-Klinik hingegen meint, eine nochmalige Transplantation sei möglich – falls rechtzeitig ein neues Kinderherz gefunden wird. Das Herz eines Erwachsenen wäre zu groß. Am Dienstagabend kam neue Hoffnung auf: Irgendwo in Italien ist ein drei Jahre alter Junge an Leukämie gestorben. Die Eltern stellen sein Herz zur Verfügung. Nach Informationen der Zeitung La Repubblica hat es jedoch eine andere Blutgruppe. Jetzt muss entschieden werden, ob es der Junge in Neapel bekommt oder ein anderes Kind.

Aktuell sind in Europa mehr als 13.000 Menschen dringend auf ein neues Organ angewiesen. Allein in Deutschland warteten nach Angaben der Stiftung Organtransplantation zum Jahresende mehr als 1.100 Menschen auf ein Spenderherz. Genaue Zahlen, wie viele Kinder darunter sind, liegen nicht vor.

„Komm schon, kleiner Krieger: Du bist nicht allein“

Zu den Überlegungen in Neapel gehört auch, ein sogenanntes Berliner Herz zu verwenden – eine Pumpe, die das Blut aus dem kaputten Herzen durch den Körper pumpt, bis ein Spenderherz gefunden ist. „Wenn alles gut läuft, kann ihn das retten”, sagt der Leiter der Kinderherzchirurgie der Universitätsklinik Gießen, Hakan Atintürk. „Man kann damit zwei Jahre überbrücken – wenn es keine Komplikationen gibt.“

Vor dem Monaldi-Krankenhaus versammeln sich die Leute nun abends zum Gebet. Bilder davon sind im Internet zu sehen. Einer schrieb dazu: „Forza, piccolo guerriero: non sei solo.“ Auf Deutsch: „Komm schon, kleiner Krieger: Du bist nicht allein.“ (jow)

Verwendete Quellen: dpa