Vater schildert letztes Gespräch mit Abdul B.„Ich habe ihm nicht erlaubt, einen langen Bart zu tragen“

„Wir haben gesprochen wie jeden Tag.“
Mit diesen Worten beschreibt der Vater von Abdul B. (21) das letzte Telefonat mit seinem Sohn. Wenige Stunden später soll der 21-Jährige am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin einen Transporter in eine Menschenmenge gelenkt haben. Eine Frau stirbt, 29 Menschen werden verletzt. Im Gespräch mit dem Spiegel schildert der Vater, wie er die Stunden vor der mutmaßlichen Tat erlebt hat.
Letzte Nachricht von Abdul B. kam um 21.53 Uhr
Tawfik B. hält sich derzeit im Libanon auf, als ihn die Nachricht von der mutmaßlichen Tat seines Sohnes erreicht. Dem Spiegel erzählt der 64-Jährige, Abdul B. habe ihn am Samstag (25. Juli) noch angerufen. „Er sagte, dass er mich vermisst und er sich wünschte, jetzt mit uns im Libanon zu sein.“
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Seitdem versuche er immer wieder, seinen Sohn zu erreichen. „Hunderte Male“, sagt der Vater. Irgendwann seien seine Nachrichten jedoch nicht mehr zugestellt worden. Die letzte habe sein Sohn um 21.53 Uhr erhalten. Kurz darauf soll Abdul B. den angemieteten Transporter in die Menschenmenge am Berliner Tiergarten gesteuert haben.
„Er wurde einer Gehirnwäsche unterzogen“
Nach Angaben seines Vaters lebte Abdul B. zuletzt gemeinsam mit seiner Mutter und zwei seiner drei Schwestern in Berlin. Die Eltern sind geschieden. Sein Sohn habe die Schule nach der zehnten Klasse verlassen und anschließend unter anderem als Sicherheitsmitarbeiter und Fahrer gearbeitet. Eine feste Anstellung habe der 21-Jährige jedoch nie gehabt. Stattdessen habe er häufig die Nächte am Handy oder vor dem Fernseher verbracht, lange geschlafen und sei oft erst am späten Nachmittag aufgestanden, berichtet der Vater.
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Seinen Sohn beschreibt Tawfik B. als „großzügig, emotional, liebevoll“ und mit dem „Herz eines Kindes“. Warum er dennoch zu einer solchen Tat fähig gewesen sein soll, könne er sich nur so erklären: „Er wurde einer Gehirnwäsche unterzogen.“
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Vater sah Warnzeichen
Nach eigenen Angaben machte sich Tawfik B. schon länger Sorgen um seinen Sohn. Er habe ihn gefragt, was er über die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) denke. Abdul B. habe ihm daraufhin versichert, dass er die Terrororganisation für „schlecht“ halte.
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Dennoch habe es Streit gegeben – unter anderem über den Bart des 21-Jährigen. „Ich habe ihm nicht erlaubt, einen langen Bart zu tragen“, sagt der Vater. Er habe das offenbar als mögliches Anzeichen einer Radikalisierung gesehen. Nach Angaben des Vaters ist die Familie schiitisch. Seine Töchter trügen zwar Kopftuch, seien aber „nicht extrem religiös“. „Wir unterstützen den Islamischen Staat nicht“, betont er.
Ermittler gehen von Radikalisierung aus
Die Aussagen des Vaters stehen den Erkenntnissen der Ermittler gegenüber. Nach Angaben der Berliner Generalstaatsanwaltschaft hatte sich Abdul B. radikalisiert. Demnach soll er im vergangenen Jahr mehrfach versucht haben, sich dem IS anzuschließen. Im Mai 2025 reiste er laut Ermittlern in den Libanon, um von dort nach Syrien zur Terrormiliz zu gelangen. Der Versuch scheiterte. Anschließend kam er in Untersuchungshaft und wurde später in Berlin zu einer Jugendstrafe verurteilt. (lmi)
Verwendete Quelle: spiegel.de


