Neue Aufnahmen aufgetaucht Häftling in Essen befreit! Ist das einer der Fluchthelfer?

von Mirijam Pekeler, Valerio Magno und Johanna Grewer

Zwei bewaffnete Maskierte überfallen Justizbeamte – und plötzlich ist ein Häftling auf freiem Fuß!
Mitten in Essen befreien Unbekannte den 34-jährigen Dijvar Gündüz bei einem Arzttermin. Jetzt zeigt eine Handyaufnahme möglicherweise einen der Fluchthelfer. Und immer mehr brisante Details kommen ans Licht.

Handyvideo zeigt möglichen Fluchthelfer aus Essen

Ist das einer der Männer, die einen Häftling mitten in Essen befreit haben? Eine Handyaufnahme eines Augenzeugen zeigt eine Person, bei der es sich möglicherweise um einen der beiden Fluchthelfer handelt. Ob der Mann auf dem Video tatsächlich an der Tat beteiligt war, ist bislang nicht bestätigt.

Die spektakuläre Gefangenenbefreiung ereignet sich am Mittwoch (14. Oktober) gegen 12.45 Uhr am Kennedyplatz in der Essener Innenstadt. Zwei Justizvollzugsbeamte begleiten den Untersuchungshäftling Dijvar Gündüz (34) zu einem Termin in einer Radiologiepraxis. Der Gefangene trägt Hand- und Fußfesseln, seine Bewacher sind bewaffnet. Doch plötzlich geraten die Beamten selbst in eine gefährliche Situation.

Wer kann Angaben zum Aufenthaltsort des entwichenen Strafgefangenen machen?
Wer kann Angaben zum Aufenthaltsort des entwichenen Strafgefangenen machen?
Polizei Essen

Maskierte überwältigen Justizbeamte im Treppenhaus

Im Treppenhaus werden die beiden Beamten von zwei maskierten und bewaffneten Männern überrascht. Einer der Angreifer bedroht sie nach dpa-Informationen mit einer Schusswaffe, während der zweite von hinten auftaucht.

Besonders brisant: Einer der Justizbeamten zieht offenbar seine Dienstwaffe und betätigt sogar den Abzug! Doch es löst sich kein Schuss. Nach derzeitigem Ermittlungsstand war die Waffe vermutlich nicht durchgeladen. Einer der Angreifer schlägt sie dem Beamten anschließend aus der Hand.

Lese-Tipp: Mit E-Scooter abgehauen?! – Polizei warnt vor bewaffneten Tätern

Die Täter überwältigen die beiden Männer und fesseln sie an ein Treppengeländer. Anschließend öffnen sie mit einem Schlüssel die Fesseln des 34-jährigen Gefangenen. Alle drei fliehen in unterschiedliche Richtungen. Laut der Fahndungsmeldung der Polizei NRW entkommt Gündüz auf einem E-Scooter. Die beiden Justizbeamten bleiben unverletzt.

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Dijvar Gündüz auf der Flucht – Polizei warnt

Seit der Befreiung fehlt von Dijvar Gündüz und seinen beiden mutmaßlichen Helfern jede Spur. Der 34-Jährige saß wegen des Verdachts auf Drogendelikte und gefährliche Körperverletzung in Untersuchungshaft. Die Fahnung läuft. Die Behörden schließen nicht aus, dass der Gesuchte und seine Helfer bewaffnet sind. Wer den 34-Jährigen entdeckt, soll ihn deshalb keinesfalls selbst ansprechen, sondern sofort die Polizei verständigen.

Wie konnten die Täter wissen, wann und wo sich der Häftling aufhalten würde? Nach Angaben des NRW-Justizministeriums erfuhr Gündüz erst am Abend vor dem Arzttermin davon. Strafvollzugsexperte und Rechtsanwalt Dr. Thomas Galli erklärt im RTL-Interview, dass solche Termine möglichst kurzfristig angekündigt werden sollten, damit Gefangene keine Komplizen außerhalb der Haftanstalt informieren können. Allerdings gebe es in Gefängnissen auch illegale Handys, über die sich Inhaftierte möglicherweise mit der Außenwelt verständigen könnten.

Ob die Befreiung auf diese Weise vorbereitet wurde, ist bislang völlig offen. Das Justizministerium lässt inzwischen sämtliche Abläufe überprüfen.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, dpa, Polizei