Nachbarin ahnte nicht, dass nebenan eine Leiche zersägt wird „Die Säge schreit” – das passierte vor zehn Jahren im Horrorhaus von Höxter

Jonas Güttler
Das damalige Wohnhaus des beschuldigten Ehepaares in Höxter-Bosseborn. Foto: Jonas Güttler/dpa/Archivbild
deutsche presse agentur

„Das ist doch nichts Menschliches mehr.“
Auch Jahre nach dem Verbrechen fällt es Hiltrud Ostermann schwer, Worte für das zu finden, was im Haus nebenan passiert ist. In der True Crime-Show „Mörderische Frauen: Töten aus Lust“ erzählt die Anwohnerin aus Höxter, was sie damals von Wilfried W. und Angelika W. mitbekommen hat.

2016 kommt ans Licht, was in Höxter passiert ist

„Das Haus war genau wie jedes andere auch“, erinnert sich die Nachbarin. Zumindest nach außen wirkt das Paar in der Nachbarschaft völlig unauffällig. „Er war immer akkurat angezogen“, sagt die Nachbarin über Wilfried W. „Angelika machte mir manches Mal einen bisschen sturen Eindruck.“ Man habe sich gegrüßt, mehr sei da nicht gewesen. Aber was sich hinter verschlossenen Türen abspielt, ist entsetzlich.

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Als sie 2016 nach und nach aus der Presse erfährt, was auf dem Nachbargrundstück passiert sein soll, kann sie es kaum glauben. „Es war wirklich schlimm“, sagt Ostermann. „Man konnte es nicht fassen, dass es so menschliche Abgründe gibt.“ Hiltrud Ostermann hätte sofort die Polizei gerufen, wenn sie etwas Verdächtiges gehört oder gesehen hätte, sagt sie. Aber sie habe nichts Auffälliges bemerkt. „Ich habe da nie Frauen gesehen“, beteuert sie.

Zwei Frauen sterben durch die Misshandlungen im Horrorhaus von Höxter

Wilfried W. und Angelika W. sollen immer wieder Frauen mit Kontaktanzeigen in ihr Haus gelockt haben. Eine davon ist Anika W., die Wilfried im Herbst 2013 sogar heiratet. Sie wird unter Druck gesetzt, gequält und misshandelt, bis sie im Sommer 2014 völlig entkräftet durch einen Sturz so schwer verletzt wird, dass sie stirbt.

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Um den Tod der 33-Jährigen zu vertuschen, zerteilt das Paar die Leiche in Stücke und lagert sie in der Gefriertruhe. Als es dann kalt wird, verbrennt es die Leichenteile nach und nach im Ofen. Die Knochenreste und Zähne des Opfers, die nicht verbrennen, zerkleinern und verstreuen die beiden mit Asche vermischt im Winter entlang der örtlichen Landstraße.

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Nachbarin wundert sich über Sägelärm

Hiltrud Ostermann erinnert sich in der Doku, dass sie in dem Sommer oft die Kreissäge im Nachbarhaus hört. Sie habe damals oft gedacht, „die Säge schreit“. Das sage man bei ihnen, wenn eine Säge stumpf ist und darum mehr Lärm mache als sonst. Doch statt Brennholz wird etwas ganz anderes nebenan zersägt, wie die Nachbarin später erfährt. „Dann hat man gehört… Knochen von einer Frau“, sagt sie fassungslos.

Lese-Tipp: Urteil im Höxter-Prozess: 13 Jahre Gefängnisstrafe für Angelika W. und elf Jahre für Wilfried W.

Im April 2016 fällt das Paar der Polizei auf, als es versucht, Susanne F., ein weiteres Opfer, zurück in ihre Wohnung zu bringen. Auch sie wurde wochenlang gefangen gehalten und gequält. Als das Paar merkt, dass auch sie sterben könnte, will es die Frau schnell aus dem Haus schaffen, doch es hat unterwegs eine Autopanne und ist gezwungen, einen Krankenwagen zu rufen. Doch auch für Susanne F. kommt jede Hilfe zu spät. Sie stirbt später im Krankenhaus an den Folgen ihrer Misshandlungen.

Hildruth Ostermann lebt direkt neben dem Horrorhaus von Höxter.
Hildrud Ostermann lebt direkt neben dem Horrorhaus in Höxter.
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Inzwischen gibt es das Haus in Höxter nicht mehr

Das Haus, in dem die Taten passiert sind, wurde inzwischen abgerissen. Die Stadt Höxter kaufte das Grundstück im Stadtteil Bosseborn und ließ das sogenannte „Horrorhaus“ beseitigen. Angelika W. wird 2018 vom Landgericht Paderborn zu 13 Jahren Haft wegen Mordes durch Unterlassen verurteilt. Ihr Ehemann Wilfried W. bekommt elf Jahre, wird aber zunächst in der Psychiatrie untergebracht. Später wechselt er in den normalen Strafvollzug. Ein Gericht ordnet 2023 an, dass er nach Verbüßung seiner Strafe in Sicherungsverwahrung muss, weil er immer noch als gefährlich gilt.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen, „Mörderische Frauen: Töten aus Lust“